Betriebs­ver­an­stal­tung als unent­gelt­li­che Arbeit­neh­mer­zu­wen­dung

Nach § 3 Abs. 1b Nr. 2 UStG und § 3 Abs. 9a Nr. 2 UStG wer­den einer ent­gelt­li­chen Leis­tung gleich­ge­stellt unent­gelt­li­che Leis­tun­gen durch einen Unter­neh­mer für sein Per­so­nal für des­sen pri­va­ten Bedarf, soweit kei­ne Auf­merk­sam­kei­ten vor­lie­gen. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung liegt eine nach den genann­ten Vor­schrif­ten steu­er­ba­re unent­gelt­li­che Leis­tung (auch) vor, wenn Leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers zwar aus betrieb­li­chem Anlass erfol­gen, die Leis­tung jedoch den pri­va­ten Bedarf der Arbeit­neh­mer –wie z.B. die Beför­de­rung zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te oder die Abga­be von Mahl­zei­ten– befrie­digt. Anders ist es, wenn beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen und die Leis­tung des­halb durch betrieb­li­che Erfor­der­nis­se bedingt ist 1. Der Zweck die­ser Bestim­mun­gen zur Ent­nah­me­be­steue­rung besteht dar­in, sicher­zu­stel­len, dass der Steu­er­pflich­ti­ge, der für sei­nen pri­va­ten Bedarf oder den sei­nes Per­so­nals einen Gegen­stand ent­nimmt oder eine Dienst­leis­tung erbringt, und der End­ver­brau­cher, der einen Gegen­stand oder eine Dienst­leis­tung glei­cher Art erwirbt, gleich­be­han­delt wer­den 2.

Betriebs­ver­an­stal­tung als unent­gelt­li­che Arbeit­neh­mer­zu­wen­dung

Zu der grund­sätz­li­chen ver­gleich­ba­ren Fra­ge­stel­lung bei Leis­tun­gen des Arbeit­ge­bers an Arbeit­neh­mer hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, (nur) sol­che Vor­tei­le sei­en kein Arbeits­lohn, die sich bei objek­ti­ver Wür­di­gung aller Umstän­de nicht als Ent­loh­nung, son­dern ledig­lich als not­wen­di­ge Begleit­erschei­nung betriebs­funk­tio­na­ler Ziel­set­zung erwie­sen. Ein Vor­teil wer­de dann im ganz über­wie­gend eigen­be­trieb­li­chen Inter­es­se gewährt, wenn im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung aus den Begleit­um­stän­den zu schlie­ßen sei, dass der jeweils ver­folg­te betrieb­li­che Zweck ganz im Vor­der­grund ste­he. In die­sem Fall kön­ne ein damit ein­her­ge­hen­des eige­nes Inter­es­se des Arbeit­neh­mers, den betref­fen­den Vor­teil zu erlan­gen, ver­nach­läs­sigt wer­den 3. Für Betriebs­ver­an­stal­tun­gen (Ver­an­stal­tun­gen auf betrieb­li­cher Ebe­ne mit gesell­schaft­li­chem Cha­rak­ter, bei denen die Teil­nah­me grund­sätz­lich allen Betriebs­an­ge­hö­ri­gen offen­steht) hat der Bun­des­fi­nanz­hof kon­kre­ti­siert, das eigen­be­trieb­li­che Inter­es­se des Arbeit­ge­bers an der Durch­füh­rung sol­cher Ver­an­stal­tun­gen sei in der För­de­rung des Kon­takts der Arbeit­neh­mer und in der Ver­bes­se­rung des Betriebs­kli­mas zu sehen; die Auf­wen­dun­gen könn­ten auch im ganz über­wie­gend eigen­be­trieb­li­chen Inter­es­se des Arbeit­ge­bers lie­gen. Ins­be­son­de­re zur Wah­rung einer ein­heit­li­chen Rechts­an­wen­dung ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Lohn­steu­er eine typi­sie­ren­de Quan­ti­fi­zie­rung 4 zuläs­sig, ab wann die den teil­neh­men­den Arbeit­neh­mern zuge­wen­de­ten geld­wer­ten Vor­tei­le von sol­chem Eigen­ge­wicht sind, dass von einem ganz über­wie­gend eigen­be­trieb­li­chen Inter­es­se des Arbeit­ge­bers nicht mehr aus­ge­gan­gen wer­den kann und des­halb bei Über­schrei­ten einer Frei­gren­ze die Zuwen­dun­gen des Arbeit­ge­bers in vol­lem Umfang als steu­er­pflich­ti­ger Arbeits­lohn zu qua­li­fi­zie­ren sind 5. Des Wei­te­ren hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof 6 ins­be­son­de­re auch mit den Fra­gen zur Erfor­der­lich­keit einer Anpas­sung sowie der Auf­fas­sung, die Frei­gren­ze müs­se bran­chen­spe­zi­fisch betrach­tet wer­den, aus­ein­an­der­ge­setzt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 31. März 2010 – V B 112/​09

  1. EuGH, Urtei­le vom 16.10.1997 – C‑258/​95 [Fil­li­beck], Slg. 1997, I‑5577, UR 1998, 61 Rdnrn. 26 ff.; vom 11.12.2008 – C‑371/​07 [Dan­foss A/​S und Astra­Ze­ne­ca A/​S], BFH/​NV 2009, 336 zur Abga­be von Mahl­zei­ten; BFH, Urtei­le vom 10.06.1999 – V R 104/​98, BFHE 188, 466, BSt­Bl II 1999, 582; vom 27.02.2008 – XI R 50/​07, BFHE 221, 410, BSt­Bl II 2009, 426; vom 29.05.2008 – V R 17/​07, BFH/​NV 2008, 1893; vom 29.05.2008 – V R 12/​07, BFHE 221, 525, BSt­Bl II 2009, 428[]
  2. z.B. EuGH-Urtei­le "Fil­li­beck" und "Dan­foss A/​S und Astra­Ze­ne­ca A/​S"[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urteil in BFHE 225, 58, BSt­Bl II 2009, 726, m.w.N.[]
  4. vgl. hier­zu BVerfG, Beschlüs­se vom 31.05.1988 – 1 BvR 520/​83, BVerfGE 78, 214, 227 ff., 230 ff.; und vom 04.02.2005 – 2 BvR 1572/​01, BFH/​NV Bei­la­ge 2005, 112; BFH, Urteil vom 16.11.2005 – VI R 151/​00, BFHE 211, 325, BSt­Bl II 2006, 442[]
  5. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urtei­le vom 21.01.2010 – VI R 51/​08; in BFHE 225, 58, BSt­Bl II 2009, 726; vom 16.11.2005 – VI R 68/​00, BFHE 212, 51, BSt­Bl II 2006, 440; vom 15.01.2009 – VI R 22/​06, BFHE 224, 136, BSt­Bl II 2009, 476; in BFHE 211, 325, BSt­Bl II 2006, 442[]
  6. in BFHE 211, 325, BSt­Bl II 2006, 442[]