Ambu­lan­te Ein­glie­de­rungs­hil­fe – und die Umsatz­steu­er­be­frei­ung von Sub­un­ter­neh­mer­leis­tun­gen

Leis­tun­gen im Bereich der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe, die eine selb­stän­dig täti­ge Psy­cho­lo­gi­sche Bera­te­rin als "sons­ti­ge qua­li­fi­zier­te Per­son" gegen­über zuge­las­se­nen Anbie­tern für hilfs­be­dürf­ti­ge Per­so­nen erbringt, waren im Jahr 2010 nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k (jetzt: Buchst. l) UStG steu­er­frei, wenn die­se Leis­tun­gen auf­grund eines Hil­fe­plans vom Trä­ger der Sozi­al­hil­fe bewil­ligt und mit­tel­bar ver­gü­tet wur­den.

Ambu­lan­te Ein­glie­de­rungs­hil­fe – und die Umsatz­steu­er­be­frei­ung von Sub­un­ter­neh­mer­leis­tun­gen

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war die Sub­un­ter­neh­me­rin im Bereich der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe selb­stän­dig tätig. Sie hat als Unter­neh­me­rin i.S. von § 2 Abs. 1 UStG steu­er­ba­re Leis­tun­gen gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG im Rah­men ihres Unter­neh­mens aus­ge­führt.

Die im Rah­men der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe erbrach­ten Leis­tun­gen der Sub­un­ter­neh­me­rin sind nicht nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. h UStG 2009 steu­er­frei.

Nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. h UStG 2009 sind die Leis­tun­gen der Ein­rich­tun­gen, mit denen eine Ver­ein­ba­rung nach § 75 SGB XII besteht, unter den wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 16 Satz 2 UStG 2009 steu­er­frei.

Das Finanz­ge­richt hat ‑für den Bun­des­fi­nanz­hof i.S. von § 118 Abs. 2 FGO bin­dend- fest­ge­stellt, dass zwi­schen der Sub­un­ter­neh­me­rin und dem A kein unmit­tel­ba­res Ver­trags, Abrech­nungs- und Ver­gü­tungs­ver­hält­nis bestand. Danach fehlt es für den strei­ti­gen Zeit­raum jeden­falls an Ver­ein­ba­run­gen i.S. von § 75 SGB XII, so dass eine Steu­er­frei­heit nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. h UStG 2009 auf­grund der­ar­ti­ger Ver­ein­ba­run­gen nicht in Betracht kom­men kann.

Die Sub­un­ter­neh­me­rin, die nach den wei­te­ren unstrei­ti­gen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt die von A gefor­der­te Aus­bil­dung für einen Sta­tus als "Fach­kraft" nicht besaß, son­dern als eine "sons­ti­ge qua­li­fi­zier­te Per­son" ein­ge­stuft wur­de, kann sich zur Steu­er­frei­heit über den Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift hin­aus nicht auf das Uni­ons­recht beru­fen.

Der V. Bun­des­fi­nanz­hof des BFH hat in sei­nen Urtei­len vom 09.03.2017 – V R 39/​161; und vom 21.06.2017 – V R 29/​162 zur Umsatz­steu­er­frei­heit von Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen ent­schie­den, dass die Beschrän­kung der Umsatz­steu­er­frei­heit für Ein­glie­de­rungs­leis­tun­gen gemäß § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. h UStG 2009 uni­ons­rechts­kon­form auf die Leis­tun­gen von Unter­neh­mern beschränkt ist, mit denen eine Ver­ein­ba­rung nach § 75 SGB XII besteht, und eine über den Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift hin­aus­ge­hen­de Steu­er­frei­heit unter Beru­fung auf Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL uni­ons­recht­lich nicht gebo­ten ist. Dem schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof an.

Die von der Sub­un­ter­neh­me­rin aus­ge­führ­ten steu­er­ba­ren Umsät­ze sind jedoch ‑soweit sie ihre Leis­tun­gen an B und C aus­ge­führt hat- nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 steu­er­frei.

Für die Steu­er­frei­heit der hier frag­li­chen Leis­tun­gen kommt neben § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. h UStG 2009 auch § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 in Betracht, der kei­ne ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung nach dem Sozi­al­recht erfor­dert. Der Gesetz­ge­ber hat auf der Grund­la­ge der ihm in Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL ein­ge­räum­ten Befug­nis der Mit­glied­staa­ten mit § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 einen aus­drück­lich als sol­chen bezeich­ne­ten "Auf­fang­tat­be­stand" geschaf­fen, der bei Ein­rich­tun­gen, die nicht unter § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. a bis j UStG fal­len, zur Anwen­dung kommt3. Danach sind die Kri­te­ri­en des § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 für die Aner­ken­nung als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter für Ein­rich­tun­gen her­an­zu­zie­hen, "deren Leis­tun­gen nicht schon nach den Buch­sta­ben a bis j befreit sind"4.

Die Vor­schrift § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 ist mit Aus­nah­me der Min­dest­ver­gü­tungs­quo­te, die nun­mehr min­des­tens 25 % beträgt, iden­tisch mit § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. l UStG in der der­zeit gel­ten­den Fas­sung. Auch § 4 Nr. 16 Satz 2 UStG 2009 ent­spricht inhalt­lich § 4 Nr. 16 Satz 2 UStG der aktu­el­len Fas­sung.

Sie beruht uni­ons­recht­lich auf Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL, der inhalt­lich dem bis zum 31.12 2006 gel­ten­den Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern ent­spricht5. Danach befrei­en die Mit­glied­staa­ten "eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ne Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den, ein­schließ­lich der­je­ni­gen, die durch Alten­hei­me, Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­re von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen bewirkt wer­den".

Der Gesetz­ge­ber war grund­sätz­lich berech­tigt, die Steu­er­be­frei­ung nach Maß­ga­be des für das Streit­jahr gel­ten­den § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht davon abhän­gig zu machen, ob bei der betref­fen­den Ein­rich­tung ‑was den Streit­fall betrifft- im (vor­an­ge­gan­ge­nen) Kalen­der­jahr die Betreu­ungs­kos­ten in min­des­tens 40 % der Fäl­le von den gesetz­li­chen Trä­gern der Sozi­al­hil­fe ganz oder zum über­wie­gen­den Teil ver­gü­tet wor­den sind.

Die Vor­aus­set­zun­gen und Moda­li­tä­ten der Aner­ken­nung als sozia­le Ein­rich­tung wer­den in Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL nicht fest­ge­legt. Viel­mehr ist es Sache des inner­staat­li­chen Rechts jedes Mit­glied­staats, die Regeln auf­zu­stel­len, nach denen Ein­rich­tun­gen die erfor­der­li­che Aner­ken­nung gewährt wer­den kann6.

Zu den im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht für die Aner­ken­nung als sozia­le Ein­rich­tung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­ten gehört u.a. die Über­nah­me der Kos­ten für die frag­li­chen Leis­tun­gen zum gro­ßen Teil durch Kran­ken­kas­sen oder durch ande­re Ein­rich­tun­gen der sozia­len Sicher­heit7.

Der natio­na­le Gesetz­ge­ber hat bei der Aus­ge­stal­tung der Aner­ken­nung einer Ein­rich­tung i.S. von § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 die Gren­zen des ihm zuste­hen­den Ermes­sens zwar inso­weit nicht beach­tet, als er bezüg­lich der Ein­hal­tung der Sozi­al­quo­te in Höhe von 40 % auf das vor­an­ge­gan­ge­ne Kalen­der­jahr abge­stellt hat8. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat des­halb ent­spre­chen­de gesetz­li­che Gren­zen in stän­di­ger Recht­spre­chung nur inso­weit als mit dem Uni­ons­recht unver­ein­bar bean­stan­det, als bei der Prü­fung der Gren­ze auf die Umsät­ze des Vor­jah­res zurück­ge­grif­fen wird, und im Übri­gen unbe­an­stan­det gelas­sen9.

Die Annah­me, die Sub­un­ter­neh­me­rin sei eine nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 aner­kann­te Ein­rich­tung, trifft zu.

Der Begriff "Ein­rich­tung" i.S. von § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 umfasst auch ‑wie das Finanz­ge­richt zu Recht erkannt hat- natür­li­che Per­so­nen wie hier die Sub­un­ter­neh­me­rin. Dabei ist davon aus­zu­ge­hen, dass das natio­na­le Recht inso­weit an die Begriff­lich­keit des Uni­ons­rechts anknüpft10. Der Begriff ist grund­sätz­lich weit genug, um auch natür­li­che Per­so­nen11 und pri­va­te Ein­hei­ten mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht12 zu erfas­sen13.

Die sach­be­zo­ge­nen Vor­aus­set­zun­gen des § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 sind vor­lie­gend gleich­falls erfüllt. Die Sub­un­ter­neh­me­rin hat im Streit­jahr Leis­tun­gen erbracht, die mit dem Betrieb von Ein­rich­tun­gen zur Betreu­ung kör­per­lich, geis­tig oder see­lisch hilfs­be­dürf­ti­ger Per­so­nen eng ver­bun­den waren.

Die von der Sub­un­ter­neh­me­rin im Rah­men der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe betreu­ten Kli­en­ten waren hilfs­be­dürf­ti­ge Per­so­nen i.S. von § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009. Denn es han­delt sich hier­bei um i.S. von § 53 Abs. 1 Satz 1 SGB XII anspruchs­be­rech­tig­te Per­so­nen, die durch eine Behin­de­rung i.S. von § 2 Abs. 1 Satz 1 SGB IX ‑mit­hin durch kör­per­li­che, see­li­sche, geis­ti­ge oder Sin­nes­be­ein­träch­ti­gun­gen- wesent­lich in ihrer Fähig­keit, an der Gesell­schaft teil­zu­ha­ben, ein­ge­schränkt oder von einer sol­chen wesent­li­chen Behin­de­rung bedroht sind14.

Die Leis­tun­gen der Sub­un­ter­neh­me­rin waren zudem mit dem Betrieb von Ein­rich­tun­gen zur Betreu­ung die­ser Per­so­nen eng ver­bun­den. Zu den begüns­tig­ten Leis­tun­gen der Betreu­ung hilfs­be­dürf­ti­ger Per­so­nen zäh­len ins­be­son­de­re Leis­tun­gen zum Erwerb prak­ti­scher Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten, die erfor­der­lich und geeig­net sind, Behin­der­ten oder von Behin­de­rung bedroh­ten Men­schen die für sie erreich­ba­re Teil­nah­me am Leben in der Gemein­schaft zu ermög­li­chen, und Leis­tun­gen, die im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe nach § 54 SGB XII erbracht wer­den15. Danach sind die betref­fen­den Leis­tun­gen der Sub­un­ter­neh­me­rin als Leis­tun­gen der Betreu­ung hilfs­be­dürf­ti­ger Per­so­nen zu behan­deln. Denn sie hat ihre im Rah­men der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe erbrach­ten Leis­tun­gen mit dem Ziel erbracht, den Kli­en­ten einen eigen­stän­di­gen All­tag und die Ein­glie­de­rung in das sozia­le Leben zu ermög­li­chen.

Nach den i.S. von § 118 Abs. 2 FGO bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt han­delt es sich vor­lie­gend ‑was zwi­schen den Betei­lig­ten im Übri­gen nicht im Streit steht- ihrer Art nach um Leis­tun­gen i.S. von § 4 Nr. 16 Satz 2 UStG 2009, auf die sich die von A geleis­te­te Ver­gü­tung jeweils bezieht.

Die von der Sub­un­ter­neh­me­rin rbrach­ten Leis­tun­gen sind gemäß § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 ‑jeden­falls im Streit­jahr- min­des­tens in Höhe von 40 % von A, einem gesetz­li­chen Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, ver­gü­tet wor­den.

Ob Betreu­ungs- oder Pfle­ge­kos­ten in min­des­tens 40 % der Fäl­le i.S. von § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 von den gesetz­li­chen Trä­gern der Sozi­al­ver­si­che­rung oder der Sozi­al­hil­fe ganz oder zum über­wie­gen­den Teil ver­gü­tet wur­den, ent­schei­det sich nach Maß­ga­be sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Rege­lun­gen. Die Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 wird daher ins­be­son­de­re dann aus­ge­löst, wenn der Unter­neh­mer die Erstat­tung der Kos­ten, die sei­nen Leis­tungs­emp­fän­gern auf­grund sei­ner Leis­tung ent­stan­den sind, durch Sozi­al­ver­si­che­rungs- oder ‑wie hier- Sozi­al­hil­fe­trä­ger kon­kret nach­wei­sen kann16. Dies ist hier gesche­hen.

§ 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 ist icht­li­ni­en­kon­form dahin­ge­hend aus­zu­le­gen ist, dass eine Ver­gü­tung durch den Trä­ger der Sozi­al­hil­fe nicht nur im Fal­le einer unmit­tel­ba­ren, son­dern auch bei einer nur mit­tel­ba­ren (durch­ge­lei­te­ten) Kos­ten­tra­gung vor­liegt. Ent­ge­gen der vom Finanz­amt ver­tre­te­nen Ansicht fehlt es hin­sicht­lich gemein­wohl­ori­en­tier­ter Leis­tun­gen eines Sub­un­ter­neh­mers bei nur mit­tel­ba­rer Kos­ten­tra­gung nicht an einer Ver­gü­tung durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ger.

Befrei­ungs­vor­schrif­ten sind zwar ‑wor­auf das Finanz­amt zutref­fend hin­weist- grund­sätz­lich eng aus­zu­le­gen17. Hin­sicht­lich § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 wür­de eine enge Aus­le­gung aber dazu füh­ren, dass die Befrei­ungs­norm nur dann ein­grif­fe, wenn bezo­gen auf den Streit­fall der Trä­ger der Sozi­al­hil­fe die von der Sub­un­ter­neh­me­rin im Rah­men der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe erbrach­ten Leis­tun­gen unmit­tel­bar, d.h. direkt an die­se bezah­len wür­de18. In die­sem Fal­le wäre die Norm jedoch uni­ons­rechts­wid­rig, da sich ‑anders als das Finanz­amt meint- aus Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL eine Steu­er­be­frei­ung für die betref­fen­den Leis­tun­gen auch bei mit­tel­ba­rer Kos­ten­tra­gung ergibt. Zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof dazu auf die noch zu Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ergan­ge­nen Aus­füh­run­gen in sei­nem Urteil in BFHE 256, 550, BFH/​NV 2017, 863, unter Rz 27 ff., die den mit dem Streit­fall ver­gleich­ba­ren Fall der Leis­tun­gen im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe, die eine Pfle­ge­kraft auf der Grund­la­ge von § 77 Abs. 1 Satz 1 SGB XI gegen­über einem auf dem Gebiet der Pfle­ge von Men­schen täti­gen Ver­ein erbringt, betrifft.

Der BFH hat mit Urteil in BFHE 254, 272, BFH/​NV 2016, 1530 zur richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung von § 4 Nr. 25 Buchst. b Dop­pel­buchst. bb UStG in der seit 1.01.2008 gel­ten­den Fas­sung (n.F.) fer­ner ent­schie­den, dass eine Ver­gü­tung durch den Trä­ger der öffent­li­chen Jugend­hil­fe auch bei einer nur mit­tel­ba­ren Kos­ten­tra­gung vor­liegt. Für den Streit­fall kann nichts ande­res gel­ten.

Das bedeu­tet aber nicht, dass jede nur mit­tel­ba­re Kos­ten­tra­gung aus­reicht, um die Vor­aus­set­zun­gen für die Steu­er­be­frei­ung zu erfül­len. Denn nach dem aus­drück­li­chen Wort­laut von § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 muss es sich um Leis­tun­gen han­deln, die "ver­gü­tet wor­den sind". Dies setzt zumin­dest vor­aus, dass der zustän­di­ge Trä­ger (hier: der Sozi­al­hil­fe) die an einen ande­ren Unter­neh­mer im Rah­men der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe erbrach­ten Leis­tun­gen kennt und die Kos­ten hier­für, wenn auch mit­tel­bar, tra­gen will.

Hin­sicht­lich der nach § 4 Nr. 25 Buchst. b Dop­pel­buchst. bb UStG n.F. steu­er­frei­en Leis­tun­gen eines selb­stän­di­gen Erzie­hungs­bei­stan­des liegt eine sol­che mit­tel­ba­re Kos­ten­tra­gung z.B. vor, wenn dem die Ver­gü­tung zah­len­den Jugend­amt unter Mit­tei­lung des jewei­li­gen Sub­un­ter­neh­mers ein Kos­ten­vor­anschlag des Anbie­ters unter­brei­tet und auf die­ser Grund­la­ge der Auf­trag erteilt wird. In die­sem Fall sagt das Jugend­amt in Kennt­nis der Per­son des Sub­un­ter­neh­mers zu und über­nimmt die Kos­ten für des­sen Leis­tun­gen19. Genau­so liegt es, wenn sich der Leis­tungs­er­brin­ger gegen­über dem Trä­ger zum Ein­satz von ‑nament­lich nicht benann­ten- in bestimm­ter Wei­se qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal ver­pflich­tet hat, die­ses auch tat­säch­lich ein­setzt und pati­en­ten­be­zo­ge­ne Leis­tungs­ab­rech­nun­gen vom Sub­un­ter­neh­mer an den Leis­tungs­er­brin­ger; und vom Leis­tungs­er­brin­ger an den zustän­di­gen Trä­ger erfol­gen.

Ver­gü­tet der Kos­ten­trä­ger dage­gen nicht Leis­tun­gen des Sub­un­ter­neh­mers, son­dern ledig­lich Leis­tun­gen des Leis­tungs­er­brin­gers, wer­den die Leis­tun­gen des Sub­un­ter­neh­mers gera­de nicht, wie es auch § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 ver­langt, von einem dort näher bezeich­ne­ten Trä­ger ver­gü­tet. Es blei­ben dann ledig­lich Leis­tun­gen an den Leis­tungs­er­brin­ger (Auf­trag­ge­ber), die die­ser ver­gü­tet20. Dies ist im Streit­fall jedoch nicht gesche­hen. Des­halb greift auch der Ein­wand des Finanz­amt, dass der Kli­ent neben der Sub­un­ter­neh­me­rin auch ande­re qua­li­fi­zier­te Per­so­nen in Anspruch hät­te neh­men kön­nen, nicht durch.

Fer­ner lässt sich dem EuGH, Urteil "go fair" Zeit­ar­beit21 nicht ent­neh­men, dass eine nur mit­tel­ba­re Ver­gü­tungs­be­zie­hung zum öffent­li­chen Leis­tungs­trä­ger einer Aner­ken­nung des Sub­un­ter­neh­mers als sozia­le Ein­rich­tung ent­ge­gen­steht. Die Gestel­lung von Arbeit­neh­mern, die als sol­che kei­ne im sozia­len Bereich erbrach­te Gemein­wohl­dienst­leis­tung dar­stellt22, liegt im Streit­fall nicht vor; denn von der Sub­un­ter­neh­me­rin wird kein Per­so­nal gestellt.

Aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en ergibt sich ‑ent­ge­gen der Ansicht des Finanz­amt- nichts ande­res. Aus der Geset­zes­be­grün­dung zu § 4 Nr. 16 UStG 200923 ist zwar nicht aus­drück­lich zu ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber im Rah­men des § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 eine mit­tel­ba­re Ver­gü­tung u.a. durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ger hat aus­rei­chen las­sen wol­len. Da aber davon aus­zu­ge­hen ist, dass der Gesetz­ge­ber mit der Neu­fas­sung von § 4 Nr. 16 UStG 2009 durch das JStG 2009 den von ihm in Bezug genom­me­nen Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL richt­li­ni­en­kon­form umset­zen woll­te, umfasst der gesetz­ge­be­ri­sche Wil­le auch die mit­tel­ba­re Ver­gü­tung, weil nach dem Uni­ons­recht die mit­tel­ba­re Kos­ten­tra­gung aus­rei­chend ist.

Das Finanz­amt ver­kennt, dass zur Gewäh­rung der Steu­er­be­frei­ung an Sub­un­ter­neh­mer eine mit­tel­ba­re oder durch­ge­lei­te­te Kos­ten­tra­gung nach der jün­ge­ren Recht­spre­chung des BFH24 aus­reicht, soweit es dar­auf abstellt, dass ein blo­ßes Tätig­wer­den als Sub­un­ter­neh­mer für die Aner­ken­nung als sozia­le Ein­rich­tung nicht aus­reicht. Sie erfüllt ent­ge­gen der von der Finanz­ver­wal­tung in Abschn.04.16.3 Abs. 2 Satz 2 UStAE ver­tre­te­nen Auf­fas­sung das Merk­mal der Kos­ten­tra­gung.

Es kommt ‑anders als das Finanz­amt mit Bezug auf die BFH, Urtei­le in BFHE 251, 282, BFH/​NV 2015, 1784 und in BFHE 254, 272, BFH/​NV 2016, 1530 fer­ner meint- nicht dar­auf an, dass die Sub­un­ter­neh­me­rin man­gels erfor­der­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on als "Fach­kraft" selbst kei­ne Ver­ein­ba­rung mit dem Sozi­al­hil­fe­trä­ger hat­te tref­fen kön­nen. Die Aner­ken­nung als sozia­le Ein­rich­tung setzt bei § 4 Nr. 16 Satz 1 Buchst. k UStG 2009 allein die Kos­ten­tra­gung u.a. durch den Sozi­al­hil­fe­trä­ger vor­aus. Im Übri­gen war die Sub­un­ter­neh­me­rin als "sons­ti­ge qua­li­fi­zier­te Per­son" zur Erbrin­gung der begüns­tig­ten Leis­tun­gen geeig­net.

Mit den ver­blei­ben­den an D sowie E aus­ge­führ­ten Umsät­zen in Höhe von … EUR und … EUR, für die kei­ne Beschei­ni­gung über die Kos­ten­er­stat­tung durch A vor­liegt bzw. die Bera­tungs­leis­tun­gen betref­fen, unter­schrei­tet die Sub­un­ter­neh­me­rin, die in den dem Streit­jahr vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jah­ren bis ein­schließ­lich 2009 nach § 4 Nr. 16 Buchst. e UStG a.F. steu­er­freie Leis­tun­gen im Rah­men der ambu­lan­ten Ein­glie­de­rungs­hil­fe erbracht hat, die Umsatz­gren­zen nach § 19 Abs. 1, Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 UStG in Höhe von 17.500 EUR bzw. 50.000 EUR. Daher ist ‑wie das Finanz­ge­richt zutref­fend erkannt hat und zwi­schen den Betei­lig­ten nicht im Streit steht- nach der Klein­un­ter­neh­mer­re­ge­lung gemäß § 19 Abs. 1 Satz 1 UStG auch inso­weit kei­ne Umsatz­steu­er fest­zu­set­zen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Juni 2018 – XI R 20/​16

  1. BFHE 257, 456, BFH/​NV 2017, 1141, Rz 11 ff. []
  2. BFH/​NV 2017, 1465, Rz 12 []
  3. vgl. BT-Drs. 16/​11108, S. 38 []
  4. vgl. BT-Drs. 16/​11108, S. 37 []
  5. vgl. dazu BFH, Urteil vom 03.08.2017 – V R 52/​16, BFHE 259, 160, BFH/​NV 2018, 165, Rz 18 []
  6. vgl. dazu BFH, Urteil vom 28.06.2017 – XI R 23/​14, BFHE 258, 517, BFH/​NV 2017, 1561, Rz 39, m.w.N. []
  7. vgl. dazu z.B. BFH, Urtei­le vom 07.12 2016 – XI R 5/​15, BFHE 256, 550, BFH/​NV 2017, 863, Rz 29; in BFHE 258, 517, BFH/​NV 2017, 1561, Rz 40; jeweils m.w.N. []
  8. vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 19.03.2013 – XI R 47/​07, BFHE 240, 439, BFH/​NV 2013, 1204, Rz 36 ff.; in BFHE 258, 517, BFH/​NV 2017, 1561, Rz 42; jeweils m.w.N. []
  9. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 258, 517, BFH/​NV 2017, 1561, Rz 43, m.w.N. []
  10. vgl. BT-Drs. 16/​11108, S. 37 []
  11. vgl. dazu EuGH, Urteil Gregg vom 07.09.1999 – C‑216/​97, EU:C:1999:390, UR 1999, 419, Rz 21 []
  12. vgl. dazu EuGH, Urtei­le Kingscrest Asso­cia­tes und Mon­te­cel­lo vom 26.05.2005 – C‑498/​03, EU:C:2005:322, UR 2005, 453, Rz 35 und 40; MDDP vom 28.11.2013 – C‑319/​12, EU:C:2013:778, Höchst­rich­ter­li­che Finanz­recht­spre­chung ‑HFR- 2014, 177, Rz 28 und 31 []
  13. vgl. dazu fer­ner BFH, Urtei­le in BFHE 256, 550, BFH/​NV 2017, 863, Rz 28; in BFHE 258, 517, BFH/​NV 2017, 1561, Rz 38, m.w.N. []
  14. vgl. BT-Drs. 16/​11108, S. 37 []
  15. vgl. Abschn.04.16.5 Abs. 21 Satz 2 des Umsatz­steu­er-Anwen­dungs­er­las­ses ‑UStAE-; BT-Drs. 16/​11108, S. 37 []
  16. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 259, 160, BFH/​NV 2018, 165, Rz 20 []
  17. vgl. dazu BFH, Urtei­le vom 05.08.2010 – V R 54/​09, BFHE 231, 289, BSt­Bl II 2011, 191, Rz 22; in BFHE 254, 272, BFH/​NV 2016, 1530, Rz 49; jeweils m.w.N. []
  18. vgl. Abschn.04.16.3 Abs. 2 Satz 2 UStAE zu der nach der Ver­wal­tungs­auf­fas­sung erfor­der­li­chen unmit­tel­ba­ren Leis­tungs- und Ver­gü­tungs­be­zie­hung []
  19. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 254, 272, BFH/​NV 2016, 1530, Rz 31 []
  20. vgl. zur Steu­er­frei­heit von Leis­tun­gen eines Sozi­al­trai­ners BFH, Urteil vom 30.11.2016 – V R 10/​16, BFH/​NV 2017, 627, Rz 13, m.w.N. []
  21. EU:C:2015:164, UR 2015, 351 []
  22. vgl. dazu EuGH, Urteil "go fair" Zeit­ar­beit, EU:C:2015:164, UR 2015, 351, Rz 28; BFH, Beschluss vom 22.07.2015 – V R 20/​12, HFR 2015, 1079, UR 2015, 877 []
  23. BT-Drs. 16/​11108, S. 37 ff. []
  24. vgl. dazu BFH, Urtei­le in BFHE 251, 282, BFH/​NV 2015, 1784, Rz 21; in BFHE 253, 466, BFH/​NV 2016, 1126, Rz 36; in BFHE 254, 272, BFH/​NV 2016, 1530, Rz 36; in BFHE 256, 550, BFH/​NV 2017, 863, Rz 35 []