Die natür­li­che Per­son als Organ­trä­ger

Organ­trä­ger kann jede Per­son sein, wenn und soweit sie unter­neh­me­risch tätig ist.

Die natür­li­che Per­son als Organ­trä­ger

Die Unter­neh­mer­ei­gen­schaft des Organ­trä­gers gehört zu den Vor­aus­set­zun­gen, nicht aber zu den Rechts­fol­gen der Organ­schaft 1.

Nach dem inso­weit offe­nen Wort­laut des § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG ("Unter­neh­men des Organ­trä­gers") muss die Betei­li­gung an der Unter­ge­sell­schaft nicht im unter­neh­me­ri­schen Bereich gehal­ten wer­den 2. Ein­schrän­kun­gen erge­ben sich erst aus den Ein­glie­de­rungs­vor­aus­set­zun­gen.

Eine natür­li­che Per­son kann grund­sätz­lich Organ­trä­ger für meh­re­re Organ­ge­sell­schaf­ten sein 3.

Für die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung genügt es, dass zwi­schen der Organ­ge­sell­schaft und dem Unter­neh­men des Organ­trä­gers ein ver­nünf­ti­ger wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang im Sin­ne einer wirt­schaft­li­chen Ein­heit, Koope­ra­ti­on oder Ver­flech­tung vor­han­den ist. Die Tätig­kei­ten von Organ­trä­ger und Organ­ge­sell­schaft müs­sen ledig­lich auf­ein­an­der abge­stimmt sein und sich dabei för­dern und ergän­zen. Hier­für reicht das Bestehen von mehr als nur uner­heb­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen Organ­trä­ger und Organ­ge­sell­schaft aus; ins­be­son­de­re braucht die Organ­ge­sell­schaft nicht wirt­schaft­lich vom Organ­trä­ger abhän­gig zu sein 4.

Die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung setzt das Erbrin­gen ent­gelt­li­cher Leis­tun­gen vor­aus, die für das Unter­neh­men der Organ­ge­sell­schaft zu mehr als nur einer unbe­deu­ten­den Ent­las­tung füh­ren 5.

Der wirt­schaft­li­che Zusam­men­hang muss aber gera­de zwi­schen den unter­neh­me­ri­schen Tätig­kei­ten des Organ­trä­gers und der Organ­ge­sell­schaft vor­lie­gen 6.

Die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung muss zwar nicht auf­grund unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen zum Organ­trä­ger bestehen, son­dern kann auch auf der Ver­flech­tung zwi­schen zwei Organ­ge­sell­schaf­ten beru­hen 7. Dies ist aber nur mög­lich, wenn die leis­ten­de Unter­ge­sell­schaft auf­grund unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen mit dem Organ­trä­ger organ­schaft­lich ver­bun­den ist 8. Denn die Ein­glie­de­rungs­vor­aus­set­zun­gen und damit auch die wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung müs­sen gleich­wohl im Ver­hält­nis zwi­schen Organ­trä­ger und Unter­ge­sell­schaft fest­ge­stellt wer­den. Die Leis­tun­gen der einen Unter­ge­sell­schaft wer­den in die­sem Fall nach organ­schaft­li­chen Grund­sät­zen dem Organ­trä­ger zuge­rech­net 9 und damit zu Leis­tun­gen des Organ­trä­gers an die ande­re Unter­ge­sell­schaft. An der Zurech­nung zum Organ­trä­ger fehlt es, wenn ent­gelt­li­che Leis­tun­gen ledig­lich zwi­schen zwei Unter­ge­sell­schaf­ten aus­ge­tauscht wer­den, von denen kei­ne auf­grund unmit­tel­ba­rer Bezie­hun­gen mit dem Organ­trä­ger organ­schaft­lich ver­bun­den ist.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 14. April 2016 – 1 K 3466/​14

  1. BFH, Urtei­le vom 09.10.2002 – V R 64/​99, BFHE 200, 119, BSt­Bl II 2003, 375; vom 02.12 2015 – V R 67/​14, BFHE 251, 547, UR 2016, 199, jeweils zu juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts als Organ­trä­ger[]
  2. vgl. Buttgereit/​Schulte, UR 2011, 605, 606, unter II. 3.[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 17.04.1969 – V R 123/​68, BFHE 95, 558, BSt­Bl II 1969, 505[]
  4. BFH, Urteil vom 22.10.2009 – V R 14/​08, BFHE 227, 513, BSt­Bl II 2011, 988[]
  5. BFH, Urtei­le vom 18.06.2009 – V R 4/​08, BFHE 226, 382, BSt­Bl II 2010, 310, Rz 35; vom 07.07.2011 – V R 53/​10, BFHE 234, 548, BSt­Bl II 2013, 218; vom 06.05.2010 – V R 26/​09, BFHE 230, 256, BSt­Bl II 2010, 1114; vor­aus­ge­setzt im BFH, Urteil vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 30 ff., 43 ff.; Trei­ber in Sölch/​Ringleb, UStG, § 2 Rz 194, Stand: März 2016; Reiß in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG, § 2 Rz 117; Bunjes/​Korn, UStG, 13. Aufl., 2014, § 2 Rz 124; kri­tisch Buttgereit/​Schulte, UR 2011, 605, 608, unter II. 4.b[]
  6. Trei­ber in Sölch/​Ringleb, UStG, § 2 Rz 197, Stand: März 2016; ähn­lich Abschn.02.8 Abs. 6 Satz 2 UStAE, wonach die Betei­li­gung an der Gesell­schaft dem unter­neh­me­ri­schen Bereich des Gesell­schaf­ters zuge­ord­net sein muss[]
  7. BFH, Urteil vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 49; Bir­ken­feld in Birkenfeld/​Wäger, Umsatz­steu­er-Hand­buch, § 44 Rz 383[]
  8. vor­aus­ge­setzt in BFH, Urteil vom 20.08.2009 – V R 30/​06, BFHE 226, 465, BSt­Bl II 2010, 863, Rz 51: "wirt­schaft­li­che Ein­glie­de­rung über die A‑GmbH"[]
  9. vgl. BFH, Urteil vom 19.01.2016 – XI R 38/​12, DStR 2016, 587, Rz 59[]