Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung – und die Iden­ti­tät des Abneh­mers

Die voll­stän­di­ge Erbrin­gung des Beleg- und Buch­nach­wei­ses ver­langt auch Anga­ben zur Iden­ti­tät des Abho­lers [1].

Inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­rung – und die Iden­ti­tät des Abneh­mers

Die Per­son des Abneh­mers und damit des Leis­tungs­emp­fän­gers bestimmt sich nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nach dem der Lie­fe­rung oder sons­ti­gen Leis­tung zugrun­de lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis [2].

Die­ses Rechts­ver­hält­nis kann ver­trag­li­cher oder gesetz­li­cher Art sein (vgl. § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 UStG). Im Fall einer Ver­tre­tung ohne Ver­tre­tungs­macht, die auch im Fall einer Iden­ti­täts­täu­schung vor­lie­gen kann und zur ent­spre­chen­den Anwen­dung von §§ 177, 179 BGB führt, bestimmt sich die Per­son des Abneh­mers nach dem Rechts­ver­hält­nis, das gemäß § 179 BGB zum voll­macht­lo­sen Ver­tre­ter besteht [3].

Es kann auch nciht dahin­ge­stellt blei­ben, ob tat­säch­li­cher Abneh­mer der benann­te Abneh­mer oder aber eine nament­lich nicht bekann­te Per­son gewe­sen ist, die in des­sen Namen, aber ohne Ver­tre­tungs­macht auf­ge­tre­ten ist.

Denn die Steu­er­frei­heit der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung setzt vor­aus, dass auf­grund der zutref­fen­den Anga­ben des leis­ten­den Unter­neh­mers die Per­son des Abneh­mers ("Erwer­bers") die­ser Lie­fe­rung bekannt ist, da sonst das Ziel nicht erreicht wer­den kann, Steu­er­ein­nah­men dadurch auf den Bestim­mungs­mit­glied­staat zu ver­la­gern, dass der Erwer­ber der inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung in die­sem Mit­glied­staat Steu­er­schuld­ner ist [4].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs erlaubt die Fest­stel­lung, der Emp­fän­ger der Lie­fe­rung habe die mit Hil­fe der bezo­ge­nen Lie­fe­run­gen aus­ge­führ­ten Umsät­ze nicht ver­steu­ert, für sich genom­men nicht den Schluss, nicht der Ver­trags­part­ner ("Mis­sing Tra­der"), son­dern eine ande­re Per­son sei Emp­fän­ger der Lie­fe­rung. Dar­über hin­aus ist die ord­nungs­ge­mä­ße Erfül­lung von Steu­er­erklä­rungs­pflich­ten kein Tat­be­stands­merk­mal der Unter­nehmer­ei­gen­schaft [5]. Sofern die Annah­me der öster­rei­chi­schen Behör­den, es han­de­le sich beim Abneh­mer um eine Gesell­schaft ohne wirt­schaft­li­che Tätig­keit, dar­auf beruht, dass das Unter­neh­men sei­ne inner­ge­mein­schaft­li­chen Erwer­be aus Deutsch­land in Öster­reich nicht anmel­de­te, begrün­det dies allein kei­ne Zwei­fel an der Unter­nehmer­ei­gen­schaft.

Damit steht für den Bun­des­fi­nanz­hof zugleich fest, dass hier­bei ein Son­der­fall, bei dem das Recht des Objek­tiv­nach­wei­ses einer steu­er­frei­en inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­rung nicht besteht ‑wie z.B. bei einer Täu­schung über die Iden­ti­tät des Abneh­mers [6]-, nicht vor­liegt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Novem­ber 2014 – XI R 37/​12

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 12.05.2009 – V R 65/​06, BFHE 225, 264, BStBl II 2010, 511, Leit­satz 1; in BFHE 233, 331, BFH/​NV 2011, 1448, Rz 37[]
  2. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 25.04.2013 – V R 28/​11, BFHE 242, 77, BStBl II 2013, 656, Rz 26, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 242, 77, BStBl II 2013, 656, Rz 26, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 17.02.2011 – V R 28/​10, BFHE 233, 331, BFH/​NV 2011, 1448, Rz 17; – V R 30/​10, BFHE 233, 341, BStBl II 2011, 769, Rz 15, jeweils m.w.N.[]
  5. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 1004, Rz 20, m.w.N.[]
  6. EuGH, Urteil vom 07.12 2010 – C‑285/​09 ‑R-, Slg. 2010, I‑12605, UR 2011, 15, Leit­satz[]