Bor­dell­um­sät­ze – und ihre Zurech­nung

Durch die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hof ist – ohne das die Rege­lun­gen des Pro­sti­tu­ti­ons­ge­set­zes hier­an etwas geän­dert hät­ten – geklärt,

Bor­dell­um­sät­ze – und ihre Zurech­nung
  • nach wel­chen Grund­sät­zen zu beur­tei­len ist, ob Umsät­ze in einem Bor­dell dem unmit­tel­bar Han­deln­den oder dem Unter­neh­mer, in des­sen Unter­neh­men er ein­ge­glie­dert ist, zuzu­rech­nen sind,
  • dass auch im Bereich der Pro­sti­tu­ti­on Unter­neh­mer i.S. des § 2 Abs. 1 UStG grund­sätz­lich der­je­ni­ge ist, der als Unter­neh­mer nach außen auf­tritt,
  • dass es inso­weit dar­auf ankommt, ob der Unter­neh­mer (z.B. in sei­ner Wer­bung) gegen­über dem Kun­den als Inha­ber eines Bor­dell­be­triebs und Erbrin­ger sämt­li­cher Dienst­leis­tun­gen (ein­schließ­lich der Ver­schaf­fung von Geschlechts­ver­kehr) auf­ge­tre­ten ist und nicht nur als Zim­mer­ver­mie­ter und Gast­wirt sowie
  • dass trotz der Bezeich­nung einer Leis­tung als Ver­mie­tungs­leis­tung nach dem objek­ti­ven Inhalt eine sons­ti­ge Leis­tung des Bor­dell­in­ha­bers anzu­neh­men sein kann, wenn die­ser nach den nach außen erkenn­ba­ren Gesamt­um­stän­den auf­grund von Orga­ni­sa­ti­ons­leis­tun­gen selbst der­je­ni­ge ist, der durch die Anwer­bung von Pro­sti­tu­ier­ten und Unter­brin­gung das Bor­dell betreibt.

Nach der vor­han­de­nen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs sind die Grund­sät­ze, nach denen zu beur­tei­len ist, ob eine Leis­tung dem unmit­tel­bar Han­deln­den oder dem Unter­neh­mer, in des­sen Unter­neh­men er ein­ge­glie­dert ist, zuzu­rech­nen ist, auch im Ver­hält­nis zwi­schen Pro­sti­tu­ier­ten und Betrei­bern von Bor­del­len geklärt 1.

Dem­nach ist auch im Bereich der Pro­sti­tu­ti­on grund­sätz­lich der­je­ni­ge Unter­neh­mer i.S. des § 2 Abs. 1 UStG, der als Unter­neh­mer nach außen auf­tritt 2, wonach es inso­weit dar­auf ankommt, ob der Unter­neh­mer (z.B. in sei­ner Wer­bung) als Inha­ber eines Bor­dell­be­triebs als Erbrin­ger sämt­li­cher vom Kun­den erwar­te­ten Dienst­leis­tun­gen ein­schließ­lich der Ver­schaf­fung von Geschlechts­ver­kehr auf­ge­tre­ten ist und nicht nur als Zim­mer­ver­mie­ter und Gast­wirt 3, und wonach trotz der Bezeich­nung einer Leis­tung als Ver­mie­tungs­ver­hält­nis nach dem objek­ti­ven Inhalt eine sons­ti­ge Leis­tung des Bor­dell­in­ha­bers anzu­neh­men sein kann, wenn die­ser nach den nach außen erkenn­ba­ren Gesamt­um­stän­den auf­grund von Orga­ni­sa­ti­ons­leis­tun­gen selbst der­je­ni­ge ist, der durch die Anwer­bung von Pro­sti­tu­ier­ten und Unter­brin­gung das Bor­dell betreibt 4. Dar­an haben die Rege­lun­gen des Pro­sti­tu­ti­ons­ge­set­zes (ProstG) nichts geän­dert 5.

Aus Sicht der Leis­tungs­emp­fän­ger (Frei­er) kann daher Leis­ten­der der Bor­dell­be­trei­ber sein, der als sol­cher nach außen auf­tritt.

Dabei stellt es kei­nen ver­fas­sungs­wid­ri­gen Ein­griff in die Frei­heit der Berufs­aus­übung (Art. 12 GG) dar, wenn der­je­ni­ge, dem als Bor­dell­be­trei­ber Umsät­ze zuzu­rech­nen sind, die­se auch zu ver­steu­ern hat 6. Dem Bor­dell­in­ha­ber steht im Fal­le der Beschäf­ti­gung von Sub­un­ter­neh­mern der Vor­steu­er­ab­zug aus Leis­tun­gen der Damen zu, sofern Rech­nun­gen vor­lie­gen und die­se die hier­zu erfor­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 15 UStG erfül­len 7. Sind die Pro­sti­tu­ier­ten Arbeit­neh­me­rin­nen, tref­fen den Bor­dell­be­trei­ber die steu­er­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen als Arbeit­ge­ber 8. Auch unter Liqui­di­täts­ge­sichts­punk­ten unter­schei­det sich die Situa­ti­on des Bor­dell­be­trei­bers daher inso­weit nicht von der eines ande­ren Unter­neh­mers, der u.a. an die zur Erbrin­gung der Leis­tung ein­ge­setz­ten Arbeit­neh­mer bzw. Sub­un­ter­neh­mer die ihnen zuste­hen­den Zah­lun­gen leis­ten muss.

Der Unter­neh­mer (hier: der Bor­dell­be­trei­ber) ist außer­dem Steu­er­schuld­ner (§ 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG) und die Umsatz­steu­er nach der Recht­spre­chung des BFH kein durch­lau­fen­der Pos­ten 9.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2017 – XI B 65/​17

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 31.03.2006 – V B 181/​05, BFH/​NV 2006, 2138[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 29.01.2008 – V B 201/​06, BFH/​NV 2008, 827[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 25.11.2009 – V B 31/​09, BFH/​NV 2010, 959, Rz 2[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 07.02.2017 – V B 48/​16, BFH/​NV 2017, 629, Rz 7[]
  5. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 629, Rz 8[]
  6. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 629, Rz 9[]
  7. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2017, 629, Rz 10[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 02.11.1995 – 5 StR 414/​95, HFR 1996, 363, Rz 7[]
  9. vgl. BFH, Urteil vom 19.02.1975 – I R 154/​73, BFHE 115, 129, BSt­Bl II 1975, 441; BFH, Beschluss vom 29.05.2006 – IV S 6/​06 (PKH), BFH/​NV 2006, 1827[]