Hotel­schecks

Dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf lag jetzt die Rechts­fra­ge zur Ent­schei­dung vor, ob der Ver­kauf sog. Hotel­schecks an pri­va­te Kun­den der Umsatz­steu­er unter­liegt:

Hotel­schecks

Die Klä­ge­rin ver­kauf­te über Ver­triebs­part­ner, Anzei­gen in Zeit­schrif­ten und über ihr Inter­net­por­tal Hotel­schecks an pri­va­te Kun­den. Die Hotel­schecks berech­ti­gen den Käu­fer dazu, mit bis zu zwei Per­so­nen bzw. mit einer Fami­lie bis zu drei Näch­te in einem Hotel, wel­ches mit der Klä­ge­rin ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen hat, zu über­nach­ten. Wird das Hotel unter Hin­weis auf den Hotel­scheck gebucht, so ent­ste­hen für die Über­nach­tun­gen selbst kei­ne wei­te­ren Kos­ten. Die Hotel­schecks kön­nen pro­blem­los vom Erwer­ber an ande­re Per­so­nen zur Nut­zung wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Der eigent­li­che Beher­ber­gungs­ver­trag kommt nur zwi­schen dem Kun­den der Klä­ge­rin und dem jewei­li­gen Hotel zustan­de. Die Klä­ge­rin haf­tet inso­weit nicht für man­gel­haf­te, nicht erbrach­te oder nicht frist­ge­rech­te Leis­tun­gen des Hotels. Etwai­ge Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che aus dem Beher­ber­gungs­ver­trag kann der Kun­de nur gegen­über dem Hotel gel­tend machen.

Erst­mals in der Umsatz­steu­er-Vor­anmel­dung für Novem­ber 2007 erklär­te die Klä­ge­rin die Scheck­ver­käu­fe weder als steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze noch mach­te sie hier­auf ent­fal­len­den Vor­steu­er­be­trä­ge gel­tend. Das Finanz­amt folg­te der Erklä­rung nicht und behan­del­te in dem Umsatz­steu­er-Vor­aus­zah­lungs­be­scheid für Novem­ber 2007 die Ein­nah­men der Klä­ge­rin aus dem Ver­kauf der Hotel­schecks als steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze. Der hier­ge­gen von der Klä­ge­rin gerich­te­te Ein­spruch hat­te nur inso­weit Erfolg, als das Finanz­amt die nach­träg­lich gel­tend gemach­ten Vor­steu­er­be­trä­ge in Abzug brach­te. Mit ihrer Kla­ge mach­te die Klä­ge­rin gel­tend, sie habe kei­ne Leis­tun­gen gegen­über ihren Kun­den erbracht. Folg­lich sei­en die Erlö­se aus dem Hotel­scheck­ver­kauf kei­ne steu­er­ba­ren Umsät­ze. Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf folg­te die­ser Auf­fas­sung jedoch nicht und wies die Kla­ge ab:

Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf sind sämt­li­che Ein­nah­men der Klä­ge­rin aus dem Ver­kauf der Hotel­schecks als (Brut­to-) Ent­gelt für im Inland steu­er­ba­re und steu­er­pflich­ti­ge Umsät­ze zu beur­tei­len. Der Gut­schein­ver­kauf sei eine Leis­tung im Sin­ne von § 1 Abs.1 Nr. 1 Satz 1 UStG. Die Kun­den erhiel­ten gegen Zah­lung eines bestimm­ten Betra­ges ein in Form eines Hotel­gut­scheins ver­brief­tes Recht auf Inan­spruch­nah­me einer Leis­tung der Klä­ge­rin „auf Abruf“. Die Klä­ge­rin ver­pflich­te sich mit dem Ver­kauf eines Hotel­schecks gegen­über dem Kun­den, an dem Zustan­de­kom­men eines zukünf­ti­gen Beher­ber­gungs­ver­tra­ges zwi­schen dem Kun­den und dem Hotel zu den dort genann­ten güns­ti­gen Preis­kon­di­tio­nen mit­zu­wir­ken. Der Hotel­gut­schein eröff­ne den Kun­den der Klä­ge­rin ledig­lich den Vor­teil, die Beher­ber­gungs­leis­tung eines der von der Klä­ge­rin in ihren Kata­lo­gen bewor­be­nen Hotels zu einem güns­ti­gen Preis in Anspruch zu neh­men. Die Hotel­scheck­ver­käu­fe sei­en dem­entspre­chend nicht als „Lie­fe­rung“, son­dern als sons­ti­ge Leis­tung zu beur­tei­len.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 6. Okto­ber 2010 – 5 K 1818/​08 U
(Revi­si­on beim Bun­des­fi­nanz­hof ein­ge­legt – V R 42/​10)