Urteils­te­nor – und der abwei­chen­de Erklä­rungs­wil­le des Gerichts

Bei erkenn­ba­rem Wider­spruch der Urteils­for­mel zum Erklä­rungs­wil­len des Finanz­ge­richts ist der Urteils­te­nor wegen einer "ähn­li­chen offen­ba­ren Unrich­tig­keit" zu berich­ti­gen.

Urteils­te­nor – und der abwei­chen­de Erklä­rungs­wil­le des Gerichts

Nach § 107 Abs. 1 FGO sind Schreib­feh­ler, Rechen­feh­ler und ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten im Urteil jeder­zeit zu berich­ti­gen. Die zu berich­ti­gen­de Unrich­tig­keit kann alle Bestand­tei­le des Urteils i.S. des § 105 Abs. 2 FGO betref­fen, so auch die Urteils­for­mel 1.

Die Berich­ti­gung darf nur dazu die­nen, das vom Gericht erkenn­bar Gewoll­te zu ver­wirk­li­chen, nicht aber, die gewoll­te Ent­schei­dung inhalt­lich zu kor­ri­gie­ren.

Eine ähn­li­che offen­ba­re Unrich­tig­keit i.S. von § 107 Abs. 1 FGO ist nur dann gege­ben, wenn es sich um ein "mecha­ni­sches" Ver­se­hen han­delt, auf­grund des­sen ‑wie bei einem Schreib- oder Rechen­feh­ler- das wirk­lich Gewoll­te nicht zum Aus­druck gelangt. Bereits die Mög­lich­keit eines Rechts­irr­tums, Denk­feh­lers oder unvoll­stän­di­ger Sach­ver­halts­er­mitt­lung schließt die Berich­ti­gung wegen offen­ba­rer Unrich­tig­keit aus 2. Sol­che Unrich­tig­kei­ten eines finanz­ge­richt­li­chen Urteils kön­nen nicht durch Beschwer­de, son­dern nur durch Revi­si­on gegen das Urteil gel­tend gemacht wer­den.

Im Streit­fall steht die Urteils­for­mel im Wider­spruch zu den Ent­schei­dungs­grün­den. Die Ent­schei­dungs­grün­de ent­hal­ten aus­schließ­lich Erwä­gun­gen zur Vor­steu­er­be­rich­ti­gung und stim­men inso­weit mit dem Sach­vor­trag des Klä­gers in des­sen Schrift­sät­zen über­ein. Dar­über hin­aus geht das Finanz­ge­richt im unstrei­ti­gen Tat­be­stand ‑wie auch im Kla­ge­schrift­satz vor­ge­tra­gen- davon aus, dass der Klä­ger u.a. im Streit­jahr umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze getä­tigt habe und führt inso­weit aus: "Der Klä­ger erzielt u.a. in den Jah­ren 2002, 2006 und 2007 aus der Tätig­keit als Maler sowie als Hono­rardo­zent umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Arbeit." Tat­be­stand und Ent­schei­dungs­grün­de brin­gen hin­rei­chend zum Aus­druck, dass für das Streit­jahr Umsatz­steu­er fest­ge­setzt wer­den soll­te. Die Urteils­for­mel weicht hier­von ab und steht damit erkenn­bar im Wider­spruch zum Erklä­rungs­wil­len des Finanz­ge­richt. Die von ihm vor­ge­nom­me­ne Berich­ti­gung führt daher zu einer Über­ein­stim­mung des erkenn­bar gewoll­ten Tenors mit den abge­fass­ten Urteils­grün­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. August 2015 – V B 26/​15

  1. BFH, Beschlüs­se vom 15.05.2006 – VII B 70/​06, BFH/​NV 2006, 1678, Rz 7; und vom 09.07.1997 – V B 6/​97, BFH/​NV 1998, 46, Rz 8, m.w.N.[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Beschluss vom 31.08.2012 – IX B 86/​12, BFH/​NV 2012, 1994, Rz 3, m.w.N.; und vom 28.11.2011 – III B 96/​09, BFH/​NV 2012, 742, Rz 6, m.w.N.[]