Ter­min­kol­li­si­on – Pflicht zur Ver­le­gung eines Ver­hand­lungs­ter­mins

Aus erheb­li­chen Grün­den kann ein Ter­min auf­ge­ho­ben oder ver­legt wer­den, § 227 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 155 FGO. Ein erheb­li­cher Grund kann ins­be­son­de­re vor­lie­gen, wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers einen ande­ren, ins­be­son­de­re einen frü­her anbe­raum­ten Gerichts­ter­min wahr­zu­neh­men hat 1; das­sel­be gilt, soweit der Betei­lig­te –z.B. als Rechts­an­walt– selbst einen ande­ren Ter­min wahr­zu­neh­men hat 2.

Ter­min­kol­li­si­on – Pflicht zur Ver­le­gung eines Ver­hand­lungs­ter­mins

So sah es der Bun­des­fi­nanz­hof nun als ein erheb­li­cher Grund im Sin­ne einer Ter­min­kol­li­si­on an, dass die Klä­ge­rin als bei­geord­ne­te Rechts­an­wäl­tin ver­pflich­tet war, am Ter­mins­tag um 9:10 Uhr in einer Fami­li­en­sa­che bei einem aus­wär­ti­gen Amts­ge­richt X zu erschei­nen. Unter Berück­sich­ti­gung der gerichts­be­kann­ten Unwäg­bar­kei­ten hin­sicht­lich des pünkt­li­chen Beginns und des zeit­li­chen Ablaufs von Gerichts­ter­mi­nen im All­ge­mei­nen sowie einer zwi­schen den Betei­lig­ten unstrei­ti­gen Fahr­zeit von etwa einer Stun­de zwi­schen dem AG X und dem Finanz­ge­richt in Han­no­ver war es ihr daher nicht zumut­bar, den auf 10:45 Uhr anbe­raum­ten Ter­min bei dem Finanz­ge­richt wahr­zu­neh­men.

Die Ter­min­kol­li­si­on war auch nicht des­halb uner­heb­lich, weil das FG den Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung frü­her anbe­raumt hat­te. Zwar ent­spricht es ein­hel­li­ger Mei­nung, dass grund­sätz­lich der frü­her anbe­raum­te Ter­min den Vor­rang genießt. Die Klä­ge­rin hat hin­ge­gen unter Anga­be von Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, dass eine wei­te­re Ver­le­gung des bereits ein­mal ver­leg­ten Ter­mins beim AG X im Inter­es­se ihrer Man­dant­schaft nicht in Betracht gekom­men wäre. Im Streit­fall ist vor allem zu berück­sich­ti­gen, dass das Finanz­ge­richt der Klä­ge­rin mehr­fach zur Ver­mei­dung der Ter­min­kol­li­si­on eine Ver­le­gung des Ter­mins auf eine spä­te­re Tages­zeit ange­bo­ten und dies auch noch ein­mal im Urteil betont hat. Dar­aus ist ersicht­lich, dass einer tages­zeit­li­chen Ver­le­gung des Ter­mins bei dem Finanz­ge­richt aus dienst­li­cher Sicht Hin­de­rungs­grün­de nicht ent­ge­gen­stan­den. Eine tages­zeit­li­che Ver­le­gung des Ter­mins hät­te auch die Erle­di­gung des Rechts­streits nicht ver­zö­gert. Es bestan­den über­dies kei­ne Anhalts­punk­te, dass der Ter­min vor dem Finanz­ge­richt der wich­ti­ge­re war, dem die Klä­ge­rin aus die­sem Grund den Vor­zug hät­te geben müs­sen.

Da die Klä­ge­rin als Ein­zel­an­wäl­tin tätig ist, konn­te sie auch nicht auf die Bestel­lung eines Ver­tre­ters für den Ter­min vor dem AG oder vor dem FG ver­wie­sen wer­den. Das FG hät­te viel­mehr unter Berück­sich­ti­gung der beson­de­ren Bedeu­tung der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der ein­zi­gen Tat­sa­chen­in­stanz im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren 3 sowie der ver­fas­sungs­recht­li­chen Garan­tie des recht­li­chen Gehörs dem Antrag der Klä­ge­rin statt­ge­ben und den Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung auf eine spä­te­re Tages­zeit ver­le­gen müs­sen, um die Ter­min­kol­li­si­on zu besei­ti­gen. Das in Aus­sicht­stel­len einer ein­ver­nehm­li­chen Ter­mins­ver­le­gung genüg­te inso­weit nicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. April 2011 – VIII B 140/​10

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 12.01.2004 – VII B 122/​03, BFH/​NV 2004, 654[]
  2. vgl. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 91 Rz 4, m.w.N.[]
  3. vgl. Gräber/​Koch, a.a.O., § 91 Rz 3, m.w.N.[]