Gut­schei­ne – und die steu­er­li­che Unent­gelt­lich­keit

Gibt ein Unter­neh­mer einen Gut­schein in Umlauf, der des­sen Besit­zer berech­tigt, eine Leis­tung des Unter­neh­mers kos­ten­los in Anspruch zu neh­men, liegt in der Regel kein ent­gelt­li­cher Leis­tungs­aus­tausch vor.

Gut­schei­ne – und die steu­er­li­che Unent­gelt­lich­keit

Die Unter­neh­me­rin erbringt im Rah­men der Frei­münzun­gen kei­ne ent­gelt­li­chen Leis­tun­gen i.S. des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG. Eine Gegen­leis­tung des Kun­den liegt nicht in dem auf­grund des Test-Cou­pons gut­ge­schrie­be­nen Betrag, den er "ein­set­zen" muss, um die Spiel­mög­lich­keit zu errei­chen. Der Vor­gang erschöpft sich wirt­schaft­lich viel­mehr dar­in, dass der Kun­de zehn Mal für jeweils 10 EUR "umsonst" spie­len darf. Davon gehen auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung nun­mehr bei­de Betei­lig­ten aus.

Soweit in den ange­foch­te­nen Umsatz­steu­er­be­schei­den 2007 und 2008 Frei­münzun­gen als Ent­gel­te in die Bemes­sungs­grund­la­ge der Umsatz­steu­er ein­ge­flos­sen sind, ist die Bemes­sungs­grund­la­ge ent­spre­chend zu min­dern. Auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt lässt sich der Umfang der erfor­der­li­chen Min­de­rung der Bemes­sungs­grund­la­ge aber nicht ermit­teln.

Die Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt rei­chen nicht aus, um ent­schei­den zu kön­nen, mit wel­chem Betrag sich die Umsät­ze aus den Frei­münzun­gen im Umsatz­steu­er­be­scheid 2007 umsatz­steu­er­lich aus­ge­wirkt haben, weil das Finanz­ge­richt kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen hat, auf wel­che Art und Wei­se die Unter­neh­me­rin ihre Umsät­ze in den Streit­jah­ren ermit­telt hat. Das Finanz­ge­richt wird ent­spre­chen­de Fest­stel­lun­gen nach­ho­len und bei sei­ner Ent­schei­dung die Grund­sät­ze der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) berück­sich­ti­gen müs­sen.

Danach besteht bei Umsät­zen aus dem Betrieb von Geld­spiel­au­to­ma­ten, die auf­grund zwin­gen­der gesetz­li­cher Vor­schrif­ten einen bestimm­ten Pro­zent­satz der Spiel­ein­sät­ze der Spie­ler als Gewin­ne aus­zah­len, die vom Betrei­ber für die Bereit­stel­lung der Auto­ma­ten tat­säch­lich erhal­te­ne Gegen­leis­tung nur in dem Teil der Ein­sät­ze, über den er effek­tiv selbst ver­fü­gen kann 1. Gemäß § 12 Abs. 2 Buchst. a der in den Streit­jah­ren gel­ten­den Ver­ord­nung über Spiel­ge­rä­te und ande­re Spie­le mit Gewinn­mög­lich­keit ‑Spiel­ver­ord­nung (SpielV), BGBl I 2006, 280- war Zulas­sungs­vor­aus­set­zung für Spiel­ge­rä­te mit Gewinn­mög­lich­keit, dass Gewin­ne in sol­cher Höhe aus­ge­zahlt wur­den, dass bei lang­fris­ti­ger Betrach­tung kein höhe­rer Betrag als 33 EUR je Stun­de als Kas­sen­in­halt ver­blieb. Durch die Rege­lun­gen in §§ 12, 13 SpielV war sicher­ge­stellt, dass die Gegen­leis­tung, die der Betrei­ber für die Bereit­stel­lung der Auto­ma­ten tat­säch­lich erhält, durch "zwin­gen­de gesetz­li­che Vor­schrif­ten" im o.g. Sinn fest­ge­legt wird 2.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2014 – V R 55/​13

  1. EuGH, Urtei­le vom 19.07.2012 – C‑377/​11, Inter­na­tio­nal Bin­go, Höchst­rich­ter­li­che Finanz­recht­spre­chung ‑HFR- 2012, 1011, Rz 26; vom 05.05.1994 – C‑38/​93, Gla­we, Slg. 1994, I‑1679, Rz 9[]
  2. EuGH, Urteil vom 24.10.2013 – C‑440/​12, Metro­pol, HFR 2013, 1166, Rz 42[]