Glücks­spie­le mit Geld­ein­satz – und die Umsatz­steu­er

Nach der Anord­nung in § 6 Abs. 1 der Ver­ord­nung über öffent­li­che Spiel­ban­ken 1938 ‑Spielb­kV- 1 war der "Spiel­bank­un­ter­neh­mer … für den Betrieb der Spiel­bank von den lau­fen­den Steu­ern des Reichs, die vom Ein­kom­men; vom Ver­mö­gen; und vom Umsatz erho­ben wer­den, sowie von der Lot­te­rie­steu­er und von der Gesell­schaft­steu­er befreit" 2.

Glücks­spie­le mit Geld­ein­satz – und die Umsatz­steu­er

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat aber geklärt, dass für den Bereich der Umsatz­steu­er die­se Steu­er­be­frei­ung bereits durch § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG 1967 eigen­stän­dig gere­gelt wur­de 3. Da § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG 1967 eine Steu­er­frei­heit für "die Umsät­ze der zuge­las­se­nen öffent­li­chen Spiel­ban­ken, die durch den Betrieb der Spiel­bank bedingt sind", vor­sah, hat schon die­se Norm die Umsatz­steu­er­frei­heit nach der Spielb­kV als jun­ges und spe­zi­el­les Gesetz ver­drängt 3. Damit ist ent­schie­den, dass die Rege­lung in § 6 Abs. 1 Spielb­kV heu­te für den Bereich der Umsatz­steu­er nicht mehr gilt.

Zudem ist durch die Recht­spre­chung geklärt, dass die Umsät­ze eines gewerb­li­chen Betrei­bers von Geld­spiel­au­to­ma­ten auf­grund der am 6.05.2006 in Kraft getre­te­nen ‑mit dem Uni­ons­recht in Ein­klang ste­hen­den Neu­re­ge­lung- des § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG steu­er­pflich­tig sind 4. Die­se Bestim­mung ist auch ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich 5.

Soweit ver­tre­ten wird, § 6 Abs. 1 Spielb­kV gel­te als spe­zi­ell gere­gel­te Steu­er­be­frei­ung für Spiel­ban­ken ent­spre­chend den all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­grund­sät­zen fort, wonach eine Spe­zi­al­vor­schrift die all­ge­mei­ne Rege­lung ver­drängt, greift die­se Über­le­gung nicht durch. Denn die­se Aus­le­gungs­re­gel ent­fal­tet im Streit­fall schon des­halb kei­ne Wir­kung mehr, weil der Bun­des­fi­nanz­hof dies­be­züg­lich bereits geklärt hat, dass nach einem hier ein­schlä­gi­gen ande­ren Aus­le­gungs­grund­satz das spä­te­re Gesetz die frü­he­re Rege­lung ver­drängt ("lex pos­te­rior dero­gat legi prio­ri") 3. Da es wegen der feh­len­den Fort­gel­tung der Rege­lung in § 6 Abs. 1 Spielb­kV dem­nach nicht zu einer Ungleich­be­hand­lung von Spiel­ban­ken und gewerb­li­chen Betrei­bern von Geld­spiel­ge­rä­ten kommt, schei­det auch ein Ver­stoß gegen den ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­heits­grund­satz von vorn­her­ein aus.

Aus der Ent­schei­dun­gen des BFH in BFH/​NV 2016, 1593 und in BFH/​NV 2016, 1592 mit der jeweils dort in Bezug genom­me­nen ‑im Übri­gen in sich wider­spruchs­frei­en- Recht­spre­chung ergibt sich, das § 6 Abs. 1 Spielb­kV seit dem Inkraft­tre­ten der Rege­lung in § 4 Nr. 9 Buchst. b UStG nicht mehr gilt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 22. Febru­ar 2017 – V B 122/​16

  1. RGBl I 1938, 955[][]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 14.07.2016 – V B 17/​16, BFH/​NV 2016, 1593, Rz 3[]
  3. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2016, 1593, Rz 3, m.w.N.[][][]
  4. BFH, Urteil vom 10.11.2010 – XI R 79/​07, BFHE 231, 373, BSt­Bl II 2011, 311, 1. Leit­satz sowie Rz 29; BFH, Beschluss vom 04.07.2016 – V B 115/​15, BFH/​NV 2016, 1592 Rz 3 unter Bezug­nah­me auf EuGH, Urteil Leo-Libe­ra vom 10.06.2010 – C‑58/​09, EU:C:2010:333, Leit­satz sowie Rz 39[]
  5. vgl. BVerfG, Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 16.04.2012 – 1 BvR 523/​11, BFH/​NV 2012, 1405[]