Streit­wert im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist im Ver­fah­ren der ein­heit­li­chen Gewinn­fest­stel­lung der Streit­wert nach der typi­sier­ten ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung zu schät­zen. Dabei ist im Sin­ne einer Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chung anzu­neh­men, dass die­se Aus­wir­kung in der Regel 25 % des strei­ti­gen Gewinns aus­macht [1].

Streit­wert im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Die­ser Satz ist aller­dings kei­ne fes­te Grö­ße. Aus­nahms­wei­se kommt der Ansatz eines höhe­ren Pro­zent­sat­zes in Betracht, wenn ohne beson­de­re Ermitt­lun­gen im Gewinn­fest­stel­lungs­ver­fah­ren erkenn­bar ist, dass der Pau­schal­satz der tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung nicht gerecht wird. Daher ist der Satz von 25 % bei höhe­ren Gewinn- bzw. Ver­lust­an­tei­len wegen der infol­ge des pro­gres­si­ven Ein­kom­men­steu­er­ta­rifs zu erwar­ten­den höhe­ren ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kung ange­mes­sen zu erhö­hen [2].

An der pau­scha­len Ermitt­lung des Streit­werts ist selbst dann fest­zu­hal­ten, wenn im Ver­fah­ren über die geson­der­te und ein­heit­li­che Gewinn­fest­stel­lung die tat­säch­li­chen ein­kom­men­steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen bei den Fest­stel­lungs­be­tei­lig­ten bekannt gewor­den sind [3].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 29. Febru­ar 2012 – IV E 1/​12

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 29.09.2005 – IV E 5/​05, BFH/​NV 2006, 315; und vom 10.10.2006 – VIII B 177/​05, BFHE 214, 208, BStBl II 2007, 54[]
  2. BFH, Beschlüs­se vom 13.03.1980 – IV E 2/​80, BFHE 130, 363, BStBl II 1980, 520; vom 02.10.1980 – IV R 235/​75, BFHE 131, 288, BStBl II 1981, 38; vom 17.11.1987 – VIII R 346/​83, BFHE 152, 5, BStBl II 1988, 287[]
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2006, 315[]