Erin­ne­rung an die Abga­be einer Steu­er­erklä­rung

Ver­wal­tungs­akt ist jede Ver­fü­gung, Ent­schei­dung oder ande­re hoheit­li­che Maß­nah­me, die eine Behör­de zur Rege­lung eines Ein­zel­falls auf dem Gebiet des öffent­li­chen Rechts trifft und die auf unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kung nach außen gerich­tet ist (§ 118 Satz 1 AO).

Erin­ne­rung an die Abga­be einer Steu­er­erklä­rung

Die blo­ße Erin­ne­rung an die Abga­be einer Steu­er­erklä­rung ist kein Ver­wal­tungs­akt, wenn sich der Inhalt des Schrei­bens dar­in erschöpft, an eine bereits bestehen­de Erklä­rungs­pflicht zu erin­nern 1.

Dage­gen ist die Erin­ne­rung ein Ver­wal­tungs­akt, wenn sie nach ihrem objek­ti­ven Erklä­rungs­in­halt als Maß­nah­me der Behör­de zur Schaf­fung einer Rechts­grund­la­ge für die Ein­lei­tung des Zwangs­mit­tel­ver­fah­rens gemäß § 328 AO zu ver­ste­hen ist 2. Die Abga­be von (voll­stän­di­gen) Steu­er­erklä­run­gen darf zwar mit­tels Zwangs­geld durch­ge­setzt wer­den 3. Die abs­trak­te Pflicht zur Abga­be von Steu­er­erklä­run­gen oder zur Bei­fü­gung bestimm­ter Unter­la­gen ist aber nicht bereits als sol­che mit Zwangs­mit­teln durch­setz­bar; sie bedarf einer Kon­kre­ti­sie­rung und Indi­vi­dua­li­sie­rung durch einen Ver­wal­tungs­akt, der erst die Grund­la­ge für den Ein­satz von Zwangs­mit­teln dar­stel­len kann 4.

Eben­falls ein Ver­wal­tungs­akt ist eine in die Form einer Erin­ne­rung geklei­de­te Auf­for­de­rung zur Abga­be einer Steu­er­erklä­rung, nach­dem der Steu­er­pflich­ti­ge mit­ge­teilt hat­te, dass er nach sei­ner Mei­nung die Erklä­rung nicht abge­ben müs­se, weil er nicht erklä­rungs­pflich­tig sei 5. Glei­ches gilt, soweit er sich auf ein Aus­kunfts­ver­wei­ge­rungs­recht beruft und die Finanz­be­hör­de auf der Aus­kunft besteht 6.

Die­se Recht­spre­chung ist auf die Erin­ne­rung zur Abga­be einer Zusam­men­fas­sen­den Mel­dung zu über­tra­gen.

Die Zusam­men­fas­sen­de Mel­dung ist zwar kei­ne Steu­er­erklä­rung 7; jedoch waren im Mel­de­zeit­raum nach § 18a Abs. 8 (seit 1.07.2010: Abs. 11) UStG a.F. auf die Zusam­men­fas­sen­de Mel­dung ergän­zend die für Steu­er­erklä­run­gen gel­ten­den Vor­schrif­ten der AO anzu­wen­den.

Aus­ge­hend davon ist das Finanz­ge­richt zu Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Erin­ne­rung des BZSt vom 17.10.2011 ein Ver­wal­tungs­akt ist. Das Schrei­ben ent­hält neben der Erin­ne­rung die in die Form einer Bit­te geklei­de­te Auf­for­de­rung, die Zusam­men­fas­sen­de Mel­dung unver­züg­lich zu über­mit­teln. Zudem zeigt die Bei­fü­gung einer Rechts­be­helfs­be­leh­rung, dass das BZSt einen Ver­wal­tungs­akt erlas­sen woll­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2017 – XI R 15/​15

  1. vgl. BFH, Urteil vom 02.07.1997 – I R 45/​96, BFH/​NV 1998, 14, unter II. 1., Rz 8, m.w.N., bei frü­he­rer Auf­for­de­rung; s.a. Söhn in Hübschmann/​Hepp/​Spitaler ‑HHSp‑, § 118 AO Rz 543 "Steu­er­erklä­rung"[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 11.10.1989 – I R 101/​87, BFHE 159, 98, BSt­Bl II 1990, 280, unter II. 1., Rz 11[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 22.12 1993 – I B 59/​93, BFH/​NV 1994, 447, Leit­satz Rz 10[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 16.11.2011 – X R 18/​09, BFHE 235, 452, BSt­Bl II 2012, 129, Rz 18[]
  5. Seer in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, § 149 AO Rz 13; Heu­er­mann in HHSp, § 149 AO Rz 17; in die­se Rich­tung deu­tend auch BFH, Urteil in BFHE 159, 98, BSt­Bl II 1990, 280, unter I., II. 1., Rz 3 und 11[]
  6. eben­so Schus­ter in HHSp, § 102 AO Rz 68; Seer in Tipke/​Kruse, a.a.O., § 102 AO Rz 30 i.V.m. § 101 AO Rz 15; Schind­ler in Beermann/​Gosch, AO § 102 Rz 29; Nie­werth in Lippross/​Seibel, Basis­kom­men­tar Steu­er­recht, § 102 Rz 12[]
  7. vgl. Hil­des­heim in Offerhaus/​Söhn/​Lange, § 18a UStG Rz 8a; Kem­per, Umsatz­steu­er-Rund­schau ‑UR- 2015, 373, 375; Kraeu­sel in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG § 18a Rz 313[]