Über­gang zur Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Ein Rechts­streit ist in der Haupt­sa­che erle­digt, wenn nach Rechts­hän­gig­keit ein außer­pro­zes­sua­les Ereig­nis ein­tritt, durch wel­ches unmit­tel­bar das gesam­te im Kla­ge­an­trag zum Aus­druck kom­men­de Begeh­ren objek­tiv gegen­stands­los gewor­den ist 1.

Über­gang zur Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge

Zwar konn­te der Klä­ger nun­mehr zur Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO über­ge­hen, indem er nun­mehr begehrt, fest­zu­stel­len, dass der Bescheid rechts­wid­rig war. Eine sol­che Kla­ge­än­de­rung ist grund­sätz­lich auch im Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de mög­lich 2. Sodann ist jedoch zu prü­fen, ob ein Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se i.S. des § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO besteht.

"Berech­tig­tes Inter­es­se" i.S. des § 100 Abs. 1 Satz 4 FGO ist jedes kon­kre­te, ver­nünf­ti­ger­wei­se anzu Inter­es­se recht­li­cher, tat­säch­li­cher oder wirt­schaft­li­cher Art 3.

Die­ses kann sich u.a. dar­aus erge­ben, dass ein kon­kre­ter Anlass für die Annah­me besteht, die Finanz­be­hör­de wer­de die vom Klä­ger für rechts­wid­rig erach­te­te Maß­nah­me in abseh­ba­rer Zukunft wie­der­ho­len (Wie­der­ho­lungs­ge­fahr) 4.

Ersetzt jedoch ein Ände­rungs­be­scheid den ursprüng­lich ange­foch­te­nen Bescheid und wird damit nach § 68 FGO zum Gegen­stand des Kla­ge­ver­fah­rens, besteht grund­sätz­lich kein berech­tig­tes Inter­es­se an der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit des erle­dig­ten Bescheids 5.

Eine Wie­der­ho­lungs­ge­fahr ist in die­sen Fäl­len selbst dann zu ver­nei­nen, wenn sich aus den Grün­den des Ände­rungs­be­scheids nicht ergibt, dass die Finanz­be­hör­de den ursprüng­lich ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akt wegen Rechts­wid­rig­keit auf­ge­ho­ben hat 6.

Ein Fest­stel­lungs­aus­spruch bezüg­lich erle­dig­ter Beschei­de kommt nur unter sehr engen Vor­aus­set­zun­gen in Betracht, etwa wenn der erle­dig­te Bescheid nach wie vor Grund­la­ge einer noch bestehen­den Pfän­dung ist oder etwa sich bei der Beur­tei­lung eines Steu­er­vor­aus­zah­lungs­be­scheids Rechts­fra­gen stel­len, die im Rah­men der Ent­schei­dung über den Jah­res­steu­er­be­scheid nicht geklärt wer­den kön­nen und an deren Klä­rung der Klä­ger ein berech­tig­tes Inter­es­se hat 7.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Der Kfz-Steu­er­be­scheid, den das damals für die Kfz-Steu­er zustän­di­ge Finanz­amt erlas­sen hat­te, ent­fal­tet auf­grund des Ände­rungs­be­scheids für den Kfz-Hal­ter kei­ne Rechts­wir­kun­gen mehr. Die Kfz-Steu­er für das Fahr­zeug wur­de ledig­lich für einen vier­mo­na­ti­gen Zeit­raum im Jahr 2013 fest­ge­setzt. Eine Rege­lung oder Bin­dungs­wir­kung für die Zukunft ergibt sich hier­aus nicht. Auf­grund des zwi­schen­zeit­li­chen Über­gangs der Zustän­dig­keit für die Kfz-Besteue­rung vom Finanz­amt auf das Haupt­zoll­amt ist dar­über hin­aus ein kon­kre­ter Wie­der­ho­lungs­fall nicht abseh­bar.

  1. BFH, Beschluss vom 05.03.1979 – GrS 4/​78, BFHE 127, 147, BSt­Bl II 1979, 375, unter B.II. 2.; Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 138 Rz 66[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 21.08.1995 – 8 B 43/​95, Rz 1; BFH, Beschlüs­se vom 09.08.2001 – VII B 34/​01, BFH/​NV 2001, 1604, unter II. 2.a; und vom 15.12 2004 – VIII B 181/​04, BFH/​NV 2005, 896, unter 1.b; jeweils m.w.N.; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 100 Rz 80[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. etwa BFH, Urteil vom 27.05.1975 – VII R 80/​74, BFHE 116, 315, BSt­Bl II 1975, 860; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 100 Rz 89[]
  4. vgl. etwa BFH, Urteil vom 12.06.1996 – II R 71/​94, BFH/​NV 1996, 873, unter II. 1., m.w.N.; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 100 Rz 89[]
  5. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. etwa BFH, Urtei­le vom 01.10.1992 – V R 81/​89, BFHE 169, 117, BSt­Bl II 1993, 120, unter II. 1.b; und vom 17.03.1994 – V R 39/​92, BFHE 174, 268, BSt­Bl II 1994, 538, unter II. 1.; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 100 Rz 93[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 09.05.2012 – I R 91/​10, BFH/​NV 2012, 2004, Rz 23, m.w.N.; Gräber/​Stapperfend, a.a.O., § 100 Rz 89[]
  7. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 2004, Rz 26[]