Ein­tä­gi­ge Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat jetzt ent­schie­den, dass Umsät­ze aus der Durch­füh­rung von ein­tä­gi­gen Fort­bil­dungs­se­mi­na­ren der Bun­des­steu­er­be­ra­ter­kam­mer für Steu­er­be­ra­ter durch einen selb­stän­di­gen Refe­ren­ten nicht nach § 4 Nr. 21 Buchst. b Umsatz­steu­er­ge­setz (UStG) 1993 steu­er­be­freit sind und sich der Klä­ger nicht auf ihm güns­ti­ge­res EU-Gemein­schafts­recht beru­fen kann.

Ein­tä­gi­ge Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen

Im Streit­fall führ­te der Klä­ger auf­grund von Ver­trä­gen mit der Bun­des­steu­er­be­ra­ter­kam­mer ein­tä­gi­ge, auf den Teil­neh­mer­kreis der Steu­er­be­ra­ter beschränk­te "Semi­na­re" an ver­schie­de­nen von der Bun­desteu­er­be­ra­ter­kam­mer und den regio­na­len Steu­er­be­ra­ter­kam­mern fest­ge­leg­ten Orten gegen Ent­gelt durch.

Nach § 4 Nr. 21 Buchst. b UStG 1993 in der in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung waren die Trä­ger pri­va­ter Schu­len und ande­rer all­ge­mein­bil­den­der oder berufs­bil­den­der Ein­rich­tun­gen befreit, nicht aber wie nach EG-Recht (Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. i der Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17. Mai 1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG – Richt­li­nie 77/​388/​EWG -) der von Pri­vat­leh­rern erteil­te Schul- und Hoch­schul­un­ter­richt. Für die Steu­er­be­frei­ung nach dem UStG fehl­te es dar­an, dass zwar der Steu­er­be­ra­ter­kam­mer, nicht aber dem Klä­ger selbst die nach die­ser Vor­schrift erfor­der­li­che Beschei­ni­gung der zustän­di­gen Lan­des­be­hör­de erteilt wor­den war. Die­se ist mate­ri­ell-recht­li­che Vor­aus­set­zung für die Steu­er­be­frei­ung und ist für den­je­ni­gen bei­zu­brin­gen, der sich für sei­ne Dozen­ten­tä­tig­keit auf die Steu­er­be­frei­ung beruft. Der BFH beton­te, die Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung, wonach eine Aus­nah­me von dem erfor­der­li­chen Beschei­ni­gungs­ver­fah­ren gel­ten soll für exter­ne Dozen­ten, die bei einer staat­li­chen Aus- oder Fort­bil­dungs­ein­rich­tung unter­rich­ten, fin­de im UStG kei­ne Stüt­ze.

Man­gels Aner­ken­nung als "ande­re Ein­rich­tung mit von dem betref­fen­den Mit­glied­staat aner­kann­ter ver­gleich­ba­rer Ziel­set­zung" konn­te sich der Klä­ger auch nicht auf Art. 13 Teil A Buchst. i der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen.

Auch die Vor­aus­set­zun­gen für eine Beru­fung auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. j der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ver­nein­te der BFH unter Berück­sich­ti­gung der hier­zu ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (Urteil vom 14. Juni 2007 Rs. C- 445/​05, Hade­rer), weil die­se Vor­schrift nur den von Pri­vat­leh­rern erteil­ten Schul- und Hoch­schul­un­ter­richt, nicht dage­gen die Durch­füh­rung von Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen befreit.

  1. Die Durch­füh­rung von ein­tä­gi­gen Fort­bil­dungs­se­mi­na­ren der Bun­des­steu­er­be­ra­ter­kam­mer für Steu­er­be­ra­ter durch einen selb­stän­di­gen Refe­ren­ten gegen Ent­gelt ist umsatz­steu­er­pflich­tig.
  2. § 4 Nr. 21 Buchst. b UStG 1993 begüns­tigt nur die Trä­ger pri­va­ter Schu­len und ande­rer all­ge­mein­bil­den­der oder berufs­bil­den­der Ein­rich­tun­gen, nicht aber selb­stän­di­ge Refe­ren­ten, die an die­sen Schu­len oder ähn­li­chen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen Unter­richt ertei­len (Anschluss an BFH-Urteil vom 27. August 1998 V R 73/​97, BFHE 187, 60, BSt­Bl II 1999, 376).
  3. Die Beschei­ni­gung der zustän­di­gen Lan­des­be­hör­de nach § 4 Nr. 21 Buchst. b UStG 1993 ist mate­ri­ell-recht­li­che Vor­aus­set­zung für die Steu­er­be­frei­ung der in die­ser Vor­schrift bezeich­ne­ten Umsät­ze. Sie ist für den­je­ni­gen bei­zu­brin­gen, der sich auf die Steu­er­be­frei­ung beruft.
  4. Ein Steu­er­pflich­ti­ger kann sich nicht auf Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. i der Richt­li­nie 77/​388/​EWG beru­fen, wenn er nicht als "ande­re Ein­rich­tung mit von dem betref­fen­den Mit­glied­staat aner­kann­ter ver­gleich­ba­rer Ziel­set­zung" aner­kannt ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17.04.08 – V R 58/​05