Urlaub als erheb­li­cher Grund für eine Ter­mins­än­de­rung

Ein häu­fi­ger Grund für Ter­mins­ver­le­gungs­an­trä­ge in der nächs­ten Zeit: Der bereits geplan­te Urlaub – des Klä­gers, des Beklag­ten, des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten.

Urlaub als erheb­li­cher Grund für eine Ter­mins­än­de­rung

Soweit ein Ter­min zwi­schen dem 1. Juli und dem 31. August betrof­fen ist, ist die Ver­le­gung im Hin­blick auf § 227 Abs. 3 ZPO meist unpro­ble­ma­tisch – sofern man recht­zei­tig nach Zugang der Ladung reagiert. Anders jedoch, wenn der Urlaub aus­ser­halb die­ses Zeit­raums (der frü­he­ren Gerichts­fe­ri­en) liegt:

Wel­che Anfor­de­run­gen dann an einen Ter­mins­ver­le­gungs­an­trag wegen des bereits geplan­ten Urlaubs zu stel­len ist, zeigt eine aktu­el­le Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs. In dem dort ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger beim Finanz­ge­richt mit Schrei­ben vom 10. Juni 2010 bean­tragt, die auf den 29. Juni 2010 anbe­raum­te münd­li­che Ver­hand­lung zu ver­le­gen, da er an die­sem Tag "auf­grund sei­nes Jah­res­ur­laubs nicht mehr in X" sei. "Inner­halb des Urlaubs" sei "bereits im Früh­jahr 2010 eine Rei­se gebucht [wor­den], die nicht mehr auf­schieb­bar" sei.

Hier­durch hat der Klä­ger nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs jedoch kei­nen erheb­li­chen Grund zur Ter­mins­än­de­rung im Sin­ne von § 227 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 115 FGO dar­ge­legt. Zwar kann ein geplan­ter Urlaub ein erheb­li­cher Grund für eine Ter­mins­ver­le­gung sein. Er muss aber in sei­ner Pla­nung so aus­ge­stal­tet sein, dass die Wahr­neh­mung des gericht­li­chen Ter­mins wäh­rend die­ser Zeit nicht zumut­bar ist. Ein erheb­li­cher Grund ist des­halb nur dann aus­rei­chend dar­ge­legt, wenn nicht nur vor­ge­tra­gen wird, dass es sich um einen Urlaub han­delt, der im Zeit­punkt der Zustel­lung der Ladung bereits ver­bind­lich geplant war, son­dern auch das Urlaubs­ziel so prä­zi­se genannt wird, dass das Gericht beur­tei­len kann, ob eine Wahr­neh­mung des Ter­mins wegen des Urlaubs unzu­mut­bar ist 1.

Im Hin­blick auf die­se BFH-Recht­spre­chung genüg­te der pau­scha­le Hin­weis des Klä­gers auf den Urlaub ohne nähe­re Anga­ben zum Urlaubs­be­ginn und Urlaubsen­de sowie zum Urlaubs­ziel auch unter Berück­sich­ti­gung der von ihm behaup­te­ten abwei­chen­den Ver­fah­renspra­xis bei ande­ren Gerich­ten nicht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 23. Febru­ar 2011 – V B 85/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 27.04.2005 – X B 130/​04, BFH/​NV 2005, 1596; und vom 20.09.2010 – V B 105/​09, BFH/​NV 2011, 53[]