Über­ra­schungs­ent­schei­dung – als Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs

Recht­li­ches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG, § 96 Abs. 2 FGO) wird den Betei­lig­ten dadurch gewährt, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich zu dem Sach­ver­halt zu äußern, der einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu Grun­de gelegt wer­den soll.

Über­ra­schungs­ent­schei­dung – als Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs

Das recht­li­che Gehör bezieht sich vor allem auf Tat­sa­chen und Beweis­ergeb­nis­se; dar­über hin­aus darf das Finanz­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung auf einen recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt nur stüt­zen, wenn die Betei­lig­ten zuvor Gele­gen­heit hat­ten, dazu Stel­lung zu neh­men (§ 155 FGO i.V.m. § 139 Abs. 2 ZPO).

Des­halb kann eine Ver­let­zung des Rechts auf Gehör vor­lie­gen, wenn das Gericht die Betei­lig­ten nicht auf einen recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Gesichts­punkt hin­weist, den es sei­ner Ent­schei­dung zu Grun­de legen will und der dem Rechts­streit eine Wen­dung gibt, mit dem auch ein kun­di­ger Betei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Ver­lauf des Ver­fah­rens nicht hat rech­nen müs­sen 1.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2016 – III B 97/​16

  1. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 15.06.2001 – VII B 45/​01, BFH/​NV 2001, 1580; vom 14.11.2002 – XI B 69/​02, BFH/​NV 2003, 293; vom 01.07.2003 – III B 94/​02, BFH/​NV 2003, 1591[]