Been­di­gung des Ein­spruchs­ver­fah­rens durch Zustim­mung des Finanz­amts zu einer Steu­er­an­mel­dung

Nach § 367 Abs. 1 Satz 1 AO ent­schei­det die Finanz­be­hör­de über den Ein­spruch durch Ein­spruchs­ent­schei­dung. Die­ser bedarf es nach § 367 Abs. 2 Satz 3 AO aller­dings nur inso­weit, als die Finanz­be­hör­de dem Ein­spruch nicht abhilft.

Been­di­gung des Ein­spruchs­ver­fah­rens durch Zustim­mung des Finanz­amts zu einer Steu­er­an­mel­dung

Hat die Finanz­be­hör­de durch Erlass eines Abhil­fe­be­scheids dem Ein­spruchs­be­geh­ren in vol­lem Umfang ent­spro­chen, hat sich das Ein­spruchs­ver­fah­ren in der Haupt­sa­che erle­digt 1. Der Ein­spruch ist man­gels Beschwer unzu­läs­sig gewor­den, das Ein­spruchs­ver­fah­ren wegen des vor­an­ge­hen­den Bescheids been­det und eine Fort­set­zung bzw. Ergän­zung jenes Ein­spruchs­ver­fah­rens danach nicht mehr mög­lich 2.

Über­dies berech­tigt ein (man­gels Beschwer unzu­läs­si­ger) Ein­spruch das Finanz­amt nicht dazu, die Steu­er­fest­set­zung in sach­li­cher Hin­sicht noch­mals zu über­prü­fen und sie nach § 367 Abs. 2 Satz 2 AO zum Nach­teil des Ein­spruchs­füh­rers zu ändern 3.

Ob eine der­ar­ti­ge Voll­ab­hil­fe vor­liegt, ergibt ein Ver­gleich zwi­schen dem Antrag im Ein­spruchs­ver­fah­ren und der Rege­lung im Abhil­fe­be­scheid; dabei ist der Antrag des Ein­spruchs­füh­rers im Zeit­punkt der Bekannt­ga­be des Abhil­fe­be­scheids maß­ge­bend 4.

Asge­hend davon hat das Finanz­amt im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall zu Unrecht eine Ein­spruchs­ent­schei­dung erlas­sen und dabei die Umsatz­steu­er höher fest­ge­setzt; denn es hat­te zuvor der Umsatz­steu­er­erklä­rung der Unter­neh­me­rin zuge­stimmt.

Da es sich bei der Umsatz­steu­er­erklä­rung gemäß § 18 Abs. 3 Satz 1 UStG um eine Steu­er­an­mel­dung i.S. der §§ 150 Abs. 1 Satz 3, 167, 168 AO han­delt 5, die i.S. des § 168 Satz 2 AO zu einer Steu­er­ver­gü­tung geführt hat, hat die Steu­er­an­mel­dung der Unter­neh­me­rin die Wir­kung einer Steu­er­fest­set­zung unter Vor­be­halt der Nach­prü­fung, wenn die Zustim­mung der Behör­de vor­liegt 6.

Dem Ein­spruchs­be­geh­ren der Unter­neh­me­rin hat das Finanz­amt durch Zustim­mung voll­stän­dig ent­spro­chen und damit dem Ein­spruch der Unter­neh­me­rin voll­um­fäng­lich abge­hol­fen. Dadurch war das Ein­spruchs­ver­fah­ren been­det und eine Fort­set­zung jenes Ein­spruchs­ver­fah­rens (sowie die im Streit­fall vor­ge­nom­me­ne Ver­bö­se­rung der Umsatz­steu­er­fest­set­zung für das Jahr 2008) unzu­läs­sig gewor­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2015 – XI R 12/​14

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 06.09.2006 – XI R 51/​05, BFHE 214, 193, BSt­Bl II 2007, 83, unter II. 3.a bb; vom 24.09.2009 – III R 19/​06, BFH/​NV 2010, 164[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 11.08.1971 – VIII 7/​65, BFHE 103, 130, BSt­Bl II 1972, 2; vom 05.06.2003 – IV R 38/​02, BFHE 203, 1, BSt­Bl II 2004, 2; vom 18.04.2007 – XI R 47/​05, BFHE 217, 18, BSt­Bl II 2007, 736; BFH, Beschluss vom 30.10.2003 – VI B 83/​03, BFH/​NV 2004, 356; außer­dem BFH, Urteil vom 04.02.1976 – I R 203/​73, BFHE 119, 168, BSt­Bl II 1976, 551[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 09.08.2007 – VI R 7/​04, BFH/​NV 2008, 9; vom 24.07.2014 – V R 45/​13, BFH/​NV 2015, 147[]
  4. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2004, 356, m.w.N.[]
  5. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 09.07.2003 – V R 29/​02, BFHE 202, 403, BSt­Bl II 2003, 904[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 28.02.1996 – XI R 42/​94, BFHE 179, 248, BSt­Bl II 1996, 660; vom 19.12 2013 – V R 7/​12, BFHE 245, 80, BFH/​NV 2014, 1130, Rz 33; Heu­er­mann in HHSp, § 168 AO Rz 3, 15 ff.; Klein/​Rüsken, AO, 12. Aufl., § 168 Rz 11[]