Beleg­kran­ken­haus – und die Umsatz­steu­er

§ 4 Nr. 16 Buchst. b UStG a.F. (2007) setzt für die Umsatz­steu­er­be­frei­ung bei Kran­ken­häu­sern vor­aus, dass im vor­an­ge­gan­ge­nen Kalen­der­jahr die in § 67 Abs. 1 oder 2 AO bezeich­ne­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt waren.

Beleg­kran­ken­haus – und die Umsatz­steu­er

Die zu einem rei­nen Beleg­kran­ken­haus ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze des Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 25.11.1993 1 kann auf ein Kran­ken­haus über­tra­gen wer­den, in dem die Ver­hält­nis­se denen eines rei­nen Beleg­kran­ken­hau­ses inso­weit ähneln, als die Ope­ra­tio­nen im Kran­ken­haus zu 100 % von Beleg­ärz­ten durch­ge­führt wer­den und in dem zudem die durch­ge­führ­ten sons­ti­gen ärzt­li­chen Leis­tun­gen durch die Leis­tun­gen der Beleg­ärz­te geprägt wer­den, weil für das Kran­ken­haus bei 100 sta­tio­nä­ren Kli­nik­bet­ten nur fünf ange­stell­te Ärz­te tätig sind, d.h. ein Groß­teil auch der sons­ti­gen ärzt­li­chen Leis­tun­gen von den Beleg­ärz­ten erbracht wird.

Außer­dem hat der Bun­des­fi­nanz­hof im Urteil in BFHE 173, 242, BSt­Bl II 1994, 212 die Eigen­schaft als rei­nes Beleg­kran­ken­haus des­halb her­vor­ge­ho­ben, weil er durch die Ein­be­zie­hung der Arzt­leis­tun­gen in die Betrach­tung auch einem rei­nen Beleg­kran­ken­haus den Zugang zur Steu­er­be­frei­ung des § 4 Nr. 16 Buchst. b UStG a.F. ermög­li­chen woll­te 2. Danach mag die Über­tra­gung der Grund­sät­ze des BFH, Urteils in BFHE 173, 242, BSt­Bl II 1994, 212 auf den vor­lie­gen­den Fall nicht zwin­gend, mög­li­cher­wei­se sogar mate­ri­ell-recht­lich unzu­tref­fend sein, greif­bar gesetz­wid­rig oder gar will­kür­lich ist das Finanz­ge­richt, Urteil des­halb aber nicht.

Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für das Vor­lie­gen der Merk­ma­le des § 4 Nr. 16 Buchst. b UStG a.F. obliegt der Kran­ken­haus­trä­ge­rin.

Grund­sätz­lich obliegt einem Steu­er­pflich­ti­gen, der sich auf eine Steu­er­be­frei­ung oder eine steu­er­li­che Begüns­ti­gung beruft, die Dar­le­gungs- und Beweis­last für das Vor­lie­gen der tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen 3. Zu die­sen Merk­ma­len gehö­ren auch die Vor­aus­set­zun­gen der 40 %-Gren­ze des § 4 Nr. 16 Buchst. b UStG a.F. i.V.m. § 67 Abs. 1 und 2 AO.

Die Kli­nik trägt zwar zu Recht vor, es sei für sie auf­grund des Arzt­ge­heim­nis­ses schwie­rig, die Abrech­nungs­mo­da­li­tä­ten der Beleg­ärz­te und damit die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung dar­zu­le­gen und zu bewei­sen. Ande­rer­seits sind bei der Beweis­last­ver­tei­lung bestimm­te Aus­le­gungs­grund­sät­ze zu beach­ten, deren Inhalt und deren Rang­ver­hält­nis im Fal­le gegen­läu­fi­ger Aus­le­gungs­er­geb­nis­se in Recht­spre­chung und Schrift­tum nicht immer ein­heit­lich ver­stan­den wer­den und die sich nicht in eine ein­fa­che und für alle Vor­schrif­ten glei­che For­mel fas­sen las­sen. Zu berück­sich­ti­gen ist aber regel­mä­ßig, zu wes­sen Wahr­neh­mungs- und Ein­fluss­sphä­re eine Tat­sa­che gehört und wem folg­lich das Risi­ko ihrer Uner­weis­lich­keit am ehes­ten zuge­mu­tet wer­den kann 4. Bei Beach­tung die­ser Grund­sät­ze und der Tat­sa­che, dass die Abrech­nungs­mo­da­li­tä­ten der Beleg­ärz­te jeden­falls eher der Wahr­neh­mungs- und Ein­fluss­sphä­re der Kli­nik als der des Beklag­ten und Beschwer­de­geg­ners (Finanz­amt) zuzu­rech­nen sind, ist die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt, dass die Beweis­not der Kli­nik nicht zwin­gend zu einer Beweis­last­um­kehr führt, jeden­falls nicht so falsch, dass sie als greif­bar gesetz­wid­rig oder gar will­kür­lich beur­teilt wer­den könn­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2016 – V B 102/​16

  1. BFH, Urteil vom 25.11.1993 – V R 64/​89, BFHE 173, 242, BSt­Bl II 1994, 212[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 173, 242, BSt­Bl II 1994, 212, Rz 15[]
  3. BFH, Urtei­le vom 06.04.2016 – X R 28/​14, BFHE 254, 218, Rz 13; – X R 15/​14, BFHE 254, 209, Rz 11; vom 24.08.2010 – VII R 10/​10, Rz 9[]
  4. z.B. BFH, Urteil vom 19.08.2008 – VII R 54/​06, BFHE 223, 551, Rz 22, m.w.N.[]