Der man­gels Beschwer unzu­läs­si­ge Ein­spruch – und die ver­bö­sern­de Ein­spruchs­ent­schei­dung

Bei einem man­gels Beschwer unzu­läs­si­gem Ein­spruch gegen einen auf 0 € lau­ten­den Umsatz­steu­er­be­scheid besteht kei­ne Befug­nis des Finanz­am­tes zur Ver­bö­se­rung.

Der man­gels Beschwer unzu­läs­si­ge Ein­spruch – und die ver­bö­sern­de Ein­spruchs­ent­schei­dung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die Beschwer Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung für den Ein­spruch 1. Liegt kei­ne Beschwer vor, ist der Ein­spruch als unzu­läs­sig zu ver­wer­fen (§ 358 Satz 2 AO).

Nach § 350 AO ist nur befugt, Ein­spruch ein­zu­le­gen, wer gel­tend macht, durch einen Ver­wal­tungs­akt beschwert zu sein. Die Beschwer bestimmt sich nach der Schlüs­sig­keit des Vor­trags des Rechts­be­helfs- oder Ein­spruchs­füh­rers sowie ‑bei feh­len­der Begrün­dung- nach der ver­stän­di­gen Prü­fung des ange­foch­te­nen Steu­er­be­scheids. Erscheint danach eine Beschwer als mög­lich, ist die Rechts­be­helfs­be­fug­nis zu beja­hen 2.

Für den Bereich der Umsatz­steu­er hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den, dass eine Kla­ge ‑und damit auch ein Ein­spruch- gegen einen auf 0 EUR lau­ten­den Umsatz­steu­er­be­scheid im All­ge­mei­nen unzu­läs­sig ist und eine Beschwer nur dann vor­liegt, wenn statt­des­sen die Fest­set­zung einer Steu­er­ver­gü­tung erstrebt wird oder wenn sich die Steu­er­fest­set­zung nicht in der Kon­kre­ti­sie­rung des Steu­er­schuld­ver­hält­nis­ses erschöpft 3.

Im Streit­fall war die Unter­neh­me­rin auf­grund der Null­fest­set­zung durch den Bescheid vom 19.11.2010 nicht beschwert und ihr Ein­spruch daher unzu­läs­sig. Die Unter­neh­me­rin mach­te mit ihrem Ein­spruch gegen die Null­fest­set­zung auch kei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch gel­tend.

Der Ein­spruch der Unter­neh­me­rin hät­te daher als unzu­läs­sig ver­wor­fen wer­den müs­sen (§ 358 Satz 2 AO). Der unzu­läs­si­ge Ein­spruch eröff­ne­te dem Finanz­amt nicht die Befug­nis, die Umsatz­steu­er-Fest­set­zung 2005 in sach­li­cher Hin­sicht noch­mals zu über­prü­fen und die­se nach § 367 Abs. 2 Satz 2 AO im Hin­blick auf das dann ange­nom­me­ne Feh­len einer Organ­schaft zu ver­bö­sern 4.

Auf die Fra­ge, ob das Finanz­amt für den ver­bö­sern­den Steu­er­be­scheid vom 18.05.2011 eine ande­re Kor­rek­tur­grund­la­ge, wie z.B. § 174 AO hät­te in Anspruch neh­men kön­nen, kommt es im Streit­fall nicht an. Denn der Steu­er­be­scheid vom 18.05.2011 erging nicht als Ver­wal­tungs­akt, gegen den der Ein­spruch nach § 347 AO zuläs­sig ist, son­dern als Teil der gemäß § 348 Satz 1 AO nicht ein­spruchs­fä­hi­gen Ein­spruchs­ent­schei­dung. Eine Umdeu­tung in einen nach § 174 AO erlas­se­nen und ein­spruchs­fä­hi­gen Ände­rungs­be­scheid kommt daher nicht in Betracht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2014 – V R 45/​13

  1. BFH, Urteil vom 09.08.2007 – VI R 7/​04, BFH/​NV 2008, 9, unter II. 2.[]
  2. BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 9, unter II. 2.[]
  3. BFH, Urteil vom 15.04.2010 – V R 11/​09, BFH/​NV 2010, 1830, unter II. 1.b[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2008, 9, unter II. 4.[]