Streit­wert­fest­set­zung durch das Finanz­ge­richt

Gemäß § 63 Abs. 2 Satz 2 GKG wird der Streit­wert in Ver­fah­ren vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit nur dann förm­lich fest­ge­setzt, wenn ein Betei­lig­ter oder die Staats­kas­se dies bean­tragt oder das Gericht dies für ange­mes­sen hält.

Streit­wert­fest­set­zung durch das Finanz­ge­richt

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs setzt der Antrag eines Betei­lig­ten auf förm­li­che Fest­set­zung des Streit­werts ein Rechts­schutz­be­dürf­nis vor­aus. Dar­an fehlt es, wenn der Streit­wert ein­deu­tig aus dem gestell­ten Sach­an­trag und der bis­he­ri­gen BFH-Recht­spre­chung ermit­telt wer­den kann 1.

Dem­ge­gen­über besteht ein Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn

  • die Höhe des Streit­werts nicht nur auf der Grund­la­ge eines ein­fa­chen Rechen­vor­gangs ermit­telt wer­den kann und zwi­schen den Betei­lig­ten umstrit­ten ist, oder
  • Fäl­le der vor­lie­gen­den Art in der Recht­spre­chung noch nicht ent­schie­den sind 2.

In Ver­fah­ren vor den Gerich­ten der Finanz­ge­richts­bar­keit ist der Streit­wert, soweit nichts ande­res bestimmt ist, nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men (§ 52 Abs. 1 GKG).

Dabei bestimmt sich der Streit­wert im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren nach den Anträ­gen des Rechts­mit­tel­füh­rers (§ 47 Abs. 1 Satz 1 GKG).

Da für die Wert­be­rech­nung der Zeit­punkt der den Rechts­zug ein­lei­ten­den Antrag­stel­lung maß­ge­bend ist (§ 40 GKG), kommt es auf die wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung vor­ge­nom­me­ne Ein­schrän­kung des Antrags für Zwe­cke der Streit­wert­fest­set­zung nicht an.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Janu­ar 2017 – X S 22/​16

  1. BFH, Beschlüs­se vom 17.11.1987 – VIII R 346/​83, BFHE 152, 5, BSt­Bl II 1988, 287, unter II.; und vom 23.05.2001 – IV S 1/​01, BFH/​NV 2001, 1431, bei­de m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 11.12 1974 – I B 46/​74, BFHE 115, 1, BSt­Bl II 1975, 385; vgl. auch BFH, Beschluss vom 17.08.2015 – XI S 1/​15, BFHE 250, 327, BSt­Bl II 2015, 906, Rz 9[]