Ärzt­li­che Leis­tun­gen zur Kran­ken­haus­hy­gie­ne und die Umsatz­steu­er

Von der Steu­er befreit als Heil­be­hand­lungs­leis­tung nach § 4 Nr. 14 UStG sind infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Leis­tun­gen eines Arz­tes, die die­ser für ande­re Ärz­te und/​oder Kran­ken­häu­ser erbringt, damit die­se ihre Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen ord­nungs­ge­mäß unter Beach­tung der für sie nach dem IfSG bestehen­den Ver­pflich­tun­gen erbrin­gen

Ärzt­li­che Leis­tun­gen zur Kran­ken­haus­hy­gie­ne und die Umsatz­steu­er

Im Hin­blick auf das Erfor­der­nis, Heil­be­hand­lun­gen in Kran­ken­häu­sern unter infek­ti­ons­hy­gie­nisch opti­ma­len Bedin­gun­gen zu erbrin­gen, erleich­tert das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs die Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen selb­stän­dig täti­ger Ärz­te, die sich auf Fra­gen der Infek­ti­ons­hy­gie­ne spe­zia­li­siert haben.

Nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs kommt es für die Steu­er­frei­heit ärzt­li­cher Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen nicht dar­auf an, dass der Arzt als Behan­deln­der im Rah­men eines ein­zel­nen und durch eine Ver­trau­ens­stel­lung gepräg­ten Arzt-Pati­en­ten­ver­hält­nis tätig ist. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass die Leis­tung des Arz­tes Teil eines auf Pati­en­ten­hei­lung aus­ge­rich­te­ten Gesamt­ver­fah­rens zur Heil­be­hand­lung in einem Kran­ken­haus ist. Dies trifft auf infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Leis­tun­gen eines Arz­tes zu, mit denen die Erfül­lung der nach dem Infek­ti­ons­schutz­ge­setz bestehen­den Ver­pflich­tun­gen in Kran­ken­häu­sern sicher­ge­stellt wird.

Nach § 4 Nr. 14 Satz 1 der in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung des UStG sind "die Umsät­ze aus der Tätig­keit als Arzt, Zahn­arzt, Heil­prak­ti­ker, Phy­sio­the­ra­peut (Kran­ken­gym­nast), Heb­am­me oder aus einer ähn­li­chen heil­be­ruf­li­chen Tätig­keit und aus der Tätig­keit als kli­ni­scher Che­mi­ker" steu­er­frei. Die­se Vor­schrift beruht auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG 1, wonach "Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin, die im Rah­men der Aus­übung der von dem betref­fen­den Mit­glied­staat defi­nier­ten ärzt­li­chen und arzt­ähn­li­chen Beru­fe erbracht wer­den", steu­er­frei sind. § 4 Nr. 14 UStG ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­spre­chend Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. c der Richt­li­nie 77/​388/​EWG aus­zu­le­gen. Daher setzt die Steu­er­frei­heit vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin durch ärzt­li­che oder arzt­ähn­li­che Leis­tun­gen erbringt und die dafür erfor­der­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on besitzt 2.

Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin die­nen der Dia­gno­se, Behand­lung und, soweit mög­lich, der Hei­lung von Krank­hei­ten oder Gesund­heits­stö­run­gen. Sie müs­sen einen the­ra­peu­ti­schen Zweck haben. Zu den Heil­be­hand­lun­gen im Bereich der Human­me­di­zin gehö­ren auch Leis­tun­gen, die zum Zweck der Vor­beu­gung erbracht wer­den, wie vor­beu­gen­de Unter­su­chun­gen und ärzt­li­che Maß­nah­men an Per­so­nen, die an kei­ner Krank­heit oder Gesund­heits­stö­rung lei­den, sowie Leis­tun­gen, die zum Schutz ein­schließ­lich der Auf­recht­erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der mensch­li­chen Gesund­heit erbracht wer­den. Kei­ne Heil­be­hand­lung im Bereich der Human­me­di­zin sind "ärzt­li­che Leis­tun­gen", "Maß­nah­men" oder "medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe", die zu ande­ren Zwe­cken erfol­gen 3.

Zu den "ärzt­li­chen Leis­tun­gen, die zum Schutz ein­schließ­lich der Auf­recht­erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der mensch­li­chen Gesund­heit erbracht wer­den" 4 gehö­ren auch ärzt­li­che Leis­tun­gen, die sich unmit­tel­bar auf die Art und Wei­se der ärzt­li­chen Tätig­keit in einer Arzt­pra­xis, einem Kran­ken­haus oder einer ande­ren Ein­rich­tung ärzt­li­cher Heil­be­hand­lung bezie­hen und deren ord­nungs­ge­mä­ße Erbrin­gung in infek­ti­ons­hy­gie­ni­scher Hin­sicht sicher­stel­len sol­len.

Zu den nach § 4 Nr. 14 UStG steu­er­frei­en Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen eines Arz­tes gehö­ren nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Leis­tun­gen, die sicher­stel­len sol­len, dass Ärz­te und Kran­ken­häu­ser die für sie bestehen­den Ver­pflich­tun­gen nach dem IfSG im jewei­li­gen Ein­zel­fall erfül­len.

Nicht steu­er­frei sind dem­ge­gen­über all­ge­mei­ne Leis­tun­gen, die wie z.B. die Rei­ni­gung eines Kran­ken­hau­ses nur einen mit­tel­ba­ren Bezug zu der dort aus­ge­üb­ten Heil­be­hand­lungs­tä­tig­keit auf­wei­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. August 2011 – V R 27/​10

  1. Richt­li­nie 77/​388/​EWG[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 30.04.2009 – V R 6/​07, BFHE 225, 248, BSt­Bl II 2009, 679, unter II.1.[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 225, 248, BSt­Bl II 2009, 679, unter II.1.a, m.w.N. zur Recht­spre­chung des EuGH[]
  4. EuGH, Urtei­le vom 20.11.2003 – C‑212/​01, Unter­per­tin­ger, Slg. 2003, I‑13859 Rdnrn. 42 f.; vom 20.11.2003 – C‑307/​01, Peter D'Ambrumenil, Slg. 2003, I‑13989 Rdnrn. 60 f.; vom 10.06.2010 – C‑262/​08, Copy­Ge­ne, Umsatz­steu­er-Rund­schau –UR– 2010, 526 Rdnr. 30[]