Bil­lig­keits­er­lass bei offen aus­ge­wie­se­ner Umsatz­steu­er

Für Nach­zah­lungs­zin­sen ist kein Bil­lig­keits­er­lass mög­lich, wenn in einer Rech­nung offen aus­ge­wie­se­ne USt nicht abge­führt wur­de.

Bil­lig­keits­er­lass bei offen aus­ge­wie­se­ner Umsatz­steu­er

Nach § 14 Abs. 2 Satz UStG besteht die Ver­pflich­tung, die in der Rech­nung offen aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er an das Finanz­amt abzu­füh­ren. Der Liqui­di­täts­vor­teil aus der gleich­wohl nicht an das Finanz­amt ent­rich­te­ten Umsatz­steu­er hat daher dem Sinn und Zweck der Fest­set­zung von Zin­sen i.S. des § 233a AO ent­spro­chen, so dass kein Anspruch auf einen Erlass der Zin­sen aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den nach § 227 AO besteht. Die­se Rechts­auf­fas­sung steht inso­weit im Ein­klang mit der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung 1. Fer­ner bestimmt § 14 Abs. 3 Satz 1 UStG, dass der­je­ni­ge, der in einer Rech­nung einen Steu­er­be­trag geson­dert aus­weist, obwohl er zum geson­der­ten Aus­weis der Steu­er nicht berech­tigt ist, jeden­falls den aus­ge­wie­se­nen Betrag schul­det.

Dar­aus ergibt sich, dass es für die Zins­fest­set­zung nach § 233a AO und damit auch für den begehr­ten Bil­lig­keits­er­lass aus sach­li­chen Grün­den nicht dar­auf ankommt, ob der Rech­nungs­er­tei­lung tat­säch­lich ein Leis­tungs­aus­tausch­ver­hält­nis zugrun­de gele­gen hat. Auch ist es nach der bereits vor­lie­gen­den Recht­spre­chung unmaß­geb­lich, ob die Zins­vor­tei­le tat­säch­lich gezo­gen wor­den sind 2. Daher ist es nicht erheb­lich, ob der Klä­ger die offen aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er tat­säch­lich ver­ein­nahmt hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 19. Juli 2012 – XI B 26/​12

  1. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2005, 1976; Urteil vom 19.12.2002 – V R 66/​00, BFH/​NV 2003, 591[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 23.10.2003 – V R 2/​02, BFHE 203, 410, BSt­Bl II 2004, 39, m.w.N.[]