Streit­wert im Ver­fah­ren der Aus­set­zung der Voll­zie­hung

Auch in Fäl­len, in denen der Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung in zeit­li­cher Hin­sicht auf die Been­di­gung eines ande­ren, ver­fah­rens­recht­lich vor­an­ge­schrit­te­ne­ren Ver­fah­rens beschränkt wird, ist der Streit­wert mit 25 % des Streit­werts der Haupt­sa­che anzu­set­zen.

Streit­wert im Ver­fah­ren der Aus­set­zung der Voll­zie­hung

Die Streit­wert­fest­set­zung beruht auf § 39 Abs. 2, § 52 Abs. 1, § 53 Abs. 3 Nr. 3 GKG. Auch in Ver­fah­ren auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung ist der Streit­wert durch Ermes­sen des Gerichts zu bestim­men nach dem Antrag und der sich aus ihm erge­ben­den Bedeu­tung der Sache für den Antrag­stel­ler.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg bestimmt seit sei­nem Beschluss vom 31.10.2007 [1] aus den dort ange­ge­be­nen Grün­den den Streit­wert im Ver­fah­ren auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung in stän­di­ger Recht­spre­chung [2] pau­schal mit 25 % des Streit­werts der Haupt­sa­che. Auch unter Berück­sich­ti­gung, dass sich unter den Sena­ten des Bun­des­fi­nanz­hofs bis zum letz­ten Jahr (noch) kei­ne Mehr­heit für die­se Pra­xis gefun­den hat [3], hält das Finanz­ge­richt Ham­burg aus den nach wie vor gel­ten­den Grün­den an sei­ner Rechts­auf­fas­sung fest.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg sieht auch im vor­lie­gen­den Fall kei­nen Anlass von die­ser Recht­spre­chung abzu­wei­chen. Die Fra­ge, über wel­chen Zeit­raum eine bean­trag­te Aus­set­zung der Voll­zie­hung wohl Wir­kung ent­fal­ten wird, ist grund­sätz­lich unbe­acht­lich. Des­halb führt auch der Umstand, dass der streit­ge­gen­ständ­li­che Antrag auf­grund der kon­kre­ten Antrag­stel­lung in zeit­li­cher Hin­sicht – aty­pisch – nicht mit einer Ent­schei­dung hin­sicht­lich des streit­ge­gen­ständ­li­chen Bescheids ver­knüpft war, son­dern mit einer Ent­schei­dung in einer – ver­fah­rens­mä­ßig wei­ter fort­ge­schrit­te­nen, näm­lich beim Bun­des­fi­nanz­hof anhän­gi­gen – Par­al­lel­sa­che, zu kei­ner ande­ren Betrach­tung. Zumal bereits bei Antrag­stel­lung zu erwar­ten war, dass die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs in dem Par­al­lel­ver­fah­ren ohne­hin für die Gewäh­rung von Aus­set­zung der Voll­zie­hung für den hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Bescheid maß­geb­lich wer­den wird, wie sodann auch gesche­hen.

Wegen der auch im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren anzu­wen­den­den [4] Höchst­be­trags­re­ge­lung in § 39 Abs. 2 GKG ist hier der Streit­wert der Haupt­sa­che – Anfech­tung einer Abga­ben­fest­set­zung über 96.347.570 € – auf den Betrag von 30 Mio. € begrenzt, so dass der Streit­wert des Ver­fah­rens des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes hier­vor 25%, also 7,5 Mio. € beträgt.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 20. Juli 2012 – 4 V 13/​12

  1. FG Ham­burg, Beschluss vom 31.10.2007 – IV 169/​05, EFG 2008, 488[]
  2. zuletzt etwa FG Ham­burg, Beschluss vom 06.12.2011 – 4 V 133/​11; Beschluss vom 12.09.2011 – 4 V 180/​08[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 17.11.2011 – IV S 15/​10, in dem der dort ent­schei­den­de Senat die Erhö­hung des Streit­werts auf 25 % aller­dings als über­zeu­gend bezeich­net[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 28.04.2006 – I E 1/​06, BFH/​NV 2006, 1674[]