Die Din­ner-Show als ein­heit­li­che künst­le­ri­sche und Restau­ra­ti­ons­leis­tung

Bei Aus­gangs­leis­tun­gen, die ein Bün­del von Ein­zel­leis­tun­gen und Hand­lun­gen umfas­sen, im Rah­men einer Gesamt­be­trach­tung zu bestim­men, ob meh­re­re getrenn­te Umsät­ze vor­lie­gen oder ein ein­heit­li­cher Umsatz gege­ben ist.

Die Din­ner-Show als ein­heit­li­che künst­le­ri­sche und Restau­ra­ti­ons­leis­tung

Ein ein­heit­li­cher Umsatz liegt nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH), der sich der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ange­schlos­sen hat1, vor, wenn ent­we­der meh­re­re Ein­zel­leis­tun­gen im Ver­hält­nis von Haupt- und Neben­leis­tung zuein­an­der ste­hen2 oder es sich um sog. „kom­ple­xe Leis­tun­gen” han­delt. Letz­te­re lie­gen vor, wenn meh­re­re Hand­lun­gen oder Ein­zel­leis­tun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für den Kun­den so eng mit­ein­an­der ver­bun­den sind, dass sie objek­tiv einen ein­zi­gen untrenn­ba­ren wirt­schaft­li­chen Vor­gang bil­den, des­sen Auf­spal­tung wirk­lich­keits­fremd wäre3.

Aus­ge­hend von die­sen Grund­sät­zen hat der Bun­des­fi­nanz­hof kei­ne Zwei­fel dar­an, dass mit der „Din­ner-Show” ein­heit­li­che Umsät­ze erbringt.

Die im Rah­men der „Din­ner-Show” erbrach­ten Restau­ra­ti­ons­leis­tun­gen und künst­le­ri­schen Dar­bie­tun­gen stel­len sich als untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Leis­tun­gen dar. Durch die Ver­flech­tung bei­der Kom­po­nen­ten ist es dem Ver­brau­cher nicht mög­lich, nur die eine oder die ande­re Leis­tung in Anspruch neh­men zu kön­nen. Des­halb kommt es ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Antrag­stel­le­rin auch nicht dar­auf an, dass die Leis­tun­gen auch getrennt erbracht wer­den könn­ten4.

Die erbrach­ten Leis­tun­gen ste­hen nicht im Ver­hält­nis von Haupt- und Neben­leis­tun­gen mit der Fol­ge zuein­an­der, dass die Neben­leis­tun­gen das steu­er­li­che Schick­sal der Haupt­leis­tun­gen tei­len. Wie bereits schon das Finanz­ge­richt geht auch der Bun­des­fi­nanz­hof davon aus, dass die jewei­li­ge Leis­tung kein blo­ßes Mit­tel ist, um die jeweils ande­re Leis­tung unter opti­ma­len Bedin­gun­gen in Anspruch neh­men zu kön­nen. Restau­ra­ti­ons­leis­tun­gen und künst­le­ri­sche Dar­bie­tun­gen die­nen im Streit­fall gleich­ge­wich­ti­gen Zwe­cken5. Soweit die Unter­neh­me­rin die künst­le­ri­schen Dar­bie­tun­gen als maß­geb­li­che Haupt­leis­tung, die Restau­ra­ti­ons­leis­tung hin­ge­gen als Neben­leis­tung betrach­tet, kann der Bun­des­fi­nanz­hof dem nicht fol­gen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die ein­heit­li­chen Umsät­ze dem Regel­steu­er­satz unter­lie­gen.

Die kom­ple­xe Leis­tung der „Din­ner-Show” unter­liegt nicht dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a oder Buchst. d des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG).

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den hat, umfasst die von der Antrag­stel­le­rin dar­ge­bo­te­ne künst­le­ri­sche Ver­an­stal­tung zwar Ele­men­te, die für sich betrach­tet Thea­ter­vor­füh­run­gen i.S. des § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. a UStG sein könn­ten. Vor­aus­set­zung für die Steu­er­ermä­ßi­gung ist aber, dass die Thea­ter­vor­füh­rung Haupt­be­stand­teil der ein­heit­li­chen Gesamt­leis­tung ist, sie also den eigent­li­chen Zweck der Ver­an­stal­tung aus­macht. Hier­an fehlt es, wenn sich das Leis­tungs­bün­del aus Unter­hal­tung und kuli­na­ri­scher Ver­sor­gung der Gäs­te ‑wie im Streit­fall- in der Gesamt­schau als ein­heit­li­cher (kom­ple­xer) Umsatz dar­stellt6.

Aus dem­sel­ben Grund kommt auch die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. d UStG nicht in Betracht.

Danach ermä­ßigt sich die Steu­er u.a. für die Leis­tun­gen aus der Tätig­keit als Schau­stel­ler. Nach § 30 der Umsatz­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung gel­ten als Leis­tun­gen aus der Tätig­keit als Schau­stel­ler Schau­stel­lun­gen, Musik­auf­füh­run­gen, unter­hal­ten­de Vor­stel­lun­gen oder sons­ti­ge Lust­bar­kei­ten auf Jahr­märk­ten, Volks­fes­ten, Schüt­zen­fes­ten oder ähn­li­chen Ver­an­stal­tun­gen.

In die­sem Zusam­men­hang muss der Bun­des­fi­nanz­hof nicht ent­schei­den, ob es sich bei der Ver­an­stal­tung der Antrag­stel­le­rin um Leis­tun­gen aus der Tätig­keit als Schau­stel­ler han­delt. Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung gilt die Steu­er­satz­er­mä­ßi­gung nicht für den Ver­kauf von Waren aller Art, ins­be­son­de­re für die Abga­be von Geträn­ken und Spei­sen7. Stellt sich die Abga­be von Spei­sen ‑wie im Streit­fall- als gleich­ge­wich­ti­gen Zwe­cken die­nen­de Leis­tung im Rah­men einer ein­heit­li­chen (kom­ple­xen) Leis­tung dar, kommt eine Steu­er­ermä­ßi­gung wegen einer Tätig­keit als Schau­stel­ler nicht mehr in Betracht, weil die­se sich nicht als Haupt­be­stand­teil der ein­heit­li­chen Gesamt­leis­tung her­vor­hebt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 28. Okto­ber 2014 – V B 92/​14

  1. BFH, Urteil vom 10.01.2013 – V R 31/​10, BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, unter Rz 17, m.w.N. auch zur Recht­spre­chung des EuGH
  2. EuGH, Urteil vom 10.03.2011 – C‑497/​09, Bog u.a., Slg. 2011, I‑01457, Rdnr. 54, m.w.N.
  3. BFH, Urteil vom 10.01.2013 – V R 31/​10, BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, unter Rz 21 ff., mit Nach­wei­sen zur Recht­spre­chung des EuGH
  4. zur wei­te­ren Begrün­dung, vgl. BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, unter Rz 36 f.
  5. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, unter Rz 20 und 31 f.
  6. BFH, Urteil in BFHE 240, 380, BSt­Bl II 2013, 352, unter Rz 39 ff.
  7. z.B. Heid­ner in Bun­jes, UStG, 13. Aufl., § 12 Rz 139; Klenk in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er, § 12 Rz 328; Waza in Offerhaus/​Söhn/​Lange, § 12 Abs. 2 Nr. 7d UStG Rz 30 und Rz 17; Huschens in Schwarz/​Widmann/​Radeisen, § 12 Abs. 2 Nr. 7d UStG Rz 43