Über­ge­hen eines Befan­gen­heits­an­trags

Nach § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO i.V.m. § 44 Abs. 1 ZPO erfor­dert die Ableh­nung eines Rich­ters wegen Besorg­nis der Befan­gen­heit u.a. ein wirk­sa­mes Ableh­nungs­ge­such. Ein sol­ches Gesuch stellt eine Pro­zess­hand­lung dar, die aus Grün­den der Pro­zess­klar­heit und ange­sichts des ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes des gesetz­li­chen Rich­ters (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) klar und ein­deu­tig erklärt wer­den muss.

Über­ge­hen eines Befan­gen­heits­an­trags

Klar­heit und Ein­deu­tig­keit sind vor allem des­halb erfor­der­lich, weil ein abge­lehn­ter Rich­ter nach § 47 ZPO (i.V.m. § 51 Abs. 1 Satz 1 FGO) bis zur Erle­di­gung des Ableh­nungs­ge­su­ches nur noch unauf­schieb­ba­re Amts­hand­lun­gen vor­neh­men darf 1.

Hier­nach ist der Hin­weis der Klä­ge­rin, sie habe mit Fax-Schrei­ben vom 05.11.2012 "ein Befan­gen­heits­ge­such erstat­tet", nicht sub­stan­ti­iert. Das in Bezug genom­me­ne Schrei­ben spricht zwar u.a. von der "Sorg­nis", dass der Vor­sit­zen­de nicht dem "Ziel der Sach­ge­rech­tig­keit ver­pflich­tet scheint" sowie von der "Sor­ge feh­len­der Unbe­fan­gen­heit". Ob sich hier­aus sowie dem jeweils bei­gefüg­ten Zusatz "ich rüge dem­entspre­chend" ein kla­res und ein­deu­ti­ges Ableh­nungs­ge­such ergibt, kann offen­blei­ben. Jeden­falls wären zur Bezeich­nung des gerüg­ten Ver­fah­rens­man­gels kon­kre­te und aus sich her­aus nach­voll­zieh­ba­re (d.h. sub­stan­ti­ier­te) Dar­le­gun­gen dazu erfor­der­lich gewe­sen, dass das Schrei­ben –gemes­sen am Gebot der Klar­heit und Ein­deu­tig­keit– als Ableh­nungs­ge­such i.S. von § 44 Abs. 1 ZPO zu ver­ste­hen war.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Juli 2013 – I B 189/​12

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Beschlüs­se vom 12.08.1998 – III B 23/​98, BFH/​NV 1999, 476; vom 14.11.2012 – V B 41/​11, BFH/​NV 2013, 239; BFH, Beschluss vom 11.07.2012 – I S 8/​12, BFH/​NV 2012, 1813; Gräber/​Stapperfend, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 51 Rz 32, jeweils m.w.N.[]