Ter­mins­ver­le­gung wegen Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung

Es stellt einen erheb­li­chen Grund für die Ver­le­gung eines Ver­hand­lungs­ter­mins dar, wenn ein Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ter wegen ganz­tä­gi­ger Teil­nah­me an einer Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung gehin­dert ist, den Ter­min wahr­zu­neh­men.

Ter­mins­ver­le­gung wegen Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung

Nach § 227 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 155 FGO muss das Gericht einen Ver­hand­lungs­ter­min ver­le­gen, wenn hier­für erheb­li­che Grün­de vor­lie­gen 1. Zu den erheb­li­chen Grün­den gehört nach der Recht­spre­chung die Orts­ab­we­sen­heit eines Betei­lig­ten oder sei­nes Ver­tre­ters infol­ge eines vor Anbe­raumung des Ter­mins geplan­ten Urlaubs, wenn eine Ver­tre­tung nicht in Betracht kommt und die Wahr­neh­mung des gericht­li­chen Ter­mins als nicht zumut­bar erscheint. Glei­ches gilt, wenn ein Betei­lig­ter oder sein Ver­tre­ter durch ander­wei­ti­ge (frü­her anbe­raum­te) beruf­li­che Ver­pflich­tun­gen an der Teil­nah­me gehin­dert ist 2. Ein erheb­li­cher Grund kann nach der Recht­spre­chung auch vor­lie­gen, wenn der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te durch eine frü­her gebuch­te beruf­li­che Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung ver­hin­dert ist 3.

Dem kann nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass der Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung frü­her anbe­raumt war. Zum einen hat das Finanz­ge­richt dazu kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen. Der auf den 15.03.2013 datier­ten Anmel­de­be­stä­ti­gung des Ver­an­stal­ters ist das Datum der Anmel­dung nicht zu ent­neh­men. Aber selbst wenn sich der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te erst nach Anbe­raumung des Ter­mins zu der Ver­an­stal­tung ange­mel­det haben soll­te, kann ihm inso­fern eine Ver­schlep­pungs­ab­sicht nicht unter­stellt wer­den, da die Anmel­dung nach Akten­la­ge jeden­falls vor sei­ner Man­da­tie­rung erfolgt sein muss.

Auch dem Klä­ger kann im Hin­blick auf die Ver­hin­de­rung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten durch die Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung kei­ne Ver­schlep­pungs­ab­sicht unter­stellt wer­den. Zwar lehnt die Recht­spre­chung eine Ver­ta­gung unter Umstän­den ab, wenn der Klä­ger erst kurz vor dem Ter­min einen Ver­tre­ter bestellt 4. Die Recht­spre­chung begeg­net damit aber zu Recht nur dem Ein­wand feh­len­der Ein­ar­bei­tungs­zeit, sofern die Umstän­de dar­auf hin­deu­ten, dass die (zu) spä­te Man­da­tie­rung der Pro­zess­ver­schlep­pung die­nen soll­te. Es kann dahin­ste­hen, ob die­ser Vor­wurf im Streit­fall zu erhe­ben ist, weil er sich zumin­dest nicht aus­ge­wirkt hat. Zwar hät­te der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te des Klä­gers durch die Buchung der Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung einen erheb­li­chen Ver­le­gungs­grund nicht mehr schaf­fen kön­nen, wenn er zu die­sem Zeit­punkt bereits von dem Gerichts­ter­min gewusst hät­te. Dies ist jedoch uner­heb­lich, weil die Oblie­gen­heit zur Pro­zess­för­de­rung durch recht­zei­ti­ge Beauf­tra­gung eines Ter­min­ver­tre­ters nicht den Zweck hat zu ver­hin­dern, dass sich der Ver­tre­ter die Teil­nah­me an der münd­li­chen Ver­hand­lung durch die Annah­me ande­rer Ter­mi­ne unmög­lich macht. Sie zielt viel­mehr allei­ne dar­auf ab, sei­ne aus­rei­chen­de fach­li­che Ein­ar­bei­tung in den Pro­zess­stoff und Vor­be­rei­tung auf den Ter­min zu gewähr­leis­ten.

Schließ­lich konn­te dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten auch nicht zuge­mu­tet wer­den, sei­ne Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tung für die Wahr­neh­mung des Gerichts­ter­mins zu unter­bre­chen. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, in wel­cher Ent­fer­nung zum Gerichts­ort der Tagungs­ort lag und wie lang die Unter­bre­chung gedau­ert hät­te. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung ist nicht ver­tret­bar.

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung: BFH, Beschlüs­se vom 23.11.2001 – V B 224/​00, BFH/​NV 2002, 520; vom 01.02.2002 – II B 38/​01, BFH/​NV 2002, 938; vom 18.03.2003 – I B 122/​02, BFH/​NV 2003, 1584[]
  2. vgl. Gräber/​Koch, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 91 Rz 4, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 27.01.2010 – VIII B 221/​09; OLG Frank­furt, Beschluss vom 14.01.2008 – 9 W 32/​07, NJW 2008, 1328[]
  4. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 13.11.2007 – VII B 100/​07, BFH/​NV 2008, 392; und vom 30.01.2008 – V B 72/​06, BFH/​NV 2008, 812[]
  5. BGH NJW 2011, 2640[]