Tat­be­stands­be­rich­ti­gung – und die Rüge unzu­tref­fen­der Tat­sa­chen- und Beweis­wür­di­gung

Soweit die Klä­ger eine (ver­meint­lich) unzu­tref­fen­de Tat­sa­chen- und Beweis­wür­di­gung sowie eine (ver­meint­lich) feh­ler­haf­te Rechts­an­wen­dung rügen, kön­nen sie im Rah­men eines Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs­an­trags nicht gehört wer­den.

Tat­be­stands­be­rich­ti­gung – und die Rüge unzu­tref­fen­der Tat­sa­chen- und Beweis­wür­di­gung

Nach § 108 Abs. 1 FGO kann, wenn der Tat­be­stand des Urteils ande­re Unrich­tig­kei­ten oder Unklar­hei­ten ent­hält, die Berich­ti­gung bin­nen zwei Wochen nach Zustel­lung des Urteils bean­tragt wer­den. Unrich­tig ist der Tat­be­stand nur dann, wenn die­ser im Wider­spruch zu den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen steht, die das Gericht bis zum Ende der münd­li­chen Ver­hand­lung getrof­fen hat. Eine Unrich­tig­keit kann sich auch aus Aus­las­sun­gen im Tat­be­stand erge­ben 1. Eine Berich­ti­gung nach die­ser Vor­schrift kommt aller­dings nur in Betracht, wenn dem Tat­be­stand des Urteils eine ent­schei­dungs­er­heb­li­che Unrich­tig­keit bzw. Unklar­heit anhaf­tet 2.

Die im vor­lie­gen­den Fall von den Klä­gern ean­trag­te Dar­stel­lung des Umfangs der von den Klä­gern in den Jah­ren 2007 und 2008 aus­ge­führ­ten Opti­ons- und Fremd­wäh­rungs­ge­schäf­ten sowie der gewinn­brin­gen­den Anla­ge von Bar­ein­la­gen kann unter­blei­ben, da die­se durch Bezug­nah­me auf die im Ver­fah­ren gewech­sel­ten Schrift­sät­ze im Urteil zum Inhalt des Tat­be­stands gewor­den sind. Eben­so ver­hält es sich mit den Ein­zel­hei­ten der Ver­äu­ße­rung des Geschäfts­be­triebs der drei Klä­ger an die Limi­ted sowie mit den nähe­ren Umstän­den der Abwick­lung ihrer Geschäf­te mit der Bank und die in die­sem Zusam­men­hang geführ­ten lang­wie­ri­gen Gesprä­che mit dem Han­dels­chef.

Die beruf­li­che Erfah­rung der Klä­ger im Edel­me­tall­han­del wur­de im Urteil in erfor­der­li­chem Maße gewür­digt. Wei­te­re Ein­zel­hei­ten erge­ben sich wie­der­um aus der im Urteil ent­hal­te­ne Bezug­nah­me auf die im Ver­fah­ren gewech­sel­ten Schrift­sät­ze, die damit zum Inhalt des Tat­be­stands gewor­den sind.

Soweit der Ver­tre­ter der Klä­ger rügt, dass nicht fest­ge­stellt wor­den sei, ob die Bank ins­be­son­de­re bei den phy­si­schen Gold­be­stän­den aus­schließ­lich eige­ne Bestän­de ver­kauft oder für den Eigen­be­stand gekauft habe oder ledig­lich als Agent für drit­te Gold(ver)käufer auf­ge­tre­ten sei, liegt eben­falls kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Unklar­heit vor. Für die vom Finanz­ge­richt als erheb­lich erach­te­te Fra­ge der Gewerb­lich­keit der Tätig­keit der Klä­ger kam es ent­schei­dend dar­auf an, dass die Klä­ger ihre Umsät­ze aus­schließ­lich mit der Bank erwirt­schaf­tet und damit kei­ne unmit­tel­ba­re Markt­teil­nah­me der Klä­ger bestan­den hat, nicht jedoch auf die Fra­ge, ob die Bank ins­be­son­de­re bei den phy­si­schen Gold­be­stän­den aus­schließ­lich eige­ne Bestän­de ver­kauft oder für den Eigen­be­stand gekauft hat bzw. ledig­lich als Agent für drit­te Gold(ver)käufer auf­ge­tre­ten ist.

Die Fra­ge, ob für die Limi­ted im Streit­jahr 2007 in Eng­land eine Buch­füh­rungs­pflicht bestan­den hat, war eben­falls nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Ent­schei­dungs­er­heb­lich war dage­gen das Bestehen einer Bilan­zie­rungs­pflicht, weil inso­weit nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 3 auch die Klä­ger einer ein­heit­li­chen Gewinn­ermitt­lung auf der Grund­la­ge eines Betriebs­ver­mö­gens­ver­gleichs unter­wor­fen gewe­sen wären. Das Finanz­ge­richt hat das Bestehen einer Bilan­zie­rungs­pflicht im Urteil unter Hin­weis auf das Schrei­ben des Klä­gers ver­neint.

Anders als die Klä­ger mei­nen, ent­hält das Urteil vom 29.06.2015 kei­ne Fest­stel­lun­gen zu einer etwai­gen bestehen­den Buch­füh­rungs­pflicht in Eng­land. Viel­mehr wur­den aus­schließ­lich die Aus­füh­run­gen wie­der­ge­ge­ben, die der Klä­ger zu 3 in sei­nen Schrei­ben dem Finanz­amt gegen­über gemacht hat. Es kann auf­grund der feh­len­den Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit im Übri­gen dahin gestellt blei­ben, ob es sich bei den "Auf­zeich­nun­gen", die von den Klä­gern – wie in der münd­li­chen Ver­hand­lung ange­ge­ben – geführt wor­den sind, um eine Buch­füh­rung ent­spre­chend den Vor­schrif­ten der §§ 140 ff AO, ein "Rech­nungs­we­sen" zur Erfül­lung der in Groß­bri­tan­ni­en bestehen­den Buch­füh­rungs­pflich­ten durch einen eng­li­schen Steu­er­be­ra­ter (so vor­lie­gend der Klä­ger zu 3) oder um eine "Buch­hal­tung" (so hier die Klä­ger zu 1 und 2) gehan­delt hat.

Mit ihren übri­gen Aus­füh­run­gen rügen die Klä­ger eine (ver­meint­lich) unzu­tref­fen­den Tat­sa­chen- und Beweis­wür­di­gung sowie eine (ver­meint­lich) feh­ler­haf­ten Rechts­an­wen­dung. Damit kön­nen sie im Rah­men eines Tat­be­stands­be­rich­ti­gungs­an­trags nicht gehört wer­den.

Finanz­ge­richt Mün­chen, Beschluss vom 11. August 2015 – – 7 K 928/​13

  1. Stap­per­fend in Grä­ber, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Auf­la­ge § 108 Rz. 4[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 17.07.2007 – II R 5/​04, BFH/​NV 2007, 2302 m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 25.06.2014 – I R 24/​13, BSt­Bl II 2015, 141[]