Die Fluss­ge­nos­sen­schaft und die Umsatz­steu­er

Der Bun­des­fi­nanz­hof muss­te erneut Stel­lung neh­men zur Fra­ge der Umsatz­steu­er bei Toch­ter­ge­sell­schaf­ten öffent­lich-recht­li­cher Kör­per­schaf­ten. Dies gaben jedoch kei­ne Stadt­wer­ke Anlass für die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs, son­dern eine Fluss­ge­nos­sen­schaft.

Die Fluss­ge­nos­sen­schaft und die Umsatz­steu­er

Die Fluss­ge­nos­sen­schaft ist eine Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, die zur Rege­lung der Vor­flut und zur Abwas­ser­rei­ni­gung im Gebiet des Flus­ses sowie zur Unter­hal­tung und zum Betrieb der aus­ge­führ­ten Anla­gen errich­tet wur­de1.

Die 1983 gegrün­de­te Klä­ge­rin, eine GmbH, betrieb als Päch­te­rin eine Trock­nungs­an­la­ge zur Her­stel­lung von Brenn­stof­fen aus koh­le­hal­ti­gen Klär­schläm­men eines Flus­ses, erhielt die hier­für erfor­der­li­chen Schläm­me von ihrer Mehr­heits­ge­sell­schaf­te­rin, der Fluss­ge­nos­sen­schaft, und ver­trieb die so her­ge­stell­ten Brenn­stof­fe. An ihr waren im Streit­jahr die Fluss­ge­nos­sen­schaft mit 51 % und die R‑GmbH mit 49 % betei­ligt.

Bei richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung nach Art. 4 Abs. 5 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ist eine juris­ti­sche Per­son des öffent­li­chen Rechts Unter­neh­mer i.S. von § 2 Abs. 3 UStG i.V.m. § 4 KStG, wenn sie Leis­tun­gen gegen Ent­gelt auf pri­vat­recht­li­cher Grund­la­ge unter den glei­chen recht­li­chen Bedin­gun­gen wie ein pri­va­ter Wirt­schafts­teil­neh­mer erbringt.

Die orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­glie­de­rung i.S. von § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG kann sich dar­aus erge­ben, dass die Geschäfts­füh­rer der Organ­ge­sell­schaft lei­ten­de Mit­ar­bei­ter des Organ­trä­gers sind.

Für die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung i.S. von § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG muss eine Ver­flech­tung zwi­schen den Unter­neh­mens­be­rei­chen des Organ­trä­gers und der Organ­ge­sell­schaft bestehen. Stellt der Organ­trä­ger für eine von der Organ­ge­sell­schaft bezo­ge­ne Leis­tung unent­gelt­lich Mate­ri­al bei, reicht dies zur Begrün­dung der wirt­schaft­li­chen Ein­glie­de­rung nicht aus.

Die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung kann sich auch aus einer Ver­flech­tung zwi­schen den Unter­neh­mens­be­rei­chen ver­schie­de­ner Organ­ge­sell­schaf­ten erge­ben. Ist die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung zu beja­hen, sind Leis­tun­gen der Organ­ge­sell­schaft an den Organ­trä­ger auch dann als sog. Innen­leis­tung nicht­steu­er­bar, wenn der Organ­trä­ger die Leis­tun­gen für nicht­un­ter­neh­me­ri­sche Zwe­cke ver­wen­det.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. August 2009 – V R 30/​06

  1. § 1 Abs. 1 des Geset­zes betref­fend Bil­dung einer Genos­sen­schaft zur Rege­lung der Vor­flut und zur Abwäs­ser­rei­ni­gung im Fluss­ge­biet vom 14. Juli 1904, Geset­zes-Samm­lung für die König­li­chen Preu­ßi­schen Staa­ten 1904, 175 in der im Streit­jahr 1986 gel­ten­den Fas­sung des Geset­zes vom 26. Juni 1984, Gesetz- und Ver­ord­nungs­blatt für das Land Nord­rhein-West­fa­len 1984, 369 –Fluss­GG–
  2. BGH, Urteil vom 28.10.2015 – IV ZR 405/​14, VersR 2015, 1545
  3. BFH, Urteil vom 15.04.2010 – V R 10/​09