Anfor­de­run­gen an Rech­nun­gen für einen Vor­steu­er­ab­zug – die fal­sche Steu­er­num­mer

Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG erfor­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie unzu­tref­fend, besteht für den Leis­tungs­emp­fän­ger kein Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug. Es kommt nicht dar­auf an, ob der Leis­tungs­emp­fän­ger die unzu­tref­fen­den Anga­ben – wie hier bei der Steu­er­num­mer – hät­te erken­nen kön­nen.

Anfor­de­run­gen an Rech­nun­gen für einen Vor­steu­er­ab­zug – die fal­sche Steu­er­num­mer

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 21.02.2005 kann der Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er abzie­hen. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14 a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt. Nach § 14 Abs. 4 UStG muss eine Rech­nung u. a. ent­hal­ten den voll­stän­di­gen Namen und die voll­stän­di­ge Anschrift des leis­ten­den Unter­neh­mers und des Leis­tungs­emp­fän­gers (Nr. 1), die dem leis­ten­den Unter­neh­mer vom Finanz­amt erteil­te Steu­er­num­mer oder die ihm vom Bun­des­amt für Steu­ern erteil­te Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer (Nr. 2). Die­se Anfor­de­run­gen ste­hen im Ein­klang mit den Rege­lun­gen der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG 1. Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG erfor­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie unzu­tref­fend, besteht für den Leis­tungs­emp­fän­ger kein Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug.

Für die Steu­er­fest­set­zung kommt es dabei nicht dar­auf an, ob die Klä­ge­rin die unzu­tref­fen­den Anga­ben hät­te erken­nen kön­nen 1. Die abwei­chen­de Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Nie­der­sach­sen ist vom Bun­des­fi­nanz­hof auf­ge­ho­ben wor­den 1.

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i. V. m. § 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG muss die Rech­nung grund­sätz­lich den rich­ti­gen Namen und die rich­ti­ge Adres­se des leis­ten­den Unter­neh­mens ent­hal­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) ist der Abzug der in der Rech­nung einer GmbH aus­ge­wie­se­nen Umsatz­steu­er nur mög­lich, wenn der in der Rech­nung ange­ge­be­ne Sitz der GmbH bei Aus­füh­rung der Leis­tung und bei Rech­nungs­er­stel­lung tat­säch­lich bestan­den hat. Der den Vor­steu­er­ab­zug begeh­ren­de Leis­tungs­emp­fän­ger trägt hier­für die Fest­stel­lungs­last, denn es besteht eine Oblie­gen­heit des Leis­tungs­emp­fän­gers, sich über die Rich­tig­keit der Anga­ben in der Rech­nung zu ver­ge­wis­sern 2. Aus dem Zweck der Rech­nung, aus ihr die Per­son des Leis­ten­den leicht und ein­deu­tig bestim­men zu kön­nen, folgt, dass die Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug nicht erfüllt sind, wenn sich anhand der Anga­ben in der Rech­nung der Name und die Anschrift des leis­ten­den Unter­neh­mers nicht ein­deu­tig und leicht nach­prüf­bar fest­stel­len las­sen 3.

Der Unter­neh­mer kann sich für den Vor­steu­er­ab­zug nicht auf Ver­trau­ens­schutz beru­fen. Nach mitt­ler­wei­le stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist ein Schutz des guten Glau­bens an die Erfül­lung der Vor­steu­er­ab­zugs­vor­aus­set­zun­gen – wie einer zutref­fen­den Anschrift und der Anga­be der rich­ti­gen Steu­er­num­mer oder Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer des leis­ten­den Unter­neh­mers – nicht vor­ge­se­hen 4.

Lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug wegen unzu­tref­fen­der Rech­nungs­an­ga­ben nicht vor, kann der Leis­tungs­emp­fän­ger nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs den Vor­steu­er­ab­zug nach dem all­ge­mei­nen Rechts­grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes nur aus Bil­lig­keits­grün­den errei­chen. Die Grund­sät­ze des Ver­trau­ens­schut­zes kön­nen danach aber nicht im Rah­men der Steu­er­fest­set­zung, son­dern nur auf­grund der beson­de­ren Ver­hält­nis­se des Ein­zel­falls im Rah­men einer Bil­lig­keits­maß­nah­me nach §§ 163, 227 AO Berück­sich­ti­gung fin­den 5.

Die Ent­schei­dung über eine Bil­lig­keits­maß­nah­me gemäß ist § 163 Satz 3 AO regel­mä­ßig mit der Steu­er­fest­set­zung zu ver­bin­den, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge Gesichts­punk­te des Ver­trau­ens­schut­zes im Fest­set­zungs­ver­fah­ren gel­tend macht. Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall.

Unab­hän­gig davon, ist auch frag­lich, ob der Unter­neh­mer im hier ent­schie­de­nen Fall gut­gläu­big war und die Vor­aus­set­zun­gen für einen Ver­trau­ens­schutz erfüllt. Das Feh­len einer Steu­er­num­mer oder Umsatz­steu­er-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer in den Rech­nun­gen der A GmbH hät­te er ohne wei­te­res erken­nen kön­nen. Im Übri­gen liegt ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en nur vor, wenn er im Ein­zel­nen dar­le­gen kann, dass er alle Maß­nah­men ergrif­fen hat, die ver­nünf­ti­ger­wei­se von ihm erwar­tet wer­den kön­nen, um sich von der Rich­tig­keit der Anga­ben in den Rech­nun­gen zu über­zeu­gen. Inso­fern ist frag­lich, ob im Hin­blick auf die ange­ge­be­ne fal­sche Steu­er­num­mer ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en besteht, wenn bei­spiels­wei­se auf Grund ande­rer Erkennt­nis­se hät­te fest­ge­stellt wer­den kön­nen, dass der leis­ten­de Unter­neh­mer die umsatz­steu­er­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht erfüllt und mög­li­cher­wei­se betrü­ge­ri­sche Absich­ten hat. Eine Prü­fung die­ser Vor­aus­set­zun­gen ist jedoch dem Bil­lig­keits­ver­fah­ren vor­be­hal­ten.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 28. Juni 2012 – 2 K 196/​11
[nicht rechts­kräf­tig, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim Bun­des­fi­nanz­hof – XI B 108/​12]

  1. vgl. BFH, Urteil vom 02.09.2010 – V R 55/​09, BSt­Bl II 2011, 235[][][]
  2. BFH, Urteil vom 06.07.2007 – V R 61/​05, BSt­Bl II 2008, 695[]
  3. BFH, Urteil vom 30.04.2009 – V R 15/​07, BSt­Bl II 2009, 744[]
  4. BFH, Urtei­le vom 20.04.2009 – V R 15/​07, BSt­Bl II 2009, 744; vom 08.10.2008 – V R 63/​07, BFH/​NV 2009, 1473; vom 02.09.2010 – V R 55/​09, BSt­Bl II 2011, 235[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le vom 20.04.2009 – V R 15/​07, BSt­Bl II 2009, 744; vom 02.09.2010 – V R 55/​09, BSt­Bl II 2011, 235[]