Steu­er­erlass aus Bil­lig­keits­grün­den – das ange­mes­se­ne Haus­grund­stück als Schon­ver­mö­gen

Ob ein selbst­ge­nutz­tes Haus­grund­stück zumut­bar zu ver­wer­ten oder Schon­ver­mö­gen ist, rich­tet sich für das steu­er­li­che Bil­lig­keits­ver­fah­ren wei­ter nach der sozi­al­recht­li­chen Abgren­zung gemäß § 12 Abs. 3 Nr. 4 SGB II und § 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII wie vor 2002 nach § 88 Abs. 2 Nr. 7 BSHG i. V. m. §§ 39, 82 II. WoBauG.

Steu­er­erlass aus Bil­lig­keits­grün­den – das ange­mes­se­ne Haus­grund­stück als Schon­ver­mö­gen

Ange­mes­sen sind danach für 4 Per­so­nen im Ein­fa­mi­li­en­haus Wohn­flä­chen bis 130 m² oder in einer Eigen­tums­woh­nung bis 120 m², für jede wei­te­re Per­son jeweils zuzüg­lich 20 m²; für jede Per­son weni­ger jeweils abzüg­lich 20 m² bis zur Unter­gren­ze von 90 bzw. 80 m².

Grund­stücks­flä­chen kön­nen im städ­ti­schen Bereich für ein frei­ste­hen­des Ein­fa­mi­li­en­haus bis 500 m² ange­mes­sen sein; Ver­gleichs­prei­se im unte­ren Bereich kön­nen anhand des städ­ti­schen Immo­bi­li­en­markt­be­richts abge­grenzt wer­den.

Die Gren­zen der Zumut­bar­keit der Ver­wer­tung eines Haus­grund­stücks beur­tei­len sich im Abga­ben- oder Steu­e­recht nach sozi­al­recht­li­chen Maß­stä­ben 1, ins­be­son­de­re bei der Ent­schei­dung über einen Bil­lig­keits­er­lass aus per­sön­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Bil­lig­keits­grün­den 2.

Soweit für die Zumut­bar­keit des Ein­sat­zes oder der Ver­wer­tung eines Haus­grund­stücks auf das Sozi­al­recht zurück­zu­grei­fen ist, sind die Rege­lun­gen über das Schon­ver­mö­gen in Gestalt des selbst genutz­ten ange­mes­se­nen Haus­grund­stücks wie bei der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de in § 12 Abs. 3 Nr. 4 SGB II und wie bei der Sozi­al­hil­fe in § 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII bzw. vor­her § 88 Abs. 2 Nr. 7 BSHG maß­geb­lich 3.

Nach § 12 Abs. 3 Nr. 4 SGB II ist als Ver­mö­gen nicht zu berück­sich­ti­gen ein selbst genutz­tes Haus­grund­stück von ange­mes­se­ner Grö­ße oder eine ent­spre­chen­de Eigen­tums­woh­nung.

Gemäß § 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII 4 darf die Sozi­al­hil­fe nicht abhän­gig gemacht wer­den vom Ein­satz oder der Ver­wer­tung eines ange­mes­se­nen Haus­grund­stücks, das von der nach­fra­gen­den Per­son allein oder zusam­men mit Ange­hö­ri­gen bewohnt wird. Die Ange­mes­sen­heit bestimmt sich nach der Zahl der Bewoh­ner, dem Wohn­be­darf, der Grund­stücks­grö­ße, der Haus­grö­ße, dem Zuschnitt und der Aus­stat­tung des Wohn­ge­bäu­des sowie dem Wert des Grund­stücks ein­schließ­lich des Wohn­ge­bäu­des. Nach § 88 Abs. 2 Nr. 7 Satz 2 BSHG i. d. F. vor 2002 sind Fami­li­en­hei­me und Eigen­tums­woh­nun­gen in der Regel nicht unan­ge­mes­sen groß, wenn ihre Wohn­flä­che die Gren­zen des § 39 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 3 i. V. m. Abs. 2, § 82 II. WoBauG i. d. F. vor 2002 nicht über­schrei­tet.

Über­ein­stim­mend wird bei Anwen­dung die­ser sozi­al­recht­li­chen Defi­ni­tio­nen in ers­ter Linie auf den Bedarf der Per­so­nen­zahl im Ver­hält­nis zur Wohn­flä­che abge­stellt. Man­gels einer bun­des­wei­ten Neu­re­ge­lung wer­den nach stän­di­ger Recht­spre­chung wei­ter die Wohn­flä­chen­gren­zen nach § 39 Abs. 1 Nr. 1 und 3 i. V. m. Abs. 2, § 82 Abs. 3 II. WoBauG her­an­ge­zo­gen, das heißt 130 m² Wohn­flä­che beim selbst­ge­nutz­ten Haus – wie hier – oder 120 m² Wohn­flä­che in der eigen­ge­nutz­ten Eigen­tums­woh­nung; jeweils bei mehr als vier Per­so­nen zusätz­lich pro Per­son 20 m² 5.

Bei weni­ger als 4 Per­so­nen wer­den je Per­son 20 m² abge­zo­gen; typi­sie­rend ist die­se Redu­zie­rung jedoch auf eine Bele­gung mit bis zu zwei Per­so­nen zu begren­zen, das heißt bei einem Ein­fa­mi­li­en­haus auf [130 ./​. (2 x 20) = ] 90 m² 6.

Die dem­entspre­chend unab­hän­gig von der Mit­be­nut­zung und Bedürf­tig­keit des Kin­des 2 bis zu 90 m² ange­mes­se­ne Wohn­flä­che wird weit über­schrit­ten durch die vor­han­de­nen rund 180 m².

In Kom­bi­na­ti­on mit dem – über­schrit­te­nen – Wohn­flä­chen­be­darf kön­nen ent­spre­chend § 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII die Grund­stücks­grö­ße und der Wert des bebau­ten Grund­stücks als wei­te­re Kri­te­ri­en her­an­ge­zo­gen wer­den (Kom­bi­na­ti­ons­theo­rie) 7.

Ob dies auch unter Wirt­schaft­lich­keits- und Här­te-Gesichts­punk­ten i. S. v. § 12 Abs. 3 Nr. 6 SGB II gilt 8, kann in Anbe­tracht der hier auch in Kom­bi­na­ti­on gege­be­nen Unan­ge­mes­sen­heit offen­blei­ben.

Für Grund­stücks­grö­ße und ‑Wert sind die Ver­hält­nis­se am Wohn­ort maß­geb­lich 9. Dabei muss sich der Wert im unte­ren Bereich der dort zu ver­glei­chen­den Ver­kehrs­wer­te hal­ten und schei­den Objek­te in bevor­zug­ter Wohn­la­ge oder mit her­aus­ge­ho­be­nen Grund­stücks­prei­sen als Ver­gleichs­ob­jek­te aus 10.

Als Grenz­wert-Anhalts­punk­te für die ange­mes­se­ne Grund­stücks­grö­ße wer­den 250 – 350 m² genannt, teils auch 500 m² für ein frei­ste­hen­des Haus oder im länd­li­chen Bereich 11; teils im länd­li­chen Bereich auch 800 m² 12; u. U. sogar 1.500 m² aus­nahms­wei­se in einer 300 Ein­woh­ner zäh­len­den Gemein­de 13.

Die davon in Betracht kom­men­den Grenz­wer­te, spe­zi­ell für ein frei­ste­hen­des Haus im städ­ti­schen Bereich bis zu 500 m², wer­den durch die vor­lie­gen­de Grund­stücks­grö­ße von 1.590 m² weit über­schrit­ten.

Des­glei­chen über­schrei­tet der vom Klä­ger für das bebau­te Grund­stück in 2013 genann­te Wert von 700.000 Euro bei wei­tem den unte­ren Bereich und die Mit­tel­wer­te für sämt­li­che Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­haus­ver­käu­fe sowohl im Stadt­ge­biet als auch im Stadt­teil des Klä­gers sowie die gleich­falls ver­öf­fent­lich­ten Mit­tel­wer­te für frei­ste­hen­de Ein­fa­mi­li­en­häu­ser in Ham­burg.

So bleibt es auch bei kom­bi­nier­ter Wür­di­gung von Wohn­flä­che, Grund­stücks­grö­ße und Wert des bebau­ten Grund­stücks unab­hän­gig von der Wohn­si­tua­ti­on des Kin­des bei der Unan­ge­mes­sen­heit des Haus­grund­stücks des Klä­gers, das dem­entspre­chend kein Schon­ver­mö­gen ist und zumut­bar ver­wert­bar ist, sei es durch wei­te­re Belei­hung, durch Ver­kauf oder durch Zwangs­ver­stei­ge­rung.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 18. Febru­ar 2014 – 3 K 257/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 13.12.2005 – XI R 5/​02, DSt­RE 2006, 769[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 16.07.2008 – X S 28/​08, BFH/​NV 2008, 1701 Rz. 21 i. V. m. Rz. 9, 12; FG Köln, Urteil vom 29.09.2003- 5 K 4216/​02, EFG 2004, 623, rechts­kräf­tig durch BFH, Beschluss vom 19.05.2004 – X B 149/​03, BeckRS[]
  3. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 26.01.2001 – VI B 277/​99, BFH/​NV 2001, 809; vom 20.01.2000 – III B 68/​99, BFH/​NV 2000, 862; vom 17.03.1987 – VII B 152/​86, BFH/​NV 19897, 733[]
  4. vor­her § 88 Abs. 2 Nr. 7 BSHG[]
  5. BSG, Urteil vom 19.05.2009 – B 8 SO 7/​08 R, NVwZ-RR 2010, 152 Rz. 17 ff., 19[]
  6. BSG, Urtei­le vom 12.12.2013 – B 14 AS 90/​12 R, BeckRS; vom 07.11.2006 – B 7b AS 2/​05 R, BSGE 97, 203, NZS 2007, 428 Rz. 21 f.; OLG Koblenz, Beschluss vom 06.09.2013 – 13 WF 745/​13, Fam­FR 2013, 503; LAG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 18.04.2013 – L 5 AS 76/​08; LAG Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 03.02.2012 – 6 Ta 9/​12; Hen­gel­haupt in Hauck/​Noftz, SGB II § 12 Rz.208 ff., 211, 211a; Radü­ge in Juris­PK-SGB II, 3. Aufl., § 12 Rz. 129 ff.[]
  7. BFH, Beschluss vom 11.04.1990 – I B 75/​89, MDR 1990, 955[]
  8. vgl. BSG, Urteil vom 12.12.2013 – B 14 AS 90/​12 R[]
  9. Huff­mann in Beck­OK SGB XII § 90 Rz. 32[]
  10. BVerwG, Urteil vom 17.01.1991 – 5 C 53/​86, BVerw­GE 87, 278, NJW 1991, 1968[]
  11. SG Aachen, Urteil vom 07.03.2012 – S 20 SO 55/​11; OVG NRW, Beschluss vom 12.09.2011 – 12 A 199/​11; BSG, Urteil vom 19.05.2009 – B 8 SO 7/​08 R, NVwZ-RR 2010, 152 Rz. 17, 20; Wah­ren­dorf in Grube/​Wahrendorf, SGB XII, 3. Aufl., § 90 Rz. 55; Mecke in Juris­PK SGB XII, 2. Aufl., § 90 Rz. 80[]
  12. Lücking in Hauck/​Noftz, SGB XII § 90 Rz. 74; Hen­gel­haupt in Hauck/​Noftz, SGB II § 12 Rz. 212a; Radü­ge in Juris­PK SGB II, 3. Aufl., § 12 Rz. 133[]
  13. vgl. inzwi­schen LSG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 18.04.2013 – L 5 AS 76/​08[]