Kei­ne Ent­gelt­min­de­rung für Ver­mitt­ler

Auf­grund des „Ibe­ro Tours”, Urteils des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on 1 hält der Bun­des­fi­nanz­hof nicht dar­an fest, dass ein Ver­mitt­ler das Ent­gelt für sei­ne Ver­mitt­lungs­leis­tung min­dern kann, wenn er dem Kun­den der von ihm ver­mit­tel­ten Leis­tung einen Preis­nach­lass gewährt.

Kei­ne Ent­gelt­min­de­rung für Ver­mitt­ler

Ändert sich die Bemes­sungs­grund­la­ge für einen steu­er­pflich­ti­gen Umsatz, hat der Unter­neh­mer, der den Umsatz aus­ge­führt hat, gemäß § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG den dafür geschul­de­ten Steu­er­be­trag zu berich­ti­gen. Bei der Bemes­sungs­grund­la­ge, deren Ände­rung nach § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG zur Berich­ti­gung führt, han­delt es sich um das Ent­gelt i.S. von § 10 Abs. 1 UStG 2. Ent­gelt ist alles, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­det, um die Leis­tung zu erhal­ten, jedoch abzüg­lich der Umsatz­steu­er (§ 10 Abs. 1 Satz 2 UStG).

Uni­ons­recht­li­che Grund­la­ge für § 17 Abs. 1 Satz 1 UStG ist in den Streit­jah­ren (2002 bis 2005) Art. 11 Teil C Abs. 1 Unter­abs. 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (ent­spricht Art. 90 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL). Danach wird im Fal­le der Annul­lie­rung, der Rück­gän­gig­ma­chung, der Auf­lö­sung, der voll­stän­di­gen oder teil­wei­sen Nicht­be­zah­lung oder des Preis­nach­las­ses nach der Bewir­kung des Umsat­zes die Besteue­rungs­grund­la­ge (Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge) unter von den Mit­glied­staa­ten fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen ent­spre­chend ver­min­dert. § 10 Abs. 1 Satz 1 UStG beruht uni­ons­recht­lich auf Art. 11 Teil A Abs. 1 Buchst. a der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (jetzt Art. 73 MwSt­Sys­tRL). Danach umfasst die Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge bei der Lie­fe­rung von Gegen­stän­den und Dienst­leis­tun­gen alles, was den Wert der Gegen­leis­tung bil­det, die der Lie­fe­rer oder Dienst­leis­ten­de für die­se Umsät­ze vom Abneh­mer (Erwer­ber) oder Dienst­leis­tungs­emp­fän­ger oder von einem Drit­ten erhält oder erhal­ten soll, ein­schließ­lich der unmit­tel­bar mit dem Preis die­ser Umsät­ze zusam­men­hän­gen­den Sub­ven­tio­nen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung eine Ent­gelt­min­de­rung bejaht.

Der Uni­ons­ge­richts­hof hat mit Urteil „Ibe­ro Tours” 3 ent­schie­den, dass sich aus sei­nem Urteil „Eli­da Gibbs” 4 kei­ne Ent­gelt­min­de­rung für den Fall ergibt, dass „ein Rei­se­bü­ro als Ver­mitt­ler dem End­ver­brau­cher aus eige­nem Antrieb und auf eige­ne Kos­ten einen Nach­lass auf den Preis der ver­mit­tel­ten Leis­tung gewährt, die von dem Rei­se­ver­an­stal­ter erbracht wird.”

Danach wirkt sich der Preis­nach­lass nicht auf das Ent­gelt der vom Ver­mitt­ler an den Rei­se­ver­an­stal­ter erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen aus, da der Ver­mitt­ler kei­nen Nach­lass für die im Rah­men der Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit an den Rei­se­ver­an­stal­ter erbrach­ten Dienst­leis­tun­gen gewährt 5. Auf­grund die­ses Urteils hält der Bun­des­fi­nanz­hof nicht mehr an sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung 6 fest, dass ein Ver­mitt­ler das Ent­gelt für sei­ne Ver­mitt­lungs­leis­tung min­dern kann, wenn er dem Kun­den der von ihm ver­mit­tel­ten Leis­tung einen Preis­nach­lass gewährt.

Der V. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs weicht damit nicht von der Recht­spre­chung des XI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs ab. Denn das BFH-Urteil vom 15. Febru­ar 2012 7 betrifft eine anders gela­ger­te Fall­ge­stal­tung, bei der dem EuGH-Urteil „Eli­da Gibbs” 8 ent­spre­chend eine Lie­fer­ket­te über einen Zwi­schen­händ­ler vor­liegt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 27. Febru­ar 2014 – V R 18/​11

  1. EuGH, Urteils vom 16.01.2014 – C‑300/​12 [Ibe­ro Tours], DStR 2014, 139
  2. BFH, Urtei­le vom 28.05.2009 – V R 2/​08, BFHE 226, 166, BSt­Bl II 2009, 870, unter II. 3.a; vom 17.12 2009 – V R 1/​09, BFH/​NV 2010, 1869, unter II. 1.; und vom 11.02.2010 – V R 2/​09, BFHE 228, 467, BSt­Bl II 2010, 765, unter II. 1.
  3. EuGH, Urteil „Ibe­ro Tours” in DStR 2014, 139, Leit­satz
  4. EuGH, Urteil „Eli­da Gibbs” in Slg. 1996, I‑5339
  5. EuGH, Urteil „Ibe­ro Tours” in DStR 2014, 139, Rdnr. 27
  6. BFH, Urtei­le vom 12.01.2006 – V R 3/​04, BFHE 213, 69, BSt­Bl II 2006, 479, unter II. 2. mit Berech­nungs­bei­spiel; vom 13.07.2006 – V R 46/​05, BFHE 214, 463, BSt­Bl II 2007, 186
  7. BFH, Urteil vom 15.02.2012 – XI R 24/​09, BFHE 236, 267, BSt­Bl II 2013, 712
  8. EuGH, Urteil „Eli­da Gibbs”, in Slg. 1996, I‑5339