Forst­be­triebs­ge­mein­schaft

Eine Forst­be­triebs­ge­mein­schaft unter­liegt nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs auch hin­sicht­lich der (all­ge­mei­nen) Bei­trä­ge der Mit­glie­der, die die­se –neben den Son­der­ent­gel­ten– zu ent­rich­ten haben, der Umsatz­steu­er­pflicht, da auch die­se Mit­glieds­bei­trä­ge eine Gegen­leis­tung für die Leis­tun­gen der Forst­be­triebs­ge­mein­schaft an ihre Mit­glie­der sind.

Forst­be­triebs­ge­mein­schaft

Eine Forst­be­triebs­ge­mein­schaft muss gemäß § 17 BWaldG min­des­tens eine der fol­gen­den Maß­nah­men zur Auf­ga­be haben:

  1. Abstim­mung der Betriebs­plä­ne oder Betriebs­gut­ach­ten und der Wirt­schafts­plä­ne sowie der ein­zel­nen forst­li­chen Vor­ha­ben;
  2. Abstim­mung der für die forst­li­che Erzeu­gung wesent­li­chen Vor­ha­ben und Absatz des Hol­zes oder sons­ti­ger Forst­pro­duk­te;
  3. Aus­füh­rung der Forst­kul­tu­ren, Boden­ver­bes­se­run­gen und Bestands­pfle­ge­ar­bei­ten ein­schließ­lich des Forst­schut­zes;
  4. Bau und Unter­hal­tung von Wegen;
  5. Durch­füh­rung des Holz­ein­schlags, der Holz­auf­ar­bei­tung und der Holz­brin­gung;
  6. Beschaf­fung und Ein­satz von Maschi­nen und Gerä­ten für meh­re­re der unter den Num­mern 2 bis 5 zusam­men­ge­fass­ten Maß­nah­men.

Eine Forst­be­triebs­ge­mein­schaft wird nach § 18 BWaldG von der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Behör­de auf Antrag aner­kannt, wenn sie bestimm­te in die­ser Vor­schrift auf­ge­führ­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt; u.a. muss sie nach Grö­ße, Lage und Zusam­men­hang aller ange­schlos­se­nen Grund­stü­cke eine wesent­li­che Ver­bes­se­rung der Bewirt­schaf­tung ermög­li­chen (§ 18 Abs. 1 Nr. 2 BWaldG).

Hat der forst­wirt­schaft­li­che Zusam­men­schluss –wie in dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall – die Recht­form eines rechts­fä­hi­gen Ver­eins mit wirt­schaft­li­chem Geschäfts­be­trieb gewählt, so kann ihm gemäß § 19 BWaldG durch die für die Aner­ken­nung zustän­di­ge Behör­de gleich­zei­tig mit der Aner­ken­nung die Rechts­fä­hig­keit nach § 22 BGB ver­lie­hen wer­den.

Aus die­ser gesetz­lich nor­mier­ten Zweck­be­stim­mung einer Forst­be­triebs­ge­mein­schaft, die Bewirt­schaf­tung der ange­schlos­se­nen Wald­flä­chen und der zur Auf­fors­tung bestimm­ten Grund­stü­cke zu ver­bes­sern (vgl. § 16, § 18 Abs. 1 Nr. 2 BWaldG) und aus den Auf­ga­ben einer Forst­be­triebs­ge­mein­schaft (§ 17 BWaldG) folgt, dass sie im kon­kre­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­se ihrer Mit­glie­der ins­ge­samt unter­neh­me­risch tätig wird. Dafür spricht auch, wenn die Forst­be­treibs­ge­mein­schaft kein nicht­wirt­schaft­li­cher Ver­ein ("Ide­al­ver­ein") i.S. des § 21 BGB, son­dern ein wirt­schaft­li­cher Ver­ein i.S. des § 22 BGB ist.

Dafür, dass die Forst­be­triebs­ge­mein­schaft (teil­wei­se) ledig­lich all­ge­mei­ne Inter­es­sen ihrer Mit­glie­der wahr­ge­nom­men hat, wie z.B. eine Ver­ei­ni­gung zur all­ge­mei­nen För­de­rung der Inter­es­sen des Agrar­sek­tors 1, ergab sich zumin­dest in dem jetzt vom BFH ent­schie­de­nen Fall kein greif­ba­rer Anhalts­punkt. Inso­weit reicht nicht aus, dass durch den Zweck des Ver­eins nach § 2 der Sat­zung –Ver­bes­se­rung der Bewirt­schaf­tung der ange­schlos­se­nen Wald­flä­chen und der zur Auf­fors­tung bestimm­ter Grund­stü­cke– "somit auch" die Wir­kun­gen des Wal­des für Lan­des­kul­tur und Volks­er­ho­lung erhöht wer­den sol­len und dass in Nr. 6 der sat­zungs­ge­mä­ßen Ein­zel­auf­ga­ben auch nicht näher bezeich­ne­te "Maß­nah­men für die Lan­des­kul­tur" auf­ge­führt sind. Denn dabei han­delt es sich um nur mit­tel­ba­re Fol­gen der in ers­ter Linie von der Klä­ge­rin bezweck­ten För­de­rung der kon­kre­ten wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen ihrer Mit­glie­der.

Damit sind aber auch die Bei­trä­ge der Mit­glie­der Ent­gelt für die Ver­eins­leis­tun­gen an sie, so dass des­halb (auch) inso­weit ein nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG umsatz­steu­er­ba­rer Leis­tungs­aus­tausch vor­liegt.

Bei­trä­ge der Mit­glie­der eines Ver­eins (Mit­glieds­bei­trä­ge) sind nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG Ent­gelt für die Leis­tun­gen des Ver­eins an sei­ne Mit­glie­der, wenn die­se einen kon­kre­ten Vor­teil erhal­ten 2.

Der BFH hat damit im Anschluss an das "Ken­ne­mer Golf & Coun­try Club"-Urteil des EuGH 3 sei­ne frü­he­re Recht­spre­chung auf­ge­ge­ben, wonach ein Leis­tungs­aus­tausch nicht gege­ben sei, soweit der Ver­ein in Ver­wirk­li­chung des Sat­zungs­zwecks unter Ein­satz des Bei­trags­auf­kom­mens tätig wer­de 4.

Bun­des­fi­nanz­hof,

  1. vgl. EuGH, Urteil vom 12.02.2009 – Rs. C‑515/​07, VNLTO, DStR 2009, 369 Rdnrn. 32 ff.[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 09. 08.2007 – V R 27/​04, BFHE 217, 314, BFH/​NV 2007, 2213, unter II. 4.; vom 11.10.2007 – V R 69/​06, BFHE 219, 287, BFH/​NV 2008, 322, unter II. 2. b; vom 29.10.2008 – XI R 59/​07, BFHE 223, 493, BFH/​NV 2009, 324; a.A. Abschn. 4 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 und Abschn. 22 Abs. 1 Satz 1 UStR; Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Han­no­ver, Vfg. vom 23. Juli 2003 – S 7100 – 491-StO 351 – S 7100 – 1004-StH 446, UR 2004, 96[]
  3. EugH, Urteil vom 21.03. 2002 – Rs. C‑174/​00, –Ken­ne­mer Golf & Coun­try Club– Slg. 2002, I‑3293, BFH/​NV Bei­la­ge 3, 2002, 95, UR 2002, 320[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 20.12.1984 – V R 25/​76, BFHE 142, 524, BSt­Bl II 1985, 176, unter II. B. 5., und vom 20.08.1992 – V R 2/​88, BFH/​NV 1993, 204, unter II. 1. c aa[]