Über­lan­ge Gerichts­ver­fah­ren – kei­ne Beson­der­hei­ten vor den Finanz­ge­rich­ten

Der Bun­des­fi­nanz­hof legt Wert auf die Fest­stel­lung, dass die von ihm ent­wi­ckel­ten Leit­li­ni­en zur Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Dau­er finanz­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren nicht in Wider­spruch zur Recht­spre­chung der ande­ren obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des ste­hen.

Über­lan­ge Gerichts­ver­fah­ren – kei­ne Beson­der­hei­ten vor den Finanz­ge­rich­ten

Daher besteht nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs auch kei­ne Ver­an­las­sung zur Anru­fung des Gemein­sa­men Senats der Obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des.

Der Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach § 198 Abs. 1 Satz 1 GVG setzt u.a. die unan­ge­mes­se­ne Dau­er des Gerichts­ver­fah­rens vor­aus. Die Ange­mes­sen­heit der Ver­fah­rens­dau­er rich­tet sich gemäß § 198 Abs. 1 Satz 2 GVG nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les, ins­be­son­de­re nach der Schwie­rig­keit und Bedeu­tung des Ver­fah­rens und nach dem Ver­hal­ten der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten und Drit­ter. Für die wei­te­ren Grund­sät­ze und Ein­zel­hei­ten ein­schließ­lich der Auf­tei­lung des typi­schen finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens in drei Pha­sen nimmt der Bun­des­fi­nanz­hof auf sei­ne bis­he­ri­gen Urtei­le 1 Bezug.

Die­se Recht­spre­chung steht, so der Bun­des­fi­nanz­hof, zu der­je­ni­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht in Wider­spruch, so dass kein Anlass zu einer Anru­fung des Gemein­sa­men Senats der obers­ten Gerichts­hö­fe des Bun­des besteht. Hin­sicht­lich des ‑bereits im Sach­ver­halt nicht ver­gleich­ba­ren- Urteils des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in BayVBl 2014, 149 ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof auf sein Urteil in BFH/​NV 2014, 1053. Das Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in Buch­holz 300 § 198 GVG Nr. 3 betrifft den eben­falls nicht ver­gleich­ba­ren Fall eines Beru­fungs­zu­las­sungs­ver­fah­rens, das ins­ge­samt fast drei Jah­re gedau­ert hat­te, das Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts in BSGE 113, 75 sowie die Par­al­le­l­ent­schei­dung hier­zu 2 ein Ver­fah­ren betref­fend eine Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­nem Urteil in BVerw­GE 147, 146 aus­ge­führt, der Ein­zel­fall sei maß­ge­bend und Grenz­wer­te ver­bö­ten sich. Auch zu die­sen Aus­sa­gen setzt sich der Bun­des­fi­nanz­hof nicht in Wider­spruch. Zum einen hat der Bun­des­fi­nanz­hof im Ein­klang mit dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt der Ein­zel­fall­be­trach­tung Vor­rang vor der aus den typi­schen drei Pha­sen des finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens abge­lei­te­ten Ver­mu­tungs­re­gel ein­ge­räumt. Zum ande­ren hat das BVerwG sei­ne Zurück­hal­tung gegen­über Ori­en­tie­rungs- und Richt­wer­ten nicht zuletzt mit der Viel­ge­stal­tig­keit ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren begrün­det, die in die­ser Form in der Finanz­ge­richts­bar­keit nicht exis­tiert.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Juni 2014 – X K 12/​13

  1. BFH, Urtei­le in BFHE 243, 126, BSt­Bl II 2014, 179; vom 18.03.2014 – X K 4/​13, BFH/​NV 2014, 1050; vom 19.03.2014 – X K 3/​13, BFH/​NV 2014, 1053; sowie – X K 8/​13, BFHE 244, 521[]
  2. BSG – B 10 ÜG 2/​12 KL, n.v.[]