Steu­er­recht im Juli 2014

KlatschmohnAuch im ver­gan­ge­nen Monat waren Recht­spre­chung, Gesetz­ge­bung und Finanz­ver­wal­tung wie­der äußerst "pro­duk­tiv". Hier das Wich­tigs­te im Über­blick:

Wie­der­ein­set­zung wegen über­lan­ger Post­lauf­zeit

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung dür­fen Ver­zö­ge­run­gen bei der Brief­be­för­de­rung oder -zustel­lung, die der Rechts­mit­tel­füh­rer nicht zu ver­tre­ten hat und auf die er auch kei­nen Ein­fluss besitzt, nicht als des­sen Ver­schul­den gewer­tet wer­den. Er darf dar­auf ver­trau­en, dass die von der Deut­schen Post AG nach ihren orga­ni­sa­to­ri­schen und betrieb­li­chen Vor­keh­run­gen für den Nor­mal­fall fest­ge­leg­ten Post­lauf­zei­ten ein­ge­hal­ten wer­den 1.

In der Ver­ant­wor­tung des Rechts­mit­tel­füh­rers liegt es nur, das zur Beför­de­rung bestimm­te Schrift­stück den pos­ta­li­schen Bestim­mun­gen ent­spre­chend und so recht­zei­tig zur Post zu geben, dass es nach die­sen orga­ni­sa­to­ri­schen und betrieb­li­chen Vor­keh­run­gen der Deut­schen Post AG bei regel­mä­ßi­gem Diens­t­ab­lauf den Emp­fän­ger frist­ge­recht erreicht. Der Rechts­mit­tel­füh­rer kann Rechts­mit­tel­fris­ten grund­sätz­lich bis zum letz­ten Tag in Anspruch neh­men. Ledig­lich gegen Ende der Frist obliegt es ihm, eine Beför­de­rungs­art zu wäh­len, die die Ein­hal­tung der Frist gewähr­leis­tet. Im Rah­men der übli­chen Post­lauf­zei­ten ist der Rechts­mit­tel­füh­rer auch nicht ver­pflich­tet, alter­na­ti­ve Beför­de­rungs­mit­tel zu nut­zen.

An die Sorg­falts­pflich­ten von Behör­den sind inso­weit die­sel­ben Anfor­de­run­gen zu stel­len wie an einen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten 2.

Im Streit­fall hat das Finanz­amt durch Vor­la­ge einer Kopie des Fris­ten­kon­troll­buchs glaub­haft gemacht, dass die Über­ga­be der Revi­si­ons­schrift an den Dienst­leis­ter Z‑GmbH, ein Toch­ter­un­ter­neh­men der Deut­schen Post AG, am 26.04.2012 erfolgt ist. Das Finanz­amt durf­te ent­spre­chend den von der Deut­schen Post AG ver­laut­bar­ten Post­lauf­zei­ten davon aus­ge­hen, dass bei regel­mä­ßi­gem Betriebs­ab­lauf die Sen­dung inner­halb von 48 Stun­den und damit frist­ge­recht bis zum 2.05.2012 beim BFH ein­ge­hen wür­de. Denn es ver­blie­ben noch ‑den Fei­er­tag am 1.05.2012 abge­rech­net- mehr als drei Werk­ta­ge bis zum Frist­ab­lauf 3. Ent­spre­chend hat­te das Finanz­amt kei­nen Anlass, sich aus­nahms­wei­se durch einen Anruf beim Rechts­mit­tel­ge­richt am Tag des Frist­ab­laufs Gewiss­heit über den Ein­gang des Schrift­sat­zes zu ver­schaf­fen und ggf. auf ande­re Wei­se (z.B. durch Tele­fax) noch für einen recht­zei­ti­gen Zugang zu sor­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2014 – VI R 26/​12

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 06.04.1995 – VIII B 61/​94, BFH/​NV 1996, 137; BFH, Urteil vom 07.05.1996 – VIII R 60/​95, BFH/​NV 1997, 34[]
  2. BFH, Urteil in BFH/​NV 1997, 34[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 09.07.2003 – I R 4/​02, BFH/​NV 2004, 83[]