Die nicht auf­ge­ho­be­ne Betreu­er­be­stel­lung – und die Betreu­er­ver­gü­tung

Ist eine Betreu­ung abge­schlos­sen, hebt das Amts­ge­richt die Betreu­ung aber nicht (oder erst viel spä­ter) auf, so steht dem Betreu­er für die Zwi­schen­zeit die Betreu­er­ver­gü­tung zu.

Die nicht auf­ge­ho­be­ne Betreu­er­be­stel­lung – und die Betreu­er­ver­gü­tung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall bestell­te das Amts­ge­richt am 28. Juni 2011 einen Betreu­er für den Betrof­fe­nen mit dem Auf­ga­ben­kreis der Wahr­neh­mung sei­ner Rech­te in einem Zivil­rechts­streit ein­schließ­lich etwai­ger Fol­ge- und Rechts­mit­tel­ver­fah­ren längs­tens bis zum 27. Juni 2013. Der Rechts­streit wur­de durch einen am 20. Juli 2011 geschlos­se­nen Ver­gleich been­det. Am 21. Novem­ber 2011 zeig­te der Betreu­er dem Amts­ge­richt an, dass das Ver­fah­ren abge­schlos­sen und der Ver­gleich erfüllt sei. Zugleich reg­te er die Auf­he­bung sei­ner Betreu­ung an, da sei­ne Auf­ga­be erle­digt sei. Erst mit Beschluss vom 31. Janu­ar 2013 hob das Amts­ge­richt die Betreu­ung auf.

Für die Zeit vom 2. April bis 1. Okto­ber 2012 hat der Betreu­er die Fest­set­zung sei­ner vom Betrof­fe­nen zu erstat­ten­den pau­scha­len Betreu­er­ver­gü­tung gemäß §§ 4, 5 VBVG bean­tragt. Das Amts­ge­richt Büdin­gen hat die Ver­gü­tung des Betreu­ers antrags­ge­mäß fest­ge­setzt [1]. Auf die Beschwer­de des Betrof­fe­nen hat das Land­ge­richt Gie­ßen den Beschluss auf­ge­ho­ben und den Antrag auf Betreu­er­ver­gü­tung für den bean­trag­ten Zeit­raum zurück­ge­wie­sen [2]. Auf die zuge­las­se­ne Rechts­be­schwer­de des Betreu­ers hob der Bun­des­ge­richts­hof nun die Ent­schei­dung des Land­ge­richts auf und stell­te den Ver­gü­tungs­be­schluss des Amts­ge­richt wie­der her:

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, steht dem Betreu­er für die Dau­er der Betreu­ung gemäß §§ 1 Abs. 2, 4, 5 VBVG i.V.m. § 1908 i BGB ein Ver­gü­tungs­an­spruch in dem pau­schal fest­ge­leg­ten Umfang zu, ohne dass der Rechts­pfle­ger zu über­prü­fen hat, ob und in wel­chem Umfang der Betreu­er tätig gewor­den ist und ob die Auf­he­bung der Betreu­ung frü­her hät­te erfol­gen müs­sen [3].

Mit der Ein­füh­rung der Pau­scha­lie­rung der Betreu­er­ver­gü­tung durch das Zwei­te Betreu­ungs­rechts­än­de­rungs­ge­setz, deren Ziel es ist, Betreu­er und Rechts­pfle­ger von den zeit­auf­wän­di­gen Abrech­nun­gen zu ent­las­ten, ist ein vom tat­säch­li­chen Auf­wand im kon­kre­ten Fall unab­hän­gi­ges Ver­gü­tungs­sys­tem geschaf­fen wor­den. Die in § 5 VBVG anhand einer Misch­kal­ku­la­ti­on zwi­schen auf­wän­di­gen und weni­ger auf­wän­di­gen Fäl­len fest­ge­leg­ten Stun­den­an­sät­ze ste­hen von Beginn des Betreu­ungs­ver­fah­rens an fest [4]. Die Aus­übung einer kon­kre­ten Betreu­ungs­tä­tig­keit wird bei der pau­scha­len Ver­gü­tung typi­sie­rend unter­stellt; nicht erfor­der­lich ist, dass der Betreu­er in dem zu ver­gü­ten­den Zeit­raum auch tat­säch­lich für den Betreu­ten in dem vom Gesetz pau­scha­lie­rend unter­stell­ten Umfang tätig gewor­den ist [5].

Der Ver­gü­tungs­an­spruch besteht in dem durch § 5 VBVG pau­schal fest­ge­leg­ten Umfang für den gesam­ten Zeit­raum der Betreu­ung. Die­se endet gemäß § 1908 d BGB erst durch aus­drück­li­che gericht­li­che Ent­schei­dung. Die Rege­lung dient der Klar­heit der Rechts­ver­hält­nis­se. Denn es ist viel­fach zwei­fel­haft und erst durch gericht­li­che Ermitt­lun­gen zu klä­ren, ob die Vor­aus­set­zun­gen für eine Betreu­ung nicht mehr vor­lie­gen [6]. Des­halb ist es hin­zu­neh­men, dass zwi­schen dem Ende der Not­wen­dig­keit der Betreu­ung und der Auf­he­bung der Betreu­ung eine gewis­se noch mit dem pau­scha­len Stun­den­an­satz nach § 5 VBVG zu ver­gü­ten­de Zeit­span­ne liegt, die auf gerichts- oder behör­den­in­ter­ne Abläu­fe und auf die Prü­fung, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­he­bung der Betreu­ung tat­säch­lich vor­lie­gen, zurück­zu­füh­ren ist [7].

Dem Rechts­pfle­ger ist im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren ledig­lich die Prü­fung über­tra­gen, ob und wann die gemäß § 1908 d Abs. 1 BGB i.V.m. § 23 c Abs. 2 GVG, § 19 Abs. 1 Satz 1 Ziff. 1 RPflG dem Rich­ter vor­be­hal­te­ne Auf­he­bung der Betreu­ung erfolgt ist, nicht aber, ob die Auf­he­bung frü­her hät­te erfol­gen kön­nen.

Auch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 6 VBVG, der für die dort genann­ten Son­der­fäl­le eine Berech­nung der Ver­gü­tung nach tat­säch­lich auf­ge­wand­tem und erfor­der­li­chem Zeit­auf­wand zulässt, kommt nicht zur Anwen­dung. Denn § 6 VBVG ist als eng begrenz­te Aus­nah­me­vor­schrift einer ana­lo­gen Anwen­dung nicht zugäng­lich [8].

Eben­so muss­te der Rechts­pfle­ger im Ver­gü­tungs­fest­set­zungs­ver­fah­ren auch kei­ne Ermitt­lun­gen zur Fest­stel­lung eines etwai­gen treu­wid­ri­gen Ver­hal­tens des Betreu­ers durch­füh­ren [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. August 2013 – XII ZB 233/​13

  1. AG Büdin­gen, Beschluss vom 20.02.2013 – 31 XVII 56/​12[]
  2. LG Gie­ßen, Beschluss vom 08.04.2013 – 7 T 96/​13[]
  3. BGH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10, FamRZ 2012, 1051 Rn. 22[]
  4. BT-Drucks. 15/​2494 S. 33[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10, FamRZ 2012, 1051 Rn. 23; und vom 28.05.2008 – XII ZB 53/​08, FamRZ 2008, 1611 Rn. 30[]
  6. BT-Drucks. 11/​4528, S. 155[]
  7. BGH, Beschlüs­se vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10, FamRZ 2012, 1051 Rn. 24; und vom 14.12.2011 – XII ZB 489/​10, FamRZ 2012, 295 Rn. 11 ff.[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10, FamRZ 2012, 1051 Rn. 14[]
  9. BGH, Beschluss vom 11.04.2012 – XII ZB 459/​10, FamRZ 2012, 1051 Rn. 26[]