Urteils­zu­stel­lung an den Rechts­an­walt

Nach § 104 Abs. 1 Satz 2 FGO wird das Urteil im Fal­le einer münd­li­chen Ver­hand­lung durch Ver­le­sung der For­mel ver­kün­det; es ist den Betei­lig­ten zuzu­stel­len. Die Zustel­lung kann gemäß § 53 Abs. 2 FGO i.V.m. § 174 ZPO bei einem Anwalt gegen Emp­fangs­be­kennt­nis, auch durch Tele­ko­pie (Fax) bewirkt wer­den (§ 174 Abs. 2 ZPO).

Urteils­zu­stel­lung an den Rechts­an­walt

Nach § 174 Abs. 4 Satz 1 ZPO genügt zum Nach­weis der Zustel­lung das mit Datum und Unter­schrift des Adres­sa­ten ver­se­he­ne Emp­fangs­be­kennt­nis, wel­ches auch durch Tele­ko­pie an das Gericht zurück­ge­sandt wer­den kann (§ 174 Abs. 4 Satz 2 ZPO; vgl. BFH, Beschluss vom 22.12 2003 – VII B 358/​02, BFH/​NV 2004, 531).

Das aus­ge­füll­te Emp­fangs­be­kennt­nis erbringt nach stän­di­ger Recht­spre­chung grund­sätz­lich den vol­len Beweis dafür, dass das Schrift­stück an dem vom Emp­fän­ger ange­ge­be­nen Tag tat­säch­lich zuge­stellt wur­de (§ 53 Abs. 2 FGO, §§ 174 und 418 Abs. 1 ZPO). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der Zustel­lungs­adres­sat als sol­cher in dem For­mu­lar nament­lich nicht genannt, son­dern das Emp­fangs­be­kennt­nis an die Sozie­tät gerich­tet wird, der der Bevoll­mäch­tig­te ange­hört. In einer Sozie­tät ist grund­sätz­lich jeder Sozi­us berech­tigt, Zustel­lun­gen für die ande­ren Ange­hö­ri­gen der Gesell­schaft ent­ge­gen­zu­neh­men [1].

Der Gegen­be­weis der Unrich­tig­keit des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses ist zwar zuläs­sig (§ 418 Abs. 2 ZPO). Er ist aller­dings nicht schon dann erbracht, wenn ledig­lich die Mög­lich­keit der Unrich­tig­keit besteht; viel­mehr sind an einen sol­chen Gegen­be­weis in dem Sin­ne "stren­ge Anfor­de­run­gen" zu stel­len, dass ‑zur Über­zeu­gung des Gerichts- die Beweis­wir­kung des Emp­fangs­be­kennt­nis­ses voll­stän­dig ent­kräf­tet und damit jede Mög­lich­keit sei­ner Rich­tig­keit aus­ge­schlos­sen sein muss [2].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015 – V B 20/​15

  1. BGH, Beschluss vom 10.07.1969 – VII ZB 13/​69, Ver­si­che­rungs­recht 1969, 887; und BGH, , Urteil vom 10.06.1976 – IX ZR 51/​75, BGHZ 67, 10[]
  2. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 01.02.2008 – IV B 68/​07, nicht ver­öf­fent­licht; vom 23.02.2006 – IX B 206/​05, BFH/​NV 2006, 1667; und vom 31.10.1996 – VIII B 11/​96, BFH/​NV 1997, 459, sowie Gräber/​Stapperfend, FGO, § 53 Rz 53[]