Betriebs-Fer­ra­ri – und der Vor­steu­er­ab­zug

Gemäß § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann der Unter­neh­mer unter ande­rem die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, in Abzug brin­gen. Nicht abzieh­bar sind gemäß § 15 Abs. 1a UStG die Vor­steu­er­be­trä­ge, die auf Auf­wen­dun­gen ent­fal­len, für die das Abzugs­ver­bot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 bis 4 und 7 oder des § 12 Nr. 1 EStG gilt.

Betriebs-Fer­ra­ri – und der Vor­steu­er­ab­zug

Uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge des § 15 Abs. 1a UStG ist Art. 176 der Richt­li­nie des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem 2006/​112/​EG 1.

Nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 EStG sind als Betriebs­aus­ga­be nicht abzieh­bar ande­re als die in den (hier nicht ein­schlä­gi­gen) Num­mern 1 bis 6 und 6b bezeich­ne­ten Auf­wen­dun­gen, die die Lebens­füh­rung des Steu­er­pflich­ti­gen oder ande­rer Per­so­nen berüh­ren, soweit sie nach all­ge­mei­ner Ver­kehrs­auf­fas­sung als unan­ge­mes­sen anzu­se­hen sind.

Auf­wen­dun­gen berüh­ren die Lebens­füh­rung im Sin­ne der Vor­schrift, wenn sie durch die per­sön­li­chen Moti­ve des Steu­er­pflich­ti­gen mit­ver­an­lasst sind, ohne dass des­halb die betrieb­li­che Ver­an­las­sung zu ver­nei­nen ist und ohne dass es einer teil­wei­sen pri­va­ten Nut­zung des betref­fen­den Wirt­schafts­guts bedarf. Dies gilt auch für die Beschaf­fung aus­schließ­lich betrieb­lich genutz­ter Pkw 2. Denn auch inso­weit kann das Ziel der Vor­schrift betrof­fen sein, unan­ge­mes­se­nen betrieb­li­chen Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand nicht gewinn­min­dernd bei der Fest­set­zung der Ein­kom­men­steu­er zu berück­sich­ti­gen 3.

Ob ein sol­cher unan­ge­mes­se­ner betrieb­li­cher Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand vor­liegt, ist danach zu beur­tei­len, ob ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Unter­neh­mer ‑unge­ach­tet sei­ner Frei­heit, den Umfang sei­ner Erwerbs­auf­wen­dun­gen selbst zu bestim­men- ange­sichts der erwar­te­ten Vor­tei­le und Kos­ten die Auf­wen­dun­gen eben­falls auf sich genom­men haben wür­de 4.

Bei der Ange­mes­sen­heits­prü­fung sind alle Umstän­de des Ein­zel­falls zu berück­sich­ti­gen. Neben der Grö­ße des Unter­neh­mens, der Höhe des län­ger­fris­ti­gen Umsat­zes und des Gewinns sind vor allem die Bedeu­tung des Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wands für den Geschäfts­er­folg nach der Art der aus­ge­üb­ten Tätig­keit und sei­ne Üblich­keit in ver­gleich­ba­ren Betrie­ben als Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en her­an­zu­zie­hen. Es kann auch ent­schei­dungs­er­heb­lich sein, ob es einen objek­ti­ven Grund für den angeb­li­chen Mehr­auf­wand gibt. Unter die­sem Gesichts­punkt kann von Bedeu­tung sein, ob der Auf­wand durch ein güns­ti­ges "Gegen­ge­schäft aus­ge­löst wur­de, das ohne ent­spre­chen­de Kop­pe­lung nicht zustan­de gekom­men wäre" 5.

Schließ­lich ist auch zu beach­ten, wie weit die pri­va­te Lebens­sphä­re des Steu­er­pflich­ti­gen berührt wird 6.

Danach ist die Anschaf­fung eines teu­ren und schnel­len Wagens nicht stets "unan­ge­mes­sen" i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 7 EStG, wenn die Benut­zung eines reprä­sen­ta­ti­ven Wagens für den Geschäfts­er­folg kei­ne Bedeu­tung hat. Viel­mehr ist die Bedeu­tung des Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wands nur eine von meh­re­ren Tat­sa­chen, die im Ein­zel­fall zu wür­di­gen und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen sind 7.

Nach die­sen Maß­stä­ben han­delt es sich in dem hier vom Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ent­schie­de­nen Fall bei den Auf­wen­dun­gen einer Zahhn­la­bor-GmbH für den Fer­ra­ri ihres Geschäfts­füh­rers um die Lebens­füh­rung berüh­ren­den unan­ge­mes­se­nen Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wand.

Der Sohn der Gesell­schaf­ter und Geschäfts­füh­rer der Klä­ge­rin ist ‑wie die Teil­nah­me an den Renn­ta­gen in Y belegt- dem Motor­sport zuge­neigt. Bei dem Fer­ra­ri han­delt es sich nicht um ein Seri­en­mo­dell, son­dern um eine limi­tier­te Serie, was die Affi­ni­tät des Geschäfts­füh­rers zum Motor­sport noch­mals unter­streicht. Bereits der Besitz des Fer­ra­ri befrie­digt in hohem Maße das per­sön­li­che Affek­ti­ons­in­ter­es­se des Geschäfts­füh­rers, so dass die gerin­ge Lauf­leis­tung des Fer­ra­ri nicht gegen, son­dern eher für unan­ge­mes­se­nen betrieb­li­chen Auf­wand spricht.

Gegen­über dem pri­va­ten Inter­es­se des Geschäfts­füh­rers ist die Bedeu­tung des Reprä­sen­ta­ti­ons­auf­wands für den Geschäfts­er­folg der Klä­ge­rin als äußerst gering ein­zu­schät­zen. Die Klä­ge­rin hat den Groß­teil ihrer Umsät­ze mit der Zahn­arzt­pra­xis erwirt­schaf­tet, an der neben ihrem Geschäfts­füh­rer auch des­sen Ehe­frau betei­ligt ist. Die Klä­ge­rin hat die­se Umsät­ze sicher, solan­ge in der Zahn­arzt­pra­xis ent­spre­chen­de Labor­leis­tun­gen benö­tigt wer­den. Hin­zu kommt, dass nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin die Wer­be­maß­nah­men nur auf sol­che Pati­en­ten abziel­ten, die ‑ohne Kos­ten­er­satz durch eine gesetz­li­che oder pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung- die Behand­lungs­kos­ten selbst zah­len woll­ten. Den hohen Auf­wen­dun­gen für den Fer­ra­ri stand mit­hin nur ein sehr klei­ner Kreis von Pati­en­ten gegen­über, die die­se Kos­ten recht­fer­ti­gen soll­ten.

Aus den für die Jah­re 2010 bis 2012 vor­lie­gen­den Fahr­ten­bü­chern sind kei­ne Wer­be­ver­an­stal­tun­gen ersicht­lich, bei denen mit dem Fer­ra­ri Pati­en­ten gewon­nen wer­den könn­ten. Die Klä­ge­rin beruft sich inso­weit ein­zig auf die Teil­nah­me an den Renn­ta­gen in Y. Die­se Ver­an­stal­tung fin­det aber jähr­lich ‑und in eini­ger Ent­fer­nung vom Sitz der Klä­ge­rin und der Zahn­arzt­pra­xis- statt. Aus­weis­lich der Fahr­ten­bü­cher hat der Geschäfts­füh­rer mit dem Fer­ra­ri viel­mehr über­wie­gend sei­ne steu­er­li­chen Bera­ter und Kre­dit­in­sti­tu­te auf­ge­sucht und dabei den Fer­ra­ri jeweils nur weni­ge Kilo­me­ter bewegt. Die­se Fahr­ten dien­ten ersicht­lich nicht der Gewin­nung von Kun­den für die Zahn­arzt­pra­xis. Auf Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen und Vor­füh­run­gen von medi­zi­ni­schen Gerä­ten sind eben­falls eher Kol­le­gen als poten­ti­el­le Pati­en­ten anzu­tref­fen.

Das Finanz­ge­richt ist viel­mehr davon über­zeugt, dass der Besitz des Fer­ra­ri und die Teil­nah­me an Renn­ta­gen ‑gemes­sen an der Höhe des vor­steu­er­be­las­te­ten Unter­halts­auf­wands- den Geschäfts­er­folg der Klä­ge­rin oder der Zahn­arzt­pra­xis nicht nen­nens­wert gestei­gert haben und auch nicht stei­gern konn­ten. Das Gericht folgt auch nicht der Aus­sa­ge der Klä­ge­rin, die Kos­ten für den Fer­ra­ri gin­gen unter Berück­sich­ti­gung eines spä­te­ren Ver­äu­ße­rungs­ge­winns gegen Null. Selbst bei einem aktu­el­len Ver­kauf des Fer­ra­ri für

EUR net­to, was in etwa dem Neu­preis ent­spricht, ver­blie­be in Anbe­tracht der zwi­schen­zeit­lich ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen ein deut­li­cher Ver­lust. Die Klä­ge­rin hat auch nicht dar­ge­tan, dass ein ‑für eine ein­zi­ge Zahn­arzt­pra­xis täti­ges- Dent­al­la­bor einen Fer­ra­ri als Wert­an­la­ge benö­tigt.

Ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Unter­neh­mer hät­te jeden­falls nach Ablauf des Lea­sing­ver­trags von dem Erwerb des Fer­ra­ri abge­se­hen, wenn man ‑wie die Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen hat- bereits bei den Renn­ta­gen in Y die Untaug­lich­keit des Wer­be­kon­zepts fest­ge­stellt und des­halb auf die Teil­nah­me an wei­te­ren Renn­ta­gen ver­zich­tet hat.

Es ist ‑von steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen wie den Ver­lust des Vor­steu­er­ab­zugs nach § 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG abge­se­hen- im Übri­gen nicht nach­voll­zieh­bar, dass der Fer­ra­ri Pati­en­ten für die Zahn­arzt­pra­xis gewin­nen soll­te, die­ser aber im Unter­neh­mens­ver­mö­gen der Klä­ge­rin gehal­ten wird. Im Unter­neh­mens­ver­mö­gen der Klä­ge­rin befand sich über­dies bei Beginn des Lea­sings bereits ein ‑eben­falls den per­sön­li­chen Inter­es­sen des Geschäfts­füh­rers die­nen­der- Pkw, so dass ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Unter­neh­mer die zusätz­li­chen Auf­wen­dun­gen für den Fer­ra­ri nicht auf sich genom­men hät­te.

Da ‑wie im Streit­fall- auch die Auf­wen­dun­gen für einen aus­schließ­lich betrieb­lich bzw. unter­neh­me­risch genutz­ten Pkw unan­ge­mes­sen sein kön­nen, kommt es auf die vom Finanz­amt behaup­te­ten Män­gel der Fahr­ten­bü­cher nicht an.

Das Abzugs­ver­bot gilt auch für Vor­steu­er­be­trä­ge aus den Anschaf­fungs­kos­ten 1. Das Finanz­amt hat zudem den Vor­steu­er­ab­zug aus dem ange­mes­se­nen Teil der Auf­wen­dun­gen von 2 EUR je gefah­re­nen Kilo­me­ter zuge­las­sen 8. Beden­ken gegen die­se Bemes­sung des "ange­mes­se­nen Teils" der Auf­wen­dun­gen sind weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich.

Finanz­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 6. Juni 2016 – 1 K 3386/​15

  1. BFH, Urteil vom 21.05.2014 – V R 34/​13, BFHE 246, 232, BSt­Bl II 2014, 914[][]
  2. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 13.11.1987 – III R 227/​83, BFH/​NV 1988, 356; vom 19.03.2002 – IV B 50/​00, BFH/​NV 2002, 1145[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 02.02.1979 – III R 50 – 51/​78, BFHE 127, 297, BSt­Bl II 1979, 387; vom 02.02.1979 – III R 89/​78, BFHE 130, 100, BSt­Bl II 1980, 340[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 27.02.1985 – I R 20/​82, BFHE 143, 440, BSt­Bl II 1985, 458; vom 29.04.2014 – VIII R 20/​12, BFHE 245, 338, BSt­Bl II 2014, 679[]
  5. BFH, Urteil vom 20.08.1986 – I R 29/​85, BFHE 147, 525, BSt­Bl II 1987, 108[]
  6. vgl. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 08.10.1987 – IV R 5/​85, BFHE 150, 558, BSt­Bl II 1987, 853; vom 13.11.1987 – III R 227/​83, BFH/​NV 1988, 356; vom 23.11.1988 – I R 149/​84, BFH/​NV 1989, 362; vom 19.03.2002 – IV B 50/​00, BFH/​NV 2002, 1145; vom 04.06.2009 – IV B 53/​08, nicht ver­öf­fent­licht[]
  7. BFH, Urtei­le vom 26.01.1988 – VIII R 139/​86, BFHE 153, 4, BSt­Bl II 1988, 629; vom 10.11.1988 – IV R 70/​88, BFH/​NV 1989, 573; vom 02.03.1989 – IV R 105/​86, BFH/​NV 1989, 693; vom 19.10.1995 – XI B 155/​94, BFH/​NV 1996, 308[]
  8. vgl. BFH, Urteil vom 29.04.2014 – VIII R 20/​12, BFHE 245, 338, BSt­Bl II 2014, 679, Tz. 32[]