Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten – als Wer­bungs­kos­ten oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen

Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten sind nur dann als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn der straf­recht­li­che Vor­wurf, gegen den sich der Steu­er­pflich­ti­ge zur Wehr setzt, durch sein beruf­li­ches Ver­hal­ten ver­an­lasst gewe­sen ist 1.

Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten – als Wer­bungs­kos­ten oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen

Dies ist der Fall, wenn die dem Steu­er­pflich­ti­gen zur Last geleg­te Tat in Aus­übung der beruf­li­chen Tätig­keit began­gen wor­den ist 2.

Die dem Steu­er­pflich­ti­gen vor­ge­wor­fe­ne Tat muss aus­schließ­lich und unmit­tel­bar aus sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit her­aus erklär­bar sein 3. Auf die Fra­ge, ob der straf­recht­li­che Vor­wurf zu Recht erho­ben wur­de, kommt es hier­bei nicht an 4.

Mit­hin kommt ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nur bei einer ein­deu­tig der steu­er­ba­ren beruf­li­chen Sphä­re zuzu­ord­nen­den Tat in Betracht.

Ist der straf­recht­li­che Vor­wurf nicht durch das beruf­li­che Ver­hal­ten des Steu­er­pflich­ti­gen ver­an­lasst, schei­det somit ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für die Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten aus. Da es für die beruf­li­che Ver­an­las­sung der Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch nicht dar­auf ankommt, ob dem Steu­er­pflich­ti­gen der straf­recht­li­che Vor­wurf zu Recht oder ‑wie im Streit­fall- im Ergeb­nis zu Unrecht gemacht wur­de, wird die beruf­li­che Ver­an­las­sung der Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten auch nicht dadurch begrün­det, dass der Steu­er­pflich­ti­ge für erlit­te­ne Straf­ver­fol­gungs­maß­nah­men eine (steu­er­pflich­ti­ge) Ent­schä­di­gung nach dem Gesetz über die Ent­schä­di­gung für Straf­ver­fol­gungs­maß­nah­men (StrEG) erhält. Denn der Steu­er­pflich­ti­ge wen­det die Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten nicht auf, um i.S. von § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG mit der Ent­schä­di­gung nach dem StrEG steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te zu erwer­ben, son­dern um sich von dem gegen ihn erho­be­nen straf­recht­li­chen Vor­wurf zu ent­las­ten. Beruht die­ser straf­recht­li­che Vor­wurf nicht sei­ner­seits auf einem beruf­li­chen Ver­hal­ten des Steu­er­pflich­ti­gen, über­la­gern die pri­va­ten, nicht beruf­li­chen Grün­de für die Auf­wen­dung der Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten den Zusam­men­hang zwi­schen die­sen Kos­ten und der Ent­schä­di­gung nach dem StrEG.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat auch bereits ent­schie­den, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung i.S. des § 33 EStG anzu­er­ken­nen sind. Soweit der Ange­schul­dig­te frei­ge­spro­chen wird, fal­len gemäß § 467 Abs. 1 StPO, von hier nicht ein­schlä­gi­gen Aus­nah­me­fäl­len abge­se­hen (§ 467 Abs. 2 und 3 StPO), die not­wen­di­gen Aus­la­gen des Ange­schul­dig­ten der Staats­kas­se zur Last. Gemäß § 464a Abs. 2 Nr. 2 StPO gehö­ren zu den not­wen­di­gen Aus­la­gen eines Betei­lig­ten auch die Gebüh­ren und Aus­la­gen eines Rechts­an­walts, soweit sie nach § 91 Abs. 2 der Zivil­pro­zess­ord­nung zu erstat­ten sind. Dazu zäh­len u.a. die gesetz­li­chen Gebüh­ren und Aus­la­gen des Rechts­an­walts der obsie­gen­den Par­tei. Soweit dem Steu­er­pflich­ti­gen auf­grund die­ser Vor­schrif­ten ein Anspruch auf Erstat­tung der Kos­ten der Straf­ver­tei­di­gung zusteht, schei­det schon man­gels Belas­tung des Steu­er­pflich­ti­gen ein Abzug nach § 33 EStG aus 5.

Soweit nach den genann­ten Vor­schrif­ten kein Anspruch gegen die Staats­kas­se besteht, sind Anwalts­kos­ten für die Straf­ver­tei­di­gung einem Steu­er­pflich­ti­gen nur zwangs­läu­fig erwach­sen (§ 33 Abs. 1 EStG), wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die­se Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen (§ 33 Abs. 2 Satz 1 EStG). Nicht zwangs­läu­fig sind Auf­wen­dun­gen ins­be­son­de­re dann, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge ‑wie hier- mit sei­nem Ver­tei­di­ger ein Hono­rar ver­ein­bart hat, das über den durch die Staats­kas­se erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten liegt; ein Abzug die­ser Mehr­auf­wen­dun­gen ist man­gels Zwangs­läu­fig­keit nicht mög­lich 5. Da der Abzug der über die gesetz­li­chen Gebüh­ren und Aus­la­gen hin­aus­ge­hen­den, auf einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung beru­hen­den Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung nach der Recht­spre­chung des BFH an der feh­len­den Zwangs­läu­fig­keit schei­tert, ist es inso­weit auch uner­heb­lich, dass der Steu­er­pflich­ti­ge frei­ge­spro­chen wird. Bei einer Ver­ur­tei­lung schei­det der Abzug der Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung ohne­hin aus 6.

Hin­rei­chen­de Grün­de, die eine erneu­te Prü­fung und Ent­schei­dung der Fra­ge erfor­der­lich machen, ob Rechts­an­walts­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzugs­fä­hig sind, wenn die Rechts­ver­tei­di­gung zu einem Frei­spruch führt, sieht der Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Dies gilt auch im Hin­blick auf den Auf­satz von Bron/​Ruzik 7. Neue, ent­schei­dungs­er­heb­li­che Gesichts­punk­te, die der Bun­des­fi­nanz­hof bis­her nicht erwo­gen hat, wer­den von Bron/​Ruzik nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht auf­ge­zeigt. Der Umstand, dass Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Straf­ver­tei­di­ger und Man­dant grund­sätz­lich gebüh­ren­recht­lich zuläs­sig sind, ist für die Fra­ge, ob dem Steu­er­pflich­ti­gen Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten i.S. von § 33 Abs. 1 EStG zwangs­läu­fig erwach­sen, ohne Bedeu­tung. Die von Bron/​Ruzik befür­wor­te­te Gleich­be­hand­lung von Straf­ver­tei­di­gungs­kos­ten mit Krank­heits­kos­ten ist schon wegen der unter­schied­li­chen Sach­ver­hal­te nicht gebo­ten. Der Abschluss einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit einem Straf­ver­tei­di­ger ist ent­ge­gen Bron/​Ruzik 8 kein mit einer Krank­heit ver­gleich­ba­res "alter­na­tiv­lo­ses Sze­na­rio"

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Juni 2015 – VI B 133/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 16.04.2013 – IX R 5/​12, BFHE 241, 355, BSt­Bl II 2013, 806; und vom 18.10.2007 – VI R 42/​04, BFHE 219, 197, BSt­Bl II 2008, 223, m.w.N.[]
  2. BFH, Urtei­le vom 19.02.1982 – VI R 31/​78, BFHE 135, 449, BSt­Bl II 1982, 467; vom 18.09.1987 – VI R 121/​84, BFH/​NV 1988, 353; und vom 13.12 1994 – VIII R 34/​93, BFHE 176, 564, BSt­Bl II 1995, 457, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 12.06.2002 – XI R 35/​01, BFH/​NV 2002, 1441, m.w.N.[]
  4. BFH, Beschluss vom 30.06.2004 – VIII B 265/​03, BFH/​NV 2004, 1639, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 219, 197, BSt­Bl II 2008, 223[][]
  6. BFH, Urteil in BFHE 241, 355, BSt­Bl II 2013, 806[]
  7. Bron/​Ruzik, DStR 2011, 2069[]
  8. Bron/​Ruzik, DStR 2011, 2069, 2073[]