Streit­wert­erhö­hung bei über den klä­ge­ri­schen Antrag hin­aus­ge­hen­dem Bei­gela­de­nen­an­trag

Die Kos­ten eines Ver­fah­rens vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit rich­ten sich gemäß § 3 Abs. 1 i.V.m. § 1 Abs. 2 Nr. 2 GKG nach dem Streit­wert. Die­ser bestimmt sich im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren nach den Anträ­gen des Rechts­mit­tel­füh­rers (§ 47 Abs. 1 Satz 1 GKG). Die Ermitt­lung des Streit­werts in einer (ein­heit­li­chen und/​oder geson­der­ten) Gewinn­fest­stel­lungs­sa­che rich­tet sich dabei nach den steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen, die die strei­ti­gen Fest­stel­lun­gen auf die Ein­kom­men- bzw. Kör­per­schaft­steu­er der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten haben kön­nen 1.

Streit­wert­erhö­hung bei über den klä­ge­ri­schen Antrag hin­aus­ge­hen­dem Bei­gela­de­nen­an­trag

Geht aller­dings –wie im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall– der Antrag eines Bei­gela­de­nen über den klä­ge­ri­schen Antrag hin­aus, so ist der maß­geb­li­che Streit­wert zu erhö­hen, wenn über den ent­spre­chen­den Antrag ent­schie­den wor­den ist. Dies folgt mit­tel­bar aus § 45 Abs. 1 Sät­ze 2 und 3 GKG.

Nach § 45 Abs. 1 Satz 2 GKG wird ein hilfs­wei­se gel­tend gemach­ter Anspruch mit dem Haupt­an­spruch zusam­men­ge­rech­net, soweit eine Ent­schei­dung über ihn ergeht. Nach § 45 Abs. 1 Satz 3 GKG ist aller­dings nur der Wert des höhe­ren Anspruchs maß­ge­bend, wenn die Ansprü­che den­sel­ben Gegen­stand betref­fen. Die Rege­lun­gen bezie­hen sich auf wech­sel­sei­ti­ge Rechts­mit­tel, die den­sel­ben Streit­ge­gen­stand betref­fen 2. So liegt indes­sen der Streit­fall nicht, denn der von der Kos­ten­schuld­ne­rin gestell­te Hilfs­an­trag ist über den klä­ge­ri­schen Antrag hin­aus dar­auf gerich­tet, ihr lau­fen­des Ein­kom­men um den Betrag des ihr zuzu­rech­nen­den Organ­ein­kom­mens zu kür­zen.

Inso­weit liegt aus kos­ten­recht­li­cher Sicht ein zwei­ter Streit­ge­gen­stand vor, über den der Bun­des­fi­nanz­hof auch ent­schie­den hat, indem er den Hilfs­an­trag der Kos­ten­schuld­ne­rin als unzu­läs­sig ver­wor­fen hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. Juli 2013 – IV E 7/​13

  1. BFH, Urteil vom 10.11.1960 – IV 62/​60 U, BFHE 72, 251, BSt­Bl III 1961, 95; BFH-Beschlüs­se vom 28.09.1967 – IV R 60/​67, BFHE 90, 277, BSt­Bl II 1968, 62; vom 22.02.1985 – III R 206/​83, BFH/​NV 1985, 42[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 27.10.2008 – I E 3/​08, BFH/​NV 2009, 189[]