Förm­li­chen Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen – und die Fra­ge ihrer Umsatz­steu­er­pflicht

Der Bun­des­fi­nanz­hof zwei­felt an der Umsatz­steu­er­pflicht der förm­li­chen Zustel­lung von Post­sen­dun­gen und hat hier­zu zwei Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gerich­tet.

Förm­li­chen Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen – und die Fra­ge ihrer Umsatz­steu­er­pflicht

§ 4 Nr. 11b UStG ord­net in sei­ner heu­te gel­ten­den Fas­sung unter Bezug­nah­me auf das uni­ons­recht­lich har­mo­ni­sier­te Post­recht eine Umsatz­steu­er­frei­heit sog. Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen an.

Mit der Vor­la­ge im ers­ten Fall 1 soll geklärt wer­den, ob es sich bei der förm­li­chen Zustel­lung von Schrift­stü­cken nach den Vor­schrif­ten der Pro­zess­ord­nun­gen und der Geset­ze über die Ver­wal­tungs­zu­stel­lung nach § 33 Abs. 1 des Post­ge­set­zes um eine Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tung han­delt und ob die­se Leis­tung nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. b der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem als uni­ons­recht­li­cher Grund­la­ge von § 4 Nr. 11b UStG steu­er­frei ist. Die Vor­la­ge im zwei­ten Fall 2 bezieht sich auf eine frü­he­re Geset­zes­fas­sung von § 4 Nr. 11b UStG. Die Finanz­ver­wal­tung sieht der­ar­ti­ge Leis­tun­gen all­ge­mein als umsatz­steu­er­pflich­tig an.

Die Umsatz­steu­er­frei­heit bezieht sich nach bis­he­ri­ger Recht­spre­chung auf pos­ta­li­sche Dienst­leis­tun­gen, die den grund­le­gen­den Bedürf­nis­sen der Bevöl­ke­rung ent­spre­chen und die damit den gesam­ten Uni­ver­sal­post­dienst in einem Mit­glied­staat oder einem Teil davon gewähr­leis­ten. Für eine Steu­er­frei­heit auf die­ser Grund­la­ge spricht aus Sicht des Bun­des­fi­nanz­hofs, dass förm­li­che Zustel­lun­gen wie im behörd­li­chen Post­ver­kehr der nach­prüf­ba­ren Zustel­lung von amt­li­chen Schrei­ben die­nen. Sie ermög­li­chen die nach­prüf­ba­re Zustel­lung von Kla­ge- und Antrags­schrif­ten oder die Zustel­lung von gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen, wodurch Rechts­mit­tel­fris­ten in Lauf gesetzt wer­den. Förm­li­che Zustel­lun­gen sind unab­ding­bar für ein geord­ne­tes Ver­wal­tungs- oder Gerichts­ver­fah­ren und tra­gen damit zu einer ver­läss­li­chen und ord­nungs­ge­mä­ßen Rechts­pfle­ge bei.

Gleich­wohl hat der Bun­des­fi­nanz­hof Zwei­fel an der zutref­fen­den Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, so dass eine Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ein­zu­ho­len war.

Dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on wer­den fol­gen­de Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

  1. 1. Ist die förm­li­che Zustel­lung von Schrift­stü­cken nach öffent­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten (Vor­schrif­ten der Pro­zess­ord­nun­gen und der Geset­ze, die die Ver­wal­tungs­zu­stel­lung regeln -§ 33 Absatz 1 des Post­ge­set­zes-) eine Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tung nach Arti­kel 3 Absatz 4 der Richt­li­nie 97/​67/​EG vom 15.12 1997 (Post-Richt­li­nie)?
  2. Soll­te die Fra­ge 1. zu beja­hen sein:

    Ist ein Unter­neh­mer, der die förm­li­che Zustel­lung von Schrift­stü­cken nach öffent­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten durch­führt, ein "Anbie­ter von Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen" im Sin­ne des Arti­kels 2 Num­mer 13 der Richt­li­nie 97/​67/​EG vom 15.12 1997, der die Leis­tun­gen des pos­ta­li­schen Uni­ver­sal­diens­tes ganz oder teil­wei­se erbringt, und sind die­se Leis­tun­gen nach Arti­kel 132 Absatz 1 Buch­sta­be a der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem steu­er­frei?

Recht­li­cher Rah­men – Uni­ons­recht[↑]

Gemäß Arti­kel 132 Absatz 1 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) befrei­en die Mit­glied­staa­ten fol­gen­de Umsät­ze von der Steu­er:

"a) von öffent­li­chen Post­ein­rich­tun­gen erbrach­te Dienst­leis­tun­gen und dazu­ge­hö­ren­de Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den mit Aus­nah­me von Per­so­nen­be­för­de­rungs- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen;"

Nach Arti­kel 2 der Richt­li­nie 97/​67/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 15.12 1997 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Ent­wick­lung des Bin­nen­mark­tes der Post­diens­te der Gemein­schaft und die Ver­bes­se­rung der Diens­te­qua­li­tät 3, zuletzt geän­dert durch die Richt­li­nie 2008/​6/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 20.02.2008 zur Ände­rung der Richt­li­nie 97/​67/​EG im Hin­blick auf die Voll­endung des Bin­nen­mark­tes der Post­diens­te der Gemein­schaft 4 bezeich­net der Aus­druck

"

Nr. [Num­mer] 5 'Zustel­lung' die Bear­bei­tungs­schrit­te vom Sor­tie­ren in den Zustell­zen­tren bis zur Aus­hän­di­gung der Sen­dun­gen an die Emp­fän­ger;

Nr. [Num­mer] 6 'Post­sen­dung' eine adres­sier­te Sen­dung in der end­gül­ti­gen Form, in der sie von einem Post­diens­te­an­bie­ter über­nom­men wird. Es han­delt sich dabei neben Brief­sen­dun­gen z.B. [zum Bei­spiel] um Bücher, Kata­lo­ge, Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten sowie um Post­pa­ke­te, die Waren mit oder ohne Han­dels­wert ent­hal­ten.

Nr. [Num­mer] 9 'Ein­schreib­sen­dung' eine Post­sen­dung, die durch den Dienst­an­bie­ter pau­schal gegen Ver­lust, Ent­wen­dung oder Beschä­di­gung ver­si­chert wird und bei der dem Absen­der, gege­be­nen­falls auf sein Ver­lan­gen, eine Bestä­ti­gung über die Ent­ge­gen­nah­me der Sen­dung und/​oder ihre Aus­hän­di­gung an den Emp­fän­ger erteilt wird.

Nr. [Num­mer] 13 'Uni­ver­sal­diens­te­an­bie­ter' einen öffent­li­chen oder pri­va­ten Post­dienst­an­bie­ter, der in einem Mit­glied­staat die Leis­tun­gen des Uni­ver­sal­post­diens­tes ganz oder teil­wei­se erbringt und des­sen Iden­ti­tät der Kom­mis­si­on gemäß Arti­kel 4 mit­ge­teilt wur­de."

Arti­kel 3 der Post-Richt­li­nie sieht vor:

"(1) Die Mit­glied­staa­ten stel­len sicher, dass den Nut­zern ein Uni­ver­sal­dienst zur Ver­fü­gung steht, der stän­dig flä­chen­de­ckend pos­ta­li­sche Dienst­leis­tun­gen einer bestimm­ten Qua­li­tät zu trag­ba­ren Prei­sen für alle Nut­zer bie­tet.

(4) Jeder Mit­glied­staat erlässt die erfor­der­li­chen Maß­nah­men, damit der Uni­ver­sal­dienst min­des­tens fol­gen­des Ange­bot umfasst:

  • Abho­lung, Sor­tie­ren, Trans­port und Zustel­lung von Post­sen­dun­gen bis 2 kg;
  • Abho­lung, Sor­tie­ren, Trans­port und Zustel­lung von Post­pa­ke­ten bis 10 kg;
  • die Diens­te für Ein­schreib- und Wert­sen­dun­gen.
  • (7) Der in die­sem Arti­kel defi­nier­te Uni­ver­sal­dienst umfasst sowohl Inlands­leis­tun­gen als auch grenz­über­schrei­ten­de Leis­tun­gen."

Nach Arti­kel 8 der Post-Richt­li­nie bleibt das Recht der Mit­glied­staa­ten unbe­rührt,

"… Rege­lun­gen zu tref­fen für die Auf­stel­lung von Post­brief­käs­ten auf öffent­li­chen Wegen, für die Aus­ga­be von Post­wert­zei­chen und für den Dienst, der im Ein­klang mit ihren inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten die Zustel­lung von Ein­schreib­sen­dun­gen im Rah­men von Gerichts– oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren aus­führt".

In den Erwä­gungs­grün­den der Post-Richt­li­nie in der Fas­sung vom 15.12 1997 5 heißt es:

"

(13) Der Uni­ver­sal­dienst muss sowohl Inlands­diens­te als auch grenz­über­schrei­ten­de Diens­te umfas­sen.

(20) Die Mit­glied­staa­ten kön­nen aus Grün­den der öffent­li­chen Ord­nung und Sicher­heit ein legi­ti­mes Inter­es­se dar­an haben, die Auf­stel­lung von Post­brief­käs­ten auf öffent­li­chen Wegen einer oder meh­re­ren von ihnen benann­ten Ein­rich­tun­gen zu über­tra­gen. Aus den glei­chen Grün­den sind sie berech­tigt, die Ein­rich­tung oder Ein­rich­tun­gen zu benen­nen, die Post­wert­zei­chen, aus denen das Aus­ga­be­land her­vor­geht, her­aus­ge­ben dür­fen, sowie die Ein­rich­tun­gen, die für den Dienst zustän­dig sind, der im Ein­klang mit ihren inner­staat­li­chen Rechts­vor­schrif­ten die Zustel­lung von Ein­schreib­sen­dun­gen im Rah­men von Gerichts– oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren aus­führt …"

Recht­li­cher Rah­men – Natio­na­les Recht[↑]

Nach § 4 UStG sind von den unter § 1 Absatz 1 Num­mer 1 UStG fal­len­den Umsät­zen steu­er­frei:

"Nr. [Num­mer] 11b. Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen nach Art. [Arti­kel] 3 Abs. [Absatz] 4 der Richt­li­nie 97/​67/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 15.12 1997 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Ent­wick­lung des Bin­nen­mark­tes der Post­diens­te der Gemein­schaft und die Ver­bes­se­rung der Diens­te­qua­li­tät 6, die zuletzt durch die Richt­li­nie 2008/​6/​EG 7 geän­dert wor­den ist, in der jeweils gel­ten­den Fas­sung. Die Steu­er­be­frei­ung setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer sich ent­spre­chend einer Beschei­ni­gung des Bun­des­zen­tral­am­tes für Steu­ern gegen­über die­ser Behör­de ver­pflich­tet hat, flä­chen­de­ckend im gesam­ten Gebiet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Gesamt­heit der Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen oder einen Teil­be­reich die­ser Leis­tun­gen nach Satz 1 anzu­bie­ten. Die Steu­er­be­frei­ung gilt nicht für Leis­tun­gen, die der Unter­neh­mer erbringt

a) auf Grund indi­vi­du­ell aus­ge­han­del­ter Ver­ein­ba­run­gen oder

b) auf Grund all­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen zu abwei­chen­den Qua­li­täts­be­din­gun­gen oder zu güns­ti­ge­ren Prei­sen als den nach den all­ge­mein für jeder­mann zugäng­li­chen Tari­fen oder als den nach § 19 des Post­ge­set­zes vom 22.12 1997 8, in der jeweils gel­ten­den Fas­sung geneh­mig­ten Ent­gel­ten;"

Das Post­ge­setz ‑PostG- vom 22.12 1997 9 ent­hält unter ande­rem fol­gen­de Rege­lun­gen:

"§ 11 Begriff und Umfang des Uni­ver­sal­diens­tes

(1) Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen sind ein Min­destan­ge­bot an Post­dienst­leis­tun­gen nach § 4 Nr. [Num­mer] 1, die flä­chen­de­ckend in einer bestimm­ten Qua­li­tät und zu einem erschwing­li­chen Preis erbracht wer­den. Der Uni­ver­sal­dienst ist auf lizenz­pflich­ti­ge Post­dienst­leis­tun­gen und Post­dienst­leis­tun­gen, die zumin­dest in Tei­len beför­de­rungs­tech­nisch mit lizenz­pflich­ti­gen Post­dienst­leis­tun­gen erbracht wer­den kön­nen, beschränkt. Er umfasst nur sol­che Dienst­leis­tun­gen, die all­ge­mein als unab­ding­bar ange­se­hen wer­den.

(2) Die Bun­des­re­gie­rung wird ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung, die der Zustim­mung des Bun­des­ta­ges und des Bun­des­ra­tes bedarf, nach Maß­ga­be des Absat­zes 1 Inhalt und Umfang des Uni­ver­sal­diens­tes fest­zu­le­gen …

§ 33 Ver­pflich­tung zur förm­li­chen Zustel­lung

(1) Ein Lizenz­neh­mer, der Brief­zu­stell­dienst­leis­tun­gen erbringt, ist ver­pflich­tet, Schrift­stü­cke unab­hän­gig von ihrem Gewicht nach den Vor­schrif­ten der Pro­zess­ord­nun­gen und der Geset­ze, die die Ver­wal­tungs­zu­stel­lung regeln, förm­lich zuzu­stel­len. Im Umfang die­ser Ver­pflich­tung ist der Lizenz­neh­mer mit Hoheits­be­fug­nis­sen aus­ge­stat­tet (belie­he­ner Unter­neh­mer).

(2) Die Regu­lie­rungs­be­hör­de hat den ver­pflich­te­ten Lizenz­neh­mer auf des­sen Antrag von der Ver­pflich­tung nach Absatz 1 zu befrei­en, soweit der Lizenz­neh­mer nicht markt­be­herr­schend ist. Die Befrei­ung ist aus­ge­schlos­sen, wenn zu besor­gen ist, dass hier­durch die förm­li­che Zustel­lung nach Absatz 1 nicht mehr flä­chen­de­ckend gewähr­leis­tet wäre. Die Befrei­ung kann wider­ru­fen wer­den, wenn der Lizenz­neh­mer markt­be­herr­schend wird oder die Vor­aus­set­zung des Sat­zes 2 vor­liegt. Der Antrag auf Befrei­ung kann mit dem Antrag auf Ertei­lung der Lizenz ver­bun­den wer­den.

§ 34 Ent­gelt für die förm­li­che Zustel­lung

Der ver­pflich­te­te Lizenz­neh­mer hat Anspruch auf ein Ent­gelt. Durch die­ses wer­den alle von dem Lizenz­neh­mer erbrach­ten Leis­tun­gen ein­schließ­lich der hoheit­li­chen Beur­kun­dung und Rück­sen­dung der Beur­kun­dungs­un­ter­la­gen an die auf­trag­ge­ben­de Stel­le abge­gol­ten. Das Ent­gelt hat den Maß­stä­ben des § 20 Abs. [Absatz] 1 und 2 zu ent­spre­chen. Es bedarf der Geneh­mi­gung durch die Regu­lie­rungs­be­hör­de. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz und das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern sind unver­züg­lich über beab­sich­tig­te Ent­gelt­ge­neh­mi­gun­gen zu infor­mie­ren."

§ 1 der Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tungs­ver­ord­nung vom 15.12 1999 10 ent­hält fol­gen­de Rege­lung über den Uni­ver­sal­dienst:

"(1) Als Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen wer­den fol­gen­de Post­dienst­leis­tun­gen bestimmt:

  1. die Beför­de­rung von Brief­sen­dun­gen im Sin­ne des § 4 Nr. [Num­mer] 2 des Geset­zes, sofern deren Gewicht 2 000 Gramm und deren Maße die im Welt­post­ver­trag und den ent­spre­chen­den Voll­zugs­ver­ord­nun­gen fest­ge­leg­ten Maße nicht über­schrei­ten,
  2. die Beför­de­rung von adres­sier­ten Pake­ten, deren Ein­zel­ge­wicht 20 Kilo­gramm nicht über­steigt und deren Maße die im Welt­post­ver­trag und den ent­spre­chen­den Voll­zugs­ver­ord­nun­gen fest­ge­leg­ten Maße nicht über­schrei­ten,
  3. die Beför­de­rung von Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten im Sin­ne des § 4 Nr. [Num­mer] 1 Buch­sta­be c des Geset­zes. Hier­zu zäh­len peri­odisch erschei­nen­de Druck­schrif­ten, die zu dem Zwe­cke her­aus­ge­ge­ben wer­den, die Öffent­lich­keit über Tages­er­eig­nis­se, Zeit- oder Fach­fra­gen durch pres­se­üb­li­che Bericht­erstat­tung zu unter­rich­ten.

(2) Die Brief­be­för­de­rung umfasst auch die Sen­dungs­for­men

  1. Ein­schreib­sen­dung (Brief­sen­dung, die pau­schal gegen Ver­lust, Ent­wen­dung oder Beschä­di­gung ver­si­chert ist und gegen Emp­fangs­be­stä­ti­gung aus­ge­hän­digt wird),
  2. Wert­sen­dung (Brief­sen­dung, deren Inhalt in Höhe des vom Absen­der ange­ge­be­nen Wer­tes gegen Ver­lust, Ent­wen­dung oder Beschä­di­gung ver­si­chert ist),
  3. Nach­nah­me­sen­dung (Brief­sen­dung, die erst nach Ein­zie­hung eines bestimm­ten Geld­be­tra­ges an den Emp­fän­ger aus­ge­hän­digt wird),
  4. Sen­dung mit Eil­zu­stel­lung (Brief­sen­dung, die so bald wie mög­lich nach ihrem Ein­gang bei einer Zustell­ein­rich­tung durch beson­de­ren Boten zuge­stellt wird)."

Die Zivil­pro­zess­ord­nung (ZPO) ent­hält unter ande­rem fol­gen­de Rege­lun­gen zur förm­li­chen Zustel­lung:

  1. Zustel­lungs­auf­trag nach § 176 ZPO:

    "(1) Wird der Post, einem Jus­tiz­be­diens­te­ten oder einem Gerichts­voll­zie­her ein Zustel­lungs­auf­trag erteilt oder wird eine ande­re Behör­de um die Aus­füh­rung der Zustel­lung ersucht, über­gibt die Geschäfts­stel­le das zuzu­stel­len­de Schrift­stück in einem ver­schlos­se­nen Umschlag und ein vor­be­rei­te­tes For­mu­lar einer Zustel­lungs­ur­kun­de. …".

  2. Zustel­lungs­ur­kun­de nach § 182 ZPO:

    "(1) Zum Nach­weis der Zustel­lung … ist eine Urkun­de auf dem hier­für vor­ge­se­he­nen For­mu­lar anzu­fer­ti­gen. Für die­se Zustel­lungs­ur­kun­de gilt …

    (3) Die Zustel­lungs­ur­kun­de ist der Geschäfts­stel­le in Urschrift oder als elek­tro­ni­sches Doku­ment unver­züg­lich zurück­zu­lei­ten."

Zur ers­ten Vor­la­ge­fra­ge[↑]

Der Post­dienst­leis­ter hat nur dann einen Anspruch gegen das BZSt auf Ertei­lung der Beschei­ni­gung nach § 4 Num­mer 11b Satz 2 UStG, wenn die Aus­füh­rung von förm­li­chen Zustel­lun­gen eine Uni­ver­sal­dienst­leis­tung im Sin­ne von Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie ist. Dies soll mit der ers­ten Vor­la­ge­fra­ge, die inso­weit ent­schei­dungs­er­heb­lich ist, geklärt wer­den.

Der Vor­ga­be in Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie lässt sich nicht mit ein­deu­ti­ger Klar­heit ent­neh­men, ob die streit­be­fan­ge­nen förm­li­chen Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen als Teil­be­reich der begüns­tig­ten Post-Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen anzu­se­hen sind. Denn die­se Dienst­leis­tun­gen sind in Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie nicht aus­drück­lich genannt.

Förm­li­che Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen kön­nen gemäß Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen bil­den. Nach Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie gehö­ren die Zustel­lung von Post­sen­dun­gen bis 2 kg (ers­ter Spie­gel­strich) und die Zustel­lung von Post­pa­ke­ten bis 10 kg (zwei­ter Spie­gel­strich) zu den Post-Uni­ver­sal­diens­ten.

Bei einer förm­li­chen Zustel­lung wird das mit Zustel­lungs­auf­trag zuzu­stel­len­de Doku­ment oder Schrift­stück an die Post oder einen ent­spre­chen­den Dienst­leis­ter in einem ver­schlos­se­nen Umschlag und ein vor­be­rei­te­ter Vor­druck einer Zustel­lungs­ur­kun­de über­ge­ben, die nach der Zustel­lung wie­der an die Stel­le zurück­ge­langt, die den Zustel­lungs­auf­trag erteilt hat (ver­glei­che zum Bei­spiel § 176 Absatz 1 ZPO und § 182 Absatz 3 ZPO).

Auch eine förm­li­che Zustel­lung ist eine Zustel­lung von Post­sen­dun­gen oder Post­pa­ke­ten, so dass die Vor­aus­set­zun­gen von Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie ers­ter und zwei­ter Spie­gel­strich dem Grun­de nach erfüllt sein kön­nen. Es kann sich bei der förm­li­chen Zustel­lung um den "Spe­zi­al­fall" einer Zustel­lung von Post­sen­dun­gen oder Post­pa­ke­ten han­deln, der sich vom Grund­tat­be­stand der Post­sen­dung nur durch das Hin­zu­tre­ten der auf­ge­zeig­ten wei­te­ren Merk­ma­le, wie zum Bei­spiel die Beur­kun­dung der Über­ga­be und Rück­ga­be der Zustel­lungs­ur­kun­de, unter­schei­det.

Dies gilt aber nicht, wenn Arti­kel 2 Num­mer 5 Post-Richt­li­nie, wonach eine "Zustel­lung" die Bear­bei­tungs­schrit­te vom Sor­tie­ren in den Zustell­zen­tren bis zur Aus­hän­di­gung der Sen­dun­gen an die Emp­fän­ger umfasst, eine abschlie­ßen­de Rege­lung dar­stellt. Die Norm wür­de dann dem Vor­lie­gen einer Uni­ver­sal­dienst­leis­tung ent­ge­gen­ste­hen, weil bei einer förm­li­chen Zustel­lung ‑wie auf­ge­zeigt- wei­te­re Anfor­de­run­gen zu erfül­len sind.

Es erscheint statt­des­sen auch nicht als aus­ge­schlos­sen, dass förm­li­che Zustel­lun­gen zu den vom Post-Uni­ver­sal­dienst umfass­ten Diens­ten für Ein­schreib­sen­dun­gen im Sin­ne von Arti­kel 3 Absatz 4 drit­ter Spie­gel­strich der Post-Richt­li­nie gehö­ren kön­nen.

Obschon bei förm­li­chen Zustel­lun­gen anders als dies Arti­kel 2 Num­mer 9 der Post-Richt­li­nie vor­aus­setzt, kei­ne pau­scha­le Ver­si­che­rung durch den Dienst­an­bie­ter statt­fin­det, ist eine Ein­be­zie­hung in den Anwen­dungs­be­reich die­ser Rege­lung denk­bar, weil in Arti­kel 8 der Post-Richt­li­nie und dem 20. Erwä­gungs­grund der Post-Richt­li­nie von der "Zustel­lung von Ein­schreib­sen­dun­gen im Rah­men von Gerichts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren" die Rede ist.

Denn der Richt­li­ni­en­ge­ber konn­te nicht für alle in den Mit­glied­staa­ten vor­ge­se­he­nen natio­na­len Rege­lun­gen für Zustel­lun­gen "im Rah­men von Gerichts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren", wozu die streit­be­fan­ge­nen förm­li­chen Zustel­lun­gen im Gel­tungs­be­reich Deutsch­lands gehö­ren, Spe­zi­al­re­ge­lun­gen vor­se­hen. Die auf­ge­zeig­te For­mu­lie­rung kann des­halb bedeu­ten, dass der Richt­li­ni­en­ge­ber eine "Par­al­le­le" zwi­schen "Ein­schreib­sen­dun­gen" und förm­li­chen Zustel­lun­gen "im Rah­men von Gerichts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren" erkennt. Unter Berück­sich­ti­gung die­ses Umstan­des kön­nen mög­li­cher­wei­se auch förm­li­che Zustel­lun­gen unter den Begriff einer beson­de­ren Ein­schreib­sen­dung in die­sem Sin­ne fal­len.

Gegen die Behand­lung von förm­li­chen Zustel­lun­gen als "Spe­zi­al­fall" einer Post­sen­dung oder als Ein­schreib­sen­dung im Sin­ne von Arti­kel 3 Absatz 4 der Post-Richt­li­nie könn­te aber spre­chen, dass die in Arti­kel 8 der Post-Richt­li­nie vor­ge­se­he­ne Ermäch­ti­gung an die Mit­glied­staa­ten betref­fend die "Zustel­lung von Ein­schreib­sen­dun­gen im Rah­men von Gerichts- oder Ver­wal­tungs­ver­fah­ren" nicht zum Kapi­tel 2 der Post-Richt­li­nie gehört, wel­ches den Uni­ver­sal­dienst vom Grund­satz her regelt, son­dern erst im anschlie­ßen­den Kapi­tel 3 ent­hal­ten ist, das die "Har­mo­ni­sie­rung der reser­vier­ba­ren Diens­te" erfasst. Dies könn­te bedeu­ten, dass förm­li­che Zustel­lun­gen von Post­sen­dun­gen nach dem Wil­len des Uni­ons­ge­setz­ge­bers und des natio­na­len Gesetz­ge­bers von vorn­her­ein nicht zu den Uni­ver­sal-Dienst­leis­tun­gen als Min­destan­ge­bot gehö­ren sol­len.

Dem könn­te indes ent­ge­gen­ste­hen, dass die in Arti­kel 8 der Post-Richt­li­nie und im 20. Erwä­gungs­grund der Post-Richt­li­nie getrof­fe­ne Rege­lung auf­grund der auf­ge­zeig­ten zusätz­li­chen Beson­der­hei­ten die­ser Zustel­lungs­art geset­zes­tech­nisch als sach­ge­rech­te Ergän­zung erscheint und es des­halb nicht von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen ist, eine förm­li­che Zustel­lung dem Grun­de nach als Bestand­teil des Uni­ver­sal­diens­tes anzu­se­hen.

Fer­ner könn­te gegen die Annah­me eines Uni­ver­sal­diens­tes für förm­li­che Zustel­lun­gen die Rege­lung in Arti­kel 3 Absatz 7 der Post-Richt­li­nie spre­chen, wonach der Uni­ver­sal­dienst sowohl Inlands­leis­tun­gen als auch grenz­über­schrei­ten­de Leis­tun­gen umfasst, nach dem 13. Erwä­gungs­grund der Post-Richt­li­nie sogar umfas­sen muss.

Für förm­li­che Zustel­lun­gen als eigen­stän­di­ger Teil­be­reich erscheint es als zwei­fel­haft, ob die­se Vor­aus­set­zung erfüllt ist, da öffent­li­che Zustel­lun­gen im Regel­fall aus­schließ­lich im Hoheits­ge­biet eines Mit­glied­staa­tes erbracht wer­den.

Zur zwei­ten Vor­la­ge­fra­ge[↑]

Soll­te die ers­te Vor­la­ge­fra­ge zu beja­hen sein, hängt der Anspruch des Post­dienst­leis­ters auf Ertei­lung der Beschei­ni­gung im Sin­ne von § 4 Num­mer 11b UStG in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se wei­ter davon ab, ob die von dem Post­dienst­leis­ter als "Anbie­ter von Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen" im Sin­ne von Arti­kel 2 Num­mer 13 der Post-Richt­li­nie erbrach­ten Leis­tun­gen unter Berück­sich­ti­gung von Arti­kel 132 Absatz 1 Buch­sta­be a MwSt­Sys­tRL steu­er­frei sein kön­nen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat Zwei­fel, ob ein Unter­neh­mer, der im Wesent­li­chen förm­li­che Zustel­lun­gen für Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den aus­führt, ganz oder teil­wei­se Leis­tun­gen des Post-Uni­ver­sal­diens­tes erbringt und des­halb als Anbie­ter von Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen im Sin­ne von Arti­kel 2 Num­mer 13 der Post-Richt­li­nie gel­ten kann. Denn nach Arti­kel 3 Absatz 1 der Post-Richt­li­nie soll den Nut­zern ein Uni­ver­sal­dienst zur Ver­fü­gung ste­hen, der stän­dig flä­chen­de­ckend pos­ta­li­sche Dienst­leis­tun­gen einer bestimm­ten Qua­li­tät zu trag­ba­ren Prei­sen für alle Nut­zer bie­tet. Die­se Vor­aus­set­zung ist mög­li­cher­wei­se nicht erfüllt, wenn Auf­trag­ge­ber bei förm­li­chen Zustel­lun­gen nicht "alle Nut­zer" sind, son­dern in ers­ter Linie Gerich­te und Ver­wal­tungs­be­hör­den, so dass die­se Form der Zustel­lung den Nut­zern nur mit­tel­bar zugu­te­kommt.

Den uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben lässt sich nicht ein­deu­tig ent­neh­men, ob die vom Post­dienst­leis­ter als mög­li­cher Anbie­ter im Sin­ne von Arti­kel 2 Num­mer 13 der Post-Richt­li­nie erbrach­ten Leis­tun­gen nach Arti­kel 132 Absatz 1 Buch­sta­be a MwSt­Sys­tRL von der Umsatz­steu­er befreit sind.

Ein "Anbie­ter von Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen" ist nach Arti­kel 2 Num­mer 13 der Post-Richt­li­nie eine öffent­li­che oder pri­va­te Stel­le, die in einem Mit­glied­staat die Leis­tun­gen des pos­ta­li­schen Uni­ver­sal­diens­tes ganz oder teil­wei­se erbringt und der Kom­mis­si­on gemäß Arti­kel 4 mit­ge­teilt wur­de.

Es erscheint denk­bar, dass der Post­dienst­leis­ter mit der Aus­füh­rung von förm­li­chen Zustel­lun­gen Anbie­ter eines Teils von pos­ta­li­schen Uni­ver­sal­dienst­leis­tun­gen ist.

Arti­kel 132 Absatz 1 Buch­sta­be a MwSt­Sys­tRL sieht eine Steu­er­be­frei­ung für von öffent­li­chen Post­ein­rich­tun­gen erbrach­te Dienst­leis­tun­gen und dazu­ge­hö­ren­de Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den mit Aus­nah­me von Per­so­nen­be­för­de­rungs- und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen von der Steu­er vor.

Nach der Recht­spre­chung des EuGH umfasst die­se Steu­er­be­frei­ung Dienst­leis­tun­gen, wel­che die Post­ein­rich­tun­gen als sol­che aus­füh­ren, näm­lich in ihrer Eigen­schaft als Betrei­ber, der sich ver­pflich­tet, in einem Mit­glied­staat den gesam­ten Uni­ver­sal­post­dienst oder einen Teil davon zu gewähr­leis­ten; nicht davon berührt sind Dienst­leis­tun­gen und die dazu­ge­hö­ren­den Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den, deren Bedin­gun­gen indi­vi­du­ell aus­ge­han­delt wur­den 11. Öffent­li­che Post­ein­rich­tun­gen in die­sem Sin­ne sind öffent­li­che oder pri­va­te Betrei­ber, die sich ver­pflich­ten, pos­ta­li­sche Dienst­leis­tun­gen zu erbrin­gen, die den grund­le­gen­den Bedürf­nis­sen der Bevöl­ke­rung ent­spre­chen und damit in der Pra­xis den gesam­ten Uni­ver­sal­post­dienst in einem Mit­glied­staat, wie er in Arti­kel 3 der Post-Richt­li­nie beschrie­ben ist, oder einen Teil davon zu gewähr­leis­ten 12.

Dar­aus ergibt sich nicht zwei­fels­frei, ob die vom Post­dienst­leis­ter aus­ge­führ­ten streit­be­fan­ge­nen förm­li­chen Zustel­lun­gen nach Arti­kel 132 Absatz 1 Buch­sta­be a MwSt­Sys­tRL von der Steu­er­be­frei­ung erfasst sind.

Einer­seits spricht für eine ele­men­ta­re dem Gemein­wohl die­nen­de Post­dienst­leis­tung der Umstand, dass förm­li­che Zustel­lun­gen bei­spiels­wei­se im behörd­li­chen Post­ver­kehr der nach­prüf­ba­ren Zustel­lung von amt­li­chen Schrei­ben die­nen; fer­ner ermög­li­chen sie die nach­prüf­ba­re Zustel­lung von Kla­ge- und Antrags­schrif­ten oder die Zustel­lung von gericht­li­chen Ent­schei­dun­gen, wodurch Rechts­mit­tel­fris­ten in Lauf gesetzt wer­den. Förm­li­che Zustel­lun­gen sind zudem unab­ding­bar für ein geord­ne­tes Ver­wal­tungs- oder Gerichts­ver­fah­ren und tra­gen damit zu einer ver­läss­li­chen und ord­nungs­ge­mä­ßen Rechts­pfle­ge bei.

Auch erschie­ne es sinn­wid­rig, einen ent­spre­chen­den Dienst­leis­ter zwar einer­seits ‑wie bei § 33 PostG- zu ver­pflich­ten, auch förm­li­che Zustel­lun­gen von Brief­sen­dun­gen vor­zu­neh­men, ande­rer­seits die­se Teil­leis­tung ‑im Gegen­satz zu den ande­ren Teil­leis­tun­gen- aber als steu­er­pflich­tig zu behan­deln, obwohl gera­de die förm­li­che Zustel­lung von Brief­sen­dun­gen im Beson­de­ren seit jeher ‑auch wegen der dabei gebo­te­nen Über­tra­gung hoheit­li­cher Auf­ga­ben- als öffent­li­che Post­dienst­leis­tung aner­kannt ist. Ein Aus­schluss der förm­li­chen Zustel­lung von Brief­sen­dun­gen vom Anwen­dungs­be­reich der Steu­er­be­frei­ung könn­te vor die­sem Hin­ter­grund und dem gesetz­lich gere­gel­ten Erfor­der­nis eines "ein­heit­li­chen Leis­tungs­an­ge­bots" der Unter­neh­mer dem Neu­tra­li­täts­prin­zip im Sin­ne der gebo­te­nen Belas­tungs­gleich­heit zuwi­der lau­fen 13.

Bei der förm­li­chen Zustel­lung von Brief­sen­dun­gen han­delt es sich auch nicht um Dienst­leis­tun­gen, deren Bedin­gun­gen "indi­vi­du­ell aus­ge­han­delt" wür­den, so dass der vom EuGH in sei­ner Recht­spre­chung aus­drück­lich genann­te Aus­schluss­grund nicht ein­greift 14. Viel­mehr sind die Maß­stä­be für die Ent­gel­te gesetz­lich gere­gelt und bedür­fen einer Geneh­mi­gung durch die Regu­lie­rungs­be­hör­de (ver­glei­che § 34 PostG).

Die­ser Aus­le­gung könn­te ande­rer­seits ent­ge­gen­ste­hen, dass der Ein­zel­ne die förm­li­che Zustel­lung nicht bei der Post oder einem ande­ren Dienst­leis­ter in Auf­trag geben kann, son­dern dies regel­mä­ßig nur mit­tel­bar über ein Gericht oder über eine Ver­wal­tungs­be­hör­de statt­fin­det (ver­glei­che zum Bei­spiel § 176 Absatz 1 ZPO). Die­ser Umstand wider­spricht mög­li­cher­wei­se ent­schei­dend dem Cha­rak­ter einer allen Nut­zern zur Ver­fü­gung ste­hen­den Uni­ver­sal­dienst­leis­tung im Sin­ne von Arti­kel 3 Absatz 1 der Post-Richt­li­nie.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschlüs­se vom 31. Mai 2017 – V R 8/​16 und V R 30/​15

  1. BFH – V R 8/​16[]
  2. BFH – V R 30/​15[]
  3. ABl.EU Num­mer L 15 vom 21.01.1998, Sei­te 14; Num­mer L 23 vom 30.01.1998, Sei­te 39[]
  4. ABl.EU Num­mer L 52 vom 27.02.2008, Sei­te 3 ‑Post-Richt­li­nie-[]
  5. ABl.EU L 15 vom 21.01.1998 Sei­te 14 bis 25[]
  6. ABl. L 15 vom 21.01.1998, S. [Sei­te] 14, L 23 vom 30.01.1998, S. 39[]
  7. ABl. L 52 vom 27.02.2008, S. 3[]
  8. BGBl I S. [Sei­te] 3294, das zuletzt durch Arti­kel 272 der Ver­ord­nung vom 31.10.2006, BGBl I S. [Sei­te] 2407, geän­dert wor­den ist[]
  9. BGBl I 1997, 3294, zuletzt geän­dert am 31.08.2015, BGBl I 2015, 1474, 1541[]
  10. BGBl I 1999, 2418, zuletzt geän­dert am 7.07.2005, BGBl I 2005, 1970[]
  11. EuGH, Urteil TNT Post UK vom 23.04.2009 – C‑357/​07, EU:C:2009:248, Rand­zif­fern 44 bis 49, Leit­satz 2[]
  12. EuGH, Urteil TNT Post UK, EU:C:2009:248, Rand­zif­fer 36[]
  13. EuGH, Urteil TNT Post UK, EU:C:2009:248, Rand­zif­fer 45[]
  14. EuGH, Urteil TNT Post UK, EU:C:2009:248, Rand­zif­fern 44 bis 49, Leit­satz 2[]