Antei­li­ge unter­neh­me­ri­sche Nut­zung eines Gebäu­des – und die feh­len­de Zuord­nungs­ent­schei­dung

Die antei­li­ge unter­neh­me­ri­sche Nut­zung eines Gebäu­des ent­spre­chend einem frü­he­ren Bau­an­trag ersetzt kei­ne recht­zei­ti­ge Zuord­nungs­ent­schei­dung.

Antei­li­ge unter­neh­me­ri­sche Nut­zung eines Gebäu­des – und die feh­len­de Zuord­nungs­ent­schei­dung

Ist ein Gegen­stand sowohl für den unter­neh­me­ri­schen als auch für den nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich des Unter­neh­mers vor­ge­se­hen (gemisch­te Nut­zung), wird der Gegen­stand nur dann für das Unter­neh­men bezo­gen, wenn und soweit der Unter­neh­mer ihn sei­nem Unter­neh­men zuord­net 1.

Inso­weit hat der Unter­neh­mer nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on und des Bun­des­fi­nanz­hofs ein Zuord­nungs­wahl­recht. Er kann den Gegen­stand ins­ge­samt sei­nem Unter­neh­men zuord­nen oder in vol­lem Umfang in sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen belas­sen oder den Gegen­stand ent­spre­chend dem ‑geschätz­ten- unter­neh­me­ri­schen Nut­zungs­an­teil sei­nem Unter­neh­men und im Übri­gen sei­nem nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich zuord­nen 2. Dabei ist Zuord­nungs­ge­gen­stand das gesam­te, gemischt genutz­te Gebäu­de.

Eine Zuord­nung des Gebäu­des zum Unter­neh­mens­ver­mö­gen kann auch bei beab­sich­tig­ter oder tat­säch­li­cher unter­neh­me­ri­scher Nut­zung nicht unter­stellt wer­den 3. Denn in einem sol­chen Fall steht es dem Unter­neh­mer gleich­wohl frei, das Gebäu­de in vol­lem Umfang sei­nem nicht­un­ter­neh­me­ri­schen Bereich zuzu­ord­nen und damit dem Mehr­wert­steu­er­sys­tem zu ent­zie­hen 4.

Dem­entspre­chend ist durch die Recht­spre­chung geklärt, dass die unter­neh­me­ri­sche Nut­zung von Tei­len des Gebäu­des ent­spre­chend des gestell­ten Bau­an­trags allei­ne nicht genügt, um eine recht­zei­ti­ge erfor­der­li­che Zuord­nungs­ent­schei­dung zu doku­men­tie­ren. Die vom Unter­neh­mer erst nach dem 31.05.des jewei­li­gen Fol­ge­jah­res der Umsatz­steu­er­jah­res­fest­set­zun­gen gel­tend gemach­ten Vor­steu­er­be­trä­ge rei­chen dem­ge­gen­über nicht für die Vor­nah­me recht­zei­ti­ger Zuord­nungs­ent­schei­dun­gen 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Febru­ar 2017 – V B 154/​16

  1. vgl. EuGH, Urteil Bak­csi vom 08.03.2001 – C‑415/​98, EU:C:2001:136, Leit­satz 1 und Rz 25[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 07.07.2011 – V R 21/​10, BFHE 234, 531, BSt­Bl II 2014, 81; vom 11.07.2012 – XI R 17/​09, BFH/​NV 2013, 266, Zeit­schrift für das gesam­te Mehr­wert­steu­er­recht ‑MwStR- 2013, 51, Rz 35; vom 07.07.2011 – V R 42/​09, BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 21, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 25.02.2014 – V B 75/​13, BFH/​NV 2014, 914, Rz 5, unter Hin­weis auf BFH, Urteil in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 42[]
  4. vgl. z.B. BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 266, MwStR 2013, 51, Rz 53, m.w.N., und BFH, Beschluss in BFH/​NV 2014, 914, Rz 3, 4, m.w.N.[]
  5. vgl. z.B. BFH, Urteil in BFHE 234, 519, BSt­Bl II 2014, 76, Rz 33 bis 35[]