Steu­er­ver­an­la­gung nach Pres­se­be­rich­ten

Die Finanz­ver­wal­tung darf sich bei der steu­er­li­chen Ver­an­la­gung einer in der Öffent­lich­keit ste­hen­den Per­son bei der Bemes­sung einer zu erwar­ten­den Steu­er­for­de­rung nicht allein auf Berich­te in den Medi­en ver­las­sen.

Steu­er­ver­an­la­gung nach Pres­se­be­rich­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall dem ehe­ma­li­gen AWD – Chef Cars­ten Maschmey­er Scha­dens­er­satz in Höhe von 60.450,33 € zuge­spro­chen. Maschmey­er hat­te das Land Nie­der­sach­sen zunächst vor dem Land­ge­richt Han­no­ver auf Zah­lung von über 250.000,00 € ver­klagt. Er hat­te gel­tend gemacht, dass das Finanz­amt ihm einen feh­ler­haf­ten Ein­kom­mens­steu­er­vor­aus­zah­lungs­be­scheid erteilt habe. Dar­auf­hin habe er ein Steu­er­be­ra­ter­bü­ro damit beauf­tra­gen müs­sen, gegen den Bescheid Ein­spruch ein­zu­le­gen, so dass ihm hohe Steu­er­be­ra­ter­kos­ten ent­stan­den sei­en. Die­se ver­lang­te er als Scha­dens­er­satz wegen des Feh­lers des Finanz­am­tes zurück. Das Land­ge­richt wies die Kla­ge mit der Begrün­dung ab, dass ein Ein­spruch nicht erfor­der­lich gewe­sen sei, weil Herr Maschmey­er statt des­sen einen Antrag auf Anpas­sung des Vor­aus­zah­lungs­be­schei­des hät­te stel­len kön­nen und müs­sen. Dage­gen hat Herr Maschmey­er Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le sei der Finanz­ver­wal­tung bei der steu­er­li­chen Ver­an­la­gung von Herrn Maschmey­er ein Feh­ler unter­lau­fen, weil sich die Beam­ten bei der Bemes­sung einer zu erwar­ten­den Steu­er­for­de­rung 2009 und der Fra­ge, ob Herr Maschmey­er auch 2009 AWD-Antei­le ver­äu­ßern wür­de, nicht allein auf Berich­te in den Medi­en hät­ten ver­las­sen dür­fen. Des­halb sei Maschmey­er berech­tigt gewe­sen, die Hil­fe eines Steu­er­be­ra­ters in Anspruch zu neh­men. Bei einem Anpas­sungs­an­trag ohne zeit­glei­chen Ein­spruch hät­te das unzu­mut­ba­re Risi­ko bestan­den, dass die Ein­spruchs­frist abläuft.

Aller­dings sind die Steu­er­be­ra­ter­kos­ten nur zu einem Vier­tel vom Land Nie­der­sach­sen zu erstat­ten. Die vom Steu­er­be­ra­ter abge­rech­ne­ten Gebüh­ren sind teil­wei­se über­höht und teil­wei­se zu Unrecht gel­tend gemacht wor­den. Ins­be­son­de­re muss das Land Nie­der­sach­sen nicht für Mehr­kos­ten auf­kom­men, die dadurch ent­stan­den sind, dass Herr Maschmey­er zwei Steu­er­be­ra­ter beauf­tragt hat.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 23. August 2012 – 16 U 9/​12