Irr­tüm­li­che Umsatz­steu­er­frei­heit bei Aus­fuh­ren

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat jetzt in der Fol­ge einer ent­spre­chen Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten und unter Auf­ga­be sei­ner eige­nen bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ent­schie­den, dass die Steu­er­frei­heit für Aus­fuhr­lie­fe­run­gen im Bil­lig­keits­ver­fah­ren zu gewäh­ren sein kann, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­be­frei­ung zwar nicht vor­lie­gen, der Steu­er­pflich­ti­ge deren Feh­len aber auch Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­man­nes nicht erken­nen konn­te, weil die vom Abneh­mer vor­ge­leg­ten Aus­fuhr­nach­wei­se gefälscht waren.

Irr­tüm­li­che Umsatz­steu­er­frei­heit bei Aus­fuh­ren

Aus den im Steu­er­recht all­ge­mein gel­ten­den Grund­sät­zen der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und des Ver­trau­ens­schut­zes ergibt sich, dass die Steu­er­frei­heit einer Aus­fuhr­lie­fe­rung nicht ver­sagt wer­den darf, wenn der lie­fern­de Unter­neh­mer die Fäl­schung des Aus­fuhr­nach­wei­ses, den der Abneh­mer ihm vor­legt, auch bei Beach­tung der Sorg­falt eines ordent­li­chen Kauf­manns nicht hat erken­nen kön­nen

Die Klä­ge­rin hat­te im Grenz­ge­biet zu Polen einen Super­markt betrie­ben. Meh­re­re pol­ni­sche Staats­bür­ger spie­gel­ten der Klä­ge­rin Ein­käu­fe und Aus­fuh­ren vor, indem sie in Ein­kaufs­wa­gen und Papier­kör­ben lie­gen­ge­blie­be­ne Kas­sen­bons ein­sam­mel­ten, mit gefälsch­ten Vor­dru­cken und Zoll­s­tem­peln Aus­fuhr­nach­wei­se fälsch­ten, die­se mit Namen und Anschrift des jewei­li­gen pol­ni­schen Staats­bür­gers ver­sa­hen und die Erstat­tung der Umsatz­steu­er von der Klä­ge­rin bean­trag­ten und gewährt beka­men.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten hat­te vor dem jetzt ergan­ge­nen Urteil des BFH auf des­sen Vor­la­ge im Febru­ar 2008 ent­schie­den, dass gemein­schafts­recht­li­che Rege­lun­gen in einem sol­chen Fall einer Gewäh­rung der Steu­er­be­frei­ung im Bil­lig­keits­we­ge nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 30. Juli 2008 V R 7/​03
Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 21. Febru­ar 2008 – C‑271/​06