Der Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten – und die Umsatz­steu­er­pflicht

Umsät­ze aus dem Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten sind unge­ach­tet der Anre­chen­bar­keit der Umsatz­steu­er auf die Spiel­ban­ken­ab­ga­be umsatz­steu­er­pflich­tig.

Der Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten – und die Umsatz­steu­er­pflicht

Die Fra­ge, ob die betrags­ge­naue Anre­chen­bar­keit der Umsatz­steu­er bei der Erhe­bung der Spiel­ban­ken­ab­ga­be gegen den Neu­tra­li­täts­grund­satz, das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot oder das Trans­pa­renz­ge­bot ver­stößt und ob sich hier­aus das Gebot einer Umsatz­steu­er­frei­stel­lung bei gleich­zei­ti­gem Erhalt des Rechts auf Vor­steu­er­ab­zug ergibt, sind durch die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on, des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­fi­nanz­hofs bereits geklärt:

Da die betref­fen­den gemein­schafts­recht­li­chen Bestim­mun­gen bereits Gegen­stand einer Aus­le­gung durch den Umi­ons­ge­richts­hof waren, besteht auch kei­ne Ver­pflich­tung für den Bun­des­fi­nanz­hof zu einer (erneu­ten) Vor­la­ge [1]. Zudem ist die Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts der­art offen­kun­dig, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kein Raum bleibt [2].

Der EuGH hat bereits ent­schie­den, "… dass Art. 1 Abs. 2 der Mehr­wert­steu­er­richt­li­nie dahin aus­zu­le­gen ist, dass er einer inner­staat­li­chen Rege­lung, wonach die geschul­de­te Mehr­wert­steu­er betrags­ge­nau auf eine nicht har­mo­ni­sier­te Abga­be ange­rech­net wird, nicht ent­ge­gen­steht" [3]. Nach der Recht­spre­chung des EuGH ist es fer­ner "ohne Belang, dass die Höhe einer nicht har­mo­ni­sier­ten Abga­be auf Spie­le, zu der bestimm­te mehr­wert­steu­er­pflich­ti­ge Ver­an­stal­ter und Betrei­ber von Glücks­spie­len mit Geld­ein­satz eben­falls her­an­ge­zo­gen wer­den, an die für die­se Tätig­keit anfal­len­de Mehr­wert­steu­er ange­passt wird, da der Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät auf eine sol­che Abga­be kei­ne Anwen­dung fin­det [4]. Es sind inso­weit auch kei­ne neu­en Gesichts­punk­te ersicht­lich oder vor­ge­tra­gen, die der Uni­ons­ge­richts­hof in sei­ne Betrach­tung nicht ein­be­zie­hen konn­te.

Das­sel­be gilt für das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot, das im Zeit­punkt des Urteils "Metro­pol Spiel­stät­ten" des Uni­ons­ge­richts­hofs [5] im Jahr 2013 nicht nur als all­ge­mei­ner Grund­satz bestand, son­dern in Art.20, 21 der am 1.12 2009 in Kraft getre­te­nen Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on ‑EUGrdRCh- bereits aus­drück­lich kodi­fi­ziert war und das vom Uni­ons­ge­richts­hof in ande­ren Ver­fah­ren [6] in sei­ne Ent­schei­dung ein­be­zo­gen wor­den ist. Es ist des­halb davon aus­zu­ge­hen, dass der Uni­ons­ge­richts­hof auch das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot in sei­nem Urteil Metro­pol Spiel­stät­ten [7] bereits berück­sich­tigt und als nicht ver­letzt gewür­digt hat. Aus die­sem Grund geht auch der Hin­weis auf das Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs Kommission/​Deutschland vom 19.05.1992 [8] ins Lee­re.

Auch bei­de Umsatz­steu­er­se­na­te des Bun­des­fi­nanz­hofs haben die Fra­ge, ob die betrags­ge­naue Anrech­nung der geschul­de­ten Mehr­wert­steu­er auf eine nicht har­mo­ni­sier­te Abga­be dem Uni­ons­recht ent­ge­gen­steht, bereits als nicht mehr klä­rungs­be­dürf­tig beur­teilt [9].

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die­se Beschlüs­se des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men [10]. Hier­zu hät­te aber für den Fall, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Zwei­fel hin­sicht­lich einer Ver­let­zung des Neu­tra­li­täts­grund­sat­zes oder des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­tes gehabt haben soll­te, Ver­an­las­sung bestan­den, denn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sieht das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot als zum Kern­be­stand der Uni­ons­bür­ger­schaft gehö­rend an und geht davon aus, dass es unmit­tel­bar von mit­glied­staat­li­chen Gerich­ten anzu­wen­den ist [11].

Im Übri­gen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auch die Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die Beschlüs­se des Bun­des­fi­nanz­hofs in BFH/​NV 2016, 1592; und vom 13.01.2016 [12], in denen eben­falls die Ungleich­be­hand­lung der Besteue­rung der Umsät­ze von Geld­spiel­au­to­ma­ten­be­trei­bern im Ver­hält­nis zu Betrei­bern öffent­li­cher Spiel­ban­ken strei­tig war, nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men [13].

Das Trans­pa­renz­ge­bot ist vor­lie­gend ersicht­lich unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt berührt. Das Trans­pa­renz­ge­bot ergibt sich aus den ‑aus den bereits dar­ge­leg­ten Grün­den nicht ver­letz­ten- Grund­sät­zen der Gleich­be­hand­lung und der Nicht­dis­kri­mi­nie­rung und betrifft im Wesent­li­chen das öffent­li­che Auf­trags­we­sen und die Ertei­lung behörd­li­cher Erlaub­nis­se [14].

Soweit eine Ungleich­be­hand­lung von gewerb­li­chen Geld­spiel­ge­rä­te­be­trei­bern im Ver­hält­nis zu öffent­li­chen Spiel­ban­ken "in die Nähe" einer mög­li­chen unzu­läs­si­gen Bei­hil­fe nach Art. 107 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on gerückt wird, folgt der Bun­des­fi­nanz­hof auch die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht. Denn es han­delt sich bei der hier­durch bean­stan­de­ten "Begüns­ti­gung" nicht um umsatz­steu­er­recht­li­che Bestim­mun­gen, die der beschlie­ßen­de Bun­des­fi­nanz­hof dem Uni­ons­ge­richts­hof zur Über­prü­fung vor­le­gen könn­te [15].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 27. Juni 2017 – V B 162/​16

  1. EuGH, Urteil CILFIT vom 06.10.1982 – 283/​81, EU:C:1982:335; vgl. auch BFH, Urteil vom 15.01.2015 – I R 69/​12, BFHE 249, 99, Rz 43[]
  2. vgl. EuGH, Urteil CILFIT, EU:C:1982:355; BFH, Urteil vom 17.06.1999 – VII R 55/​98, BFHE 189, 238[]
  3. EuGH, Urteil Metro­pol Spiel­stät­ten vom 24.10.2013 – C‑440/​12, EU:C:2013:687, Rz 60[]
  4. EuGH, Urteil Leo-Libe­ra vom 10.06.2010 – C‑58/​09, EU:C:2010:333, Rz 38; vgl. auch BFH, Beschluss vom 04.07.2016 – V B 115/​15, BFH/​NV 2016, 1592, Rz 5, m.w.N.[]
  5. EuGH, Urteil Metro­pol Spiel­stät­ten, EU:C:2013:687[]
  6. z.B. EuGH, Urteil Glat­zel vom 22.05.2014 – C‑356/​12, EU:C:2014:350[]
  7. EuGH, EU:C:2013:687[]
  8. EuGH, Urteil Kommission/​Deutschland vom 19.05.1992 – C‑195/​90, EU:C:1992:219[]
  9. BFH, Beschlüs­se vom 14.12 2015 – XI B 113/​14, BFH/​NV 2016, 599, Rz 13; vom 10.06.2016 – V B 97/​15, BFH/​NV 2016, 1497, Rz 7[]
  10. BVerfG, Beschluss vom 26.03.2017 – 1 BvR 1951/​16 – zu BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 1497; und BVerfG, Beschluss vom 21.03.2017 – 1 BvR 1025/​16 – zu BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 599[]
  11. BVerfG, Beschluss Le Cor­bu­si­er vom 19.07.2011 1 BvR 1916/​09, BVerfGE 129, 78, Rz 76[]
  12. BFH, Beschluss vom 13.01.2016 – V B 58/​15[]
  13. BVerfG, Beschlüs­se vom 24.04.2017 – 1 BvR 2229/​16; und vom 19.04.2017 – 1 BvR 2100/​16[]
  14. vgl. EuGH, Urtei­le Impre­sa Edi­lux und SICEF vom 22.10.2015 – C‑425/​14, EU:C:2015:721; Spor­ting Exchan­ge vom 03.06.2010 – C‑203/​08, EU:C:2010:307, Rz 39, 47; Wall vom 13.04.2010 – C‑91/​08, EU:C:2010:182, Rz 33; Tel­aus­tria und Tele­fon­adress vom 07.12 2000 – C‑324/​98, EU:C:2000:669, Rz 60 bis 62; Eura­was­ser vom 10.09.2009 – C‑206/​08, EU:C:2009:540, Rz 44; Ser­ran­to­ni und Con­sor­zio sta­bi­le edi­li vom 23.12 2009 – C‑376/​08, EU:C:2009:808, Rz 31 und 32; Micha­ni­ki vom 16.12 2008 – C‑213/​07, EU:C:2008:731, Rz 44[]
  15. vgl. zur Abgren­zung BFH, Beschluss vom 30.05.2017 – II R 62/​14, BFH/​NV 2017, 1133[]