Kanu­tou­ren für Schul­klas­sen

Die Durch­füh­rung von Kanu­tou­ren ist umsatz­steu­er­pflich­tig. Eine Umsatz­steu­er­frei­heit tritt auch dann nicht ein, wenn die Kan­tou­ren für Schul­klas­sen durch­ge­führt wird. Der Bun­des­fi­nanz­hof urteil­te hier­zu, dass es sich bei sol­chen für Schu­len durch­ge­führ­ten Kan­tou­ren nicht um eine „Auf­nah­me“ der Jugend­li­chen für Erziehungs‑, Aus­bil­dungs- oder Fort­bil­dungs­zwe­cke im Sin­ne der in § 4 Nr. 23 UStG gere­gel­ten Umsatz­steu­er­be­frei­ung han­delt, wenn die Gesamt­ver­ant­wor­tung bei den Leh­rern ver­bleibt.

Kanu­tou­ren für Schul­klas­sen

In dem jetzt vom BFH ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger mehr­tä­gi­ge Kanu­tou­ren für Schul­klas­sen im Rah­men sog. Pro­jekt­wo­chen orga­ni­siert und dabei die Pla­nung der Tou­ren sowie die Reser­vie­rung der Cam­ping­plät­ze über­nom­men Er behan­del­te sei­ne Umsät­ze als umsatz­steu­er­frei, weil sei­ner Ansicht nach sei­ne Leis­tun­gen der Jugend­be­treu­ung und Jugend­er­zie­hung dien­ten. Das Finanz­amt folg­te dem nicht und unter­warf die Umsät­ze des Klä­gers der Umsatz­steu­er. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te beim Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt in Han­no­ver kei­nen Erfolg [1].

Der BFH hat nun das Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts bestä­tigt: der Begriff der „Auf­nah­me“ in § 4 Nr. 23 UStG ent­hal­te ein Moment der Obhut und Betreu­ung, so der BFH. Die Steu­er­be­frei­ung set­ze des­halb die Über­nah­me der Gesamt­ver­ant­wor­tung für die Jugend­li­chen vor­aus. Es ent­spre­che auch nicht dem Geset­zes­zweck, Umsät­ze von der Steu­er zu befrei­en, die –wie die strei­ti­gen Kanu­tou­ren– ledig­lich fak­tisch auch mit Erzie­hungs­leis­tun­gen ver­bun­den sei­en.

Aus dem Gemein­schafts­recht las­se sich eben­falls kei­ne Steu­er­be­frei­ung her­lei­ten. Gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 Buch­sta­be h der Richt­li­nie 77/​388/​EWG sei­en zwar die „eng mit der Kin­der- und Jugend­be­treu­ung ver­bun­de­nen Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen durch Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­re von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen“ von der Umsatz­steu­er befreit. Für die Aner­ken­nung einer „ande­ren Ein­rich­tung“ in die­sem Sin­ne reich­ten ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der Ein­rich­tung und der Schu­le aber nicht aus. Ent­spre­chen­des gel­te für Art. 13 Teil A Abs. 1 Buch­sta­be i der Richt­li­nie 77/​388/​EWG.

Die Durch­füh­rung von Kanu­tou­ren für Schul­klas­sen ist kei­ne „Auf­nah­me“ der Jugend­li­chen für Erziehungs‑, Aus­bil­dungs- oder Fort­bil­dungs­zwe­cke i.S. der in § 4 Nr. 23 UStG gere­gel­ten Steu­er­be­frei­ung, wenn die Gesamt­ver­ant­wor­tung bei den Leh­rern ver­bleibt; die teil­wei­se Über­nah­me von Betreu­ungs­leis­tun­gen reicht inso­weit nicht aus.

Für die Aner­ken­nung einer ande­ren Ein­rich­tung i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. h und i der Richt­li­nie 77/​388/​EWG rei­chen ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen der Ein­rich­tung und einer Schu­le allein nicht aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Mai 2009 – V R 35/​07

  1. Nds. FG vom 01.032007 – 16 K 30/​05, EFG 2007, 1288[]