Über­ra­schungs­ent­schei­dung

Eine Über­ra­schungs­ent­schei­dung liegt nur vor, wenn das Gericht sein Urteil auf einen bis dahin nicht erör­ter­ten recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt stützt und damit dem Rechts­streit eine Wen­dung gibt, mit der auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter selbst unter Berück­sich­ti­gung der Viel­zahl ver­tret­ba­rer Auf­fas­sun­gen nach dem bis­he­ri­gen Ver­lauf der Ver­hand­lung nicht rech­nen muss­te 1.

Über­ra­schungs­ent­schei­dung

Eine unzu­läs­si­ge Über­ra­schungs­ent­schei­dung ist aller­dings dann nicht gege­ben, wenn das Gericht das ange­foch­te­ne Urteil auf einen recht­li­chen Gesichts­punkt gestützt hat, der im bis­he­ri­gen Ver­fah­ren zumin­dest am Ran­de ange­spro­chen wor­den ist 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Juli 2014 – XI B 103/​13

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 21.09.2011 – XI B 24/​11, BFH/​NV 2012, 277; vom 01.02.2012 – VI B 71/​11, BFH/​NV 2012, 767[]
  2. BFH, Urteil vom 23.09.1999 – VI R 106/​98, BFH/​NV 2000, 448, m.w.N.; fer­ner BFH, Beschlüs­se vom 03.02.2003 – I B 49/​02, BFH/​NV 2003, 1058, unter II. 1.; vom 11.01.2012 – IV B 142/​10, BFH/​NV 2012, 784, Rz 9[]