Steu­er­schul­den und der Rech­nungs­ein­zug über frem­des Kon­to

Nach einem aktu­el­len Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter kann der­je­ni­ge, der dem Steu­er­schuld­ner ein Kon­to zur Nut­zung über­lässt, damit die­ser betrieb­li­che For­de­run­gen ein­zie­hen kann, gemäß § 191 AO für Steu­er­rück­stän­de im Wege des Wert­er­sat­zes durch Anfech­tungs- und Dul­dungs­be­scheid in Anspruch genom­men wer­den.

Steu­er­schul­den und der Rech­nungs­ein­zug über frem­des Kon­to

In dem vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall konn­te das Finanz­amt gegen den frei­be­ruf­lich täti­gen Ehe­mann der Klä­ge­rin Steu­er­rück­stän­de wegen diver­ser Ver­mö­gens­über­tra­gun­gen und Abga­be der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung nicht mehr voll­stre­cken. In Erfah­rung gebracht wur­de aller­dings, dass die Klä­ge­rin ein Kon­to eröff­net hat­te, für das der Ehe­mann Voll­macht besaß und über das er Hono­rar­zah­lun­gen für sei­ne frei­be­ruf­li­che Tätig­keit ein­zog.

Als benach­tei­lig­ter Gläu­bi­ger focht das Finanz­amt die Zuflüs­se der betrieb­li­chen For­de­run­gen auf dem Kon­to der Klä­ge­rin nach den Vor­schrif­ten des Anfech­tungs­ge­set­zes an und nahm die Klä­ge­rin durch Dul­dungs­be­scheid für die Steu­er­schul­den des Ehe­manns in Anspruch.

Zu Recht, wie jetzt das Finanz­ge­richt Müns­ter befand: Das Finanz­ge­richt Müns­ter recht­fer­tig­te die Inan­spruch­nah­me der Klä­ge­rin für Steu­er­rück­stän­de ihres Ehe­manns durch Anfech­tungs- und Dul­dungs­be­scheid . Die Klä­ge­rin sei gemäß § 191 Abs. 1 AO ver­pflich­tet, die Voll­stre­ckung gegen sich zu dul­den. Durch die Anwei­sung des Ehe­manns an des­sen Ver­trags­part­ner, die Hono­ra­re auf das der Klä­ge­rin – sei­ner Ehe­frau – gehö­ren­de Kon­to zu über­wei­sen, habe die­se in gemäß § 3 AnfG recht­lich anfecht­ba­rer Wei­se Ver­mö­gens­vor­tei­le (For­de­run­gen) von ihrem Ehe­mann erlangt. Hier­durch sei es zu einer Benach­tei­li­gung der Gläu­bi­ger des Ehe­manns – und somit auch des beklag­ten Finanz­amts – gekom­men, da die Klä­ge­rin durch den Zufluss der Gel­der auf ihrem Kon­to Inha­be­rin der For­de­run­gen gewor­den sei. Von der nach § 3 Abs. 1 AnfG erfor­der­li­chen Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gungs­ab­sicht des Ehe­manns habe die Klä­ge­rin – ent­ge­gen ihrer eige­nen Behaup­tung – auf­grund ihres Wis­sens über die dro­hen­de Zah­lungs­un­fä­hig­keit und auch der Ver­flech­tung der Lebens- und Arbeits­be­rei­che der Ehe­leu­te posi­ti­ve Kennt­nis gehabt.

Zwar kön­ne die Klä­ge­rin das unmit­tel­bar aus der Ver­mö­gens­ver­schie­bung zu ihren Guns­ten Erlang­te – näm­lich die For­de­run­gen des Ehe­manns – nicht mehr her­aus­ge­ben. Die For­de­run­gen sei­en durch den Zufluss auf dem Kon­to der Klä­ge­rin erlo­schen. Aller­dings habe die Klä­ge­rin in Höhe der von ihr ver­ein­nahm­ten For­de­run­gen Wert­er­satz durch Geld­zah­lung zu leis­ten (§ 11 Abs. 1 AnfG). Infol­ge ihrer Kennt­nis über die Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung kön­ne sich die Klä­ge­rin auch nicht auf Ent­rei­che­rung beru­fen (§ 11 Abs. 2 AnfG).

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 22. Janu­ar 2010 – 6 K 4276/​06 (nicht rechts­kräf­tig; Az. BFH: VII B 44/​10)