Der Ver­kauf von For­de­run­gen

Der For­de­rungs­er­wer­ber ist nicht zum Vor­steu­er­ab­zug aus den Ein­gangs­rech­nun­gen für den For­de­rungs­er­werb und den For­de­rungs­ein­zug berech­tigt, wenn der Erwer­ber sie nicht im Rah­men einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit erwor­ben hat.

Der Ver­kauf von For­de­run­gen

So das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in einem Schrei­ben über die "Umsatz­steu­er­li­che Behand­lung des Erwerbs zah­lungs­ge­stör­ter For­de­run­gen" 1. Nach­dem der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on 2011 ent­schie­den hat 2, dass ein Wirt­schafts­teil­neh­mer, der auf eige­nes Risi­ko zah­lungs­ge­stör­te For­de­run­gen zu einem unter ihrem Nenn­wert lie­gen­den Preis kauft, kei­ne ent­gelt­li­che Dienst­leis­tung im Sin­ne von Arti­kel 2 Nr. 1 der Sechs­ten Richt­li­nie (MwSt­Sys­tRL) erbringt und kei­ne in ihren Gel­tungs­be­reich fal­len­de wirt­schaft­li­che Tätig­keit aus­übt, wenn die Dif­fe­renz zwi­schen dem Nenn­wert die­ser For­de­run­gen und deren Kauf­preis den tat­säch­li­chen wirt­schaft­li­chen Wert der betref­fen­den For­de­run­gen zum Zeit­punkt ihrer Über­tra­gung wider­spie­gelt, hat sich der Bun­des­fi­nanz­hof die­ser Auf­fas­sung ange­schlos­sen. Mit der Ent­schei­dung vom Janu­ar 2012 3 hat der Bun­des­fi­nanz­hof klar­ge­stellt, dass ein Unter­neh­mer, der zah­lungs­ge­stör­te For­de­run­gen unter "Ver­ein­ba­rung" eines vom Kauf­preis abwei­chen­den "wirt­schaft­li­chen Werts" erwirbt, an den For­de­rungs­ver­käu­fer kei­ne ent­gelt­li­che Leis­tung erbringt. Mit einem Urteil vom Juli 2013 hat der Bun­des­fi­nanz­hof4 ent­schie­den, dass grund­sätz­lich selbst dann ein Unter­neh­mer, der ein Port­fo­lio von zah­lungs­ge­stör­ten For­de­run­gen erwirbt, kei­ne ent­gelt­li­che Leis­tung an den For­de­rungs­ver­käu­fer erbringt, wenn er die­sen von der wei­te­ren Ver­wal­tung und Voll­stre­ckung der For­de­run­gen ent­las­tet.

In sei­nem Schrei­ben hat das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um nun aus­ge­führt, dass man­gels die­ser Ent­gelt­lich­keit der Leis­tung aus den Ein­gangs­leis­tun­gen für den For­de­rungs­er­werb und den For­de­rungs­ein­zug dem For­de­rungs­er­wer­ber kein Vor­steu­er­ab­zugs­recht zusteht. Die­se For­de­rungs­über­tra­gung ist grund­sätz­lich von einem For­de­rungs­ver­kauf zu unter­schei­den, mit dem der Ver­käu­fer in ers­ter Linie von der Ein­zie­hung der For­de­rung ent­las­tet wer­den soll. In solch einem Fall ist auch wei­ter­hin regel­mä­ßig von einer unter­neh­me­ri­schen Tätig­keit des Erwer­bers aus­zu­ge­hen 5.

Zwar wird auch bei der Über­tra­gung zah­lungs­ge­stör­ter For­de­run­gen unter Über­nah­me des Aus­fall­ri­si­kos grund­sätz­lich ein Kauf­preis ver­ein­bart. Die­ser weicht aber vom eigent­li­chen Nenn­wert der For­de­rung ab. Im Gegen­satz zu der Über­tra­gung wert­hal­ti­ger For­de­run­gen und dem Aus­schluss der Über­nah­me des Aus­fall­ri­si­kos durch den Erwer­ber, besteht jedoch der wirt­schaft­li­che Gehalt bei der Über­tra­gung not­lei­den­der und damit zah­lungs­ge­stör­ter For­de­run­gen gera­de in der Über­nah­me des wirt­schaft­li­chen Risi­kos durch den Erwer­ber und nicht in der Ein­zie­hung der For­de­run­gen.

  1. BMF-Schrei­ben vom 02.12.2015, III C 2 – S 7100/​08/​10010[]
  2. EuGH, Urteil vom 27. Okto­ber 2011 – C‑93/​10[]
  3. BFH, Urteil vom 26.01.2012 – V R 18/​08[]
  4. BFH, Urteil vom 04.07.2013 – V R (/​10[]
  5. BMF-Schrei­ben vom 03.06.2004; BSt­Bl I S. 737[]