Kei­ne Umsatz­steu­er für Berufs­be­treu­er

Seit dem 1. Juli 2013 sind Leis­tun­gen der Betreu­er auch nach natio­na­len Recht umsatz­steu­er­frei (vgl. § 4 Nr. 16 Buchst. k UStG i.d. Fas­sung durch das Amts­hil­feR­LUmsG). Die Neu­re­ge­lung gilt aber nur für Leis­tun­gen, die ab Juli 2013 erbracht wer­den (Art. 31 Abs. 4 Amts­hilfs­RLUmsG). Für davor erbrach­te Leis­tun­gen kön­nen sich die gericht­lich bestell­te Berufs­be­treu­er aller­dings auf das euro­poäi­sche Uni­ons­recht (Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL) beru­fen. Danach unter­lie­gen gericht­lich bestell­te Berufs­be­treu­er auch für die Zeit vor dem 1. Juli 2013 mit ihren Leis­tun­gen nicht der Umsatz­steu­er.

Kei­ne Umsatz­steu­er für Berufs­be­treu­er

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war die Klä­ge­rin vom Vor­mund­schafts­ge­richt zur Betreue­rin bestellt wor­den. Grund­sätz­lich wird die Betreu­ung ehren­amt­lich erbracht; nur aus­nahms­wei­se wird sie ent­gelt­lich aus­ge­führt, wenn das Gericht bei der Bestel­lung aus­spricht, dass sie berufs­mä­ßig geführt wird. Das war hier der Fall. Nach deut­schem Umsatz­steu­er­recht unter­lie­gen die von Berufs­be­treu­ern erbrach­ten Leis­tun­gen der Umsatz­steu­er. Die Klä­ge­rin hat­te dage­gen gel­tend gemacht, ihre Leis­tun­gen sei­en nach dem vor­ran­gig zu beach­ten­den Recht der EU umsatz­steu­er­frei.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat jetzt die Auf­fas­sung der Klä­ge­rin bestä­tigt und die anders lau­ten­de Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts auf­ge­ho­ben. Er bejaht eine sich aus dem Uni­ons­recht erge­ben­de Steu­er­frei­heit, da der Berufs­be­treu­er zum einen durch sei­ne Betreu­ungs­tä­tig­keit Leis­tun­gen erbringt, die eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­den sind. Für sol­che Leis­tun­gen sieht das EU-Recht die Steu­er­frei­heit vor. Zum ande­ren bejaht der Bun­des­fi­nanz­hof auch die für die Steu­er­frei­heit zusätz­lich erfor­der­li­che Aner­ken­nung als steu­er­frei­er Leis­tungs­er­brin­ger (sog "aner­kann­te Ein­rich­tung"). Sie ergibt sich aus der gericht­li­chen Bestel­lung für die Tätig­keit, aus dem an der Leis­tung bestehen­den Gemein­wohl­in­ter­es­se sowie dar­aus, dass gleich­ar­ti­ge Leis­tun­gen, die durch Betreu­ungs­ver­ei­ne und sog. Ver­eins­be­treu­er erbracht wer­den, gleich­falls steu­er­frei sind.

Nicht umsatz­steu­er­frei sind aller­dings Leis­tun­gen, die zum Gewer­be oder zum Beruf des Betreu­ers gehö­ren. Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Sache des­halb zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Soll­te die Klä­ge­rin z.B. als Rechts­an­wäl­tin Bera­tungs­leis­tun­gen für die von ihr betreu­ten Per­so­nen erbracht haben, hät­te sie dafür Umsatz­steu­er zu ent­rich­ten.

Umsatz­steu­er­pflicht nach deut­schem Recht

Die Leis­tun­gen eines gericht­li­chen bestell­ten Berufs­be­treu­ers waren in den Streit­jah­ren nicht nach natio­na­lem Recht steu­er­frei.

Die Klä­ge­rin erfüll­te nicht die in der Per­son des leis­ten­den Unter­neh­mers bestehen­den Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­frei­heit nach § 4 Nr. 16 UStG oder nach § 4 Nr. 18 UStG in ihrer in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung. Sie erbrach­te weder Leis­tun­gen als Ein­rich­tung zur vor­über­ge­hen­den Auf­nah­me pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen oder zur ambu­lan­ten Pfle­ge kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen (§ 4 Nr. 16 UStG) noch war sie Mit­glied in einem aner­kann­ten Ver­band der Wohl­fahrts­pfle­ge (§ 4 Nr. 18 UStG).

Bestä­tigt wird die in den Streit­jah­ren nach natio­na­lem Recht bestehen­de Steu­er­pflicht durch einen Gesetz­ge­bungs­vor­schlag zum Jah­res­steu­er­ge­setz 2013 (JStG 2013). Danach soll die nach § 4 Nr. 16 UStG bestehen­de Steu­er­frei­heit für "die mit dem Betrieb von Ein­rich­tun­gen zur Betreu­ung oder Pfle­ge kör­per­lich, geis­tig oder see­lisch hilfs­be­dürf­ti­ger Per­so­nen eng ver­bun­de­nen Leis­tun­gen" um einen zusätz­li­chen Buchst. k ergänzt wer­den. Auch die Leis­tun­gen der "Ein­rich­tun­gen, die als Betreu­er nach § 1896 Absatz 1 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs bestellt wor­den sind, sofern es sich nicht um Leis­tun­gen han­delt, die nach § 1908i Absatz 1 in Ver­bin­dung mit § 1835 Absatz 3 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs ver­gü­tet wer­den", sol­len danach steu­er­frei sein 1.

Umsatz­steu­er­frei­heit nach der MwSt­Sys­tRL

Der gericht­li­che bestell­te Berufs­be­treu­er kann sich für die Steu­er­frei­heit sei­ner Leis­tun­gen aber auf das Uni­ons­recht beru­fen.

Steu­er­frei waren nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL in den Streit­jah­ren "die eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­nen Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den, ein­schließ­lich der­je­ni­gen der Alten­hei­me, durch Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­re von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen".

Neben einer eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­nen Leis­tung setzt die Steu­er­frei­heit nach Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL bei Leis­tun­gen von Steu­er­pflich­ti­gen, die kei­ne Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts sind, vor­aus, dass der leis­ten­de Unter­neh­mer als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kannt ist.

Die sog. recht­li­che Betreu­ung gemäß §§ 1896 ff. BGB "umfasst alle Tätig­kei­ten, die erfor­der­lich sind, um die Ange­le­gen­hei­ten des Betreu­ten nach Maß­ga­be der fol­gen­den Vor­schrif­ten recht­lich zu besor­gen" (§ 1901 Abs. 1 BGB). Der Betreu­er hat dabei ins­be­son­de­re die Ange­le­gen­hei­ten des Betreu­ten so zu besor­gen, wie es des­sen Wohl ent­spricht (§ 1901 Abs. 2 Satz 1 BGB).

Bei die­sen Betreu­ungs­leis­tun­gen han­delt es sich um eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ne Dienst­leis­tun­gen i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG sowie Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL, wie der Bun­des­fi­nanz­hof für Betreu­ungs­leis­tun­gen der­sel­ben Art, die gleich­falls nach §§ 1896 ff. BGB durch Ver­eins­be­treu­er erbracht wer­den, bereits aus­drück­lich ent­schie­den hat 2. Hier­auf nimmt der Bun­des­fi­nanz­hof zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Bezug.

Der gericht­lich bestell­te Berufs­be­treu­er ist auch eine Ein­rich­tung i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL.

Nach dem EuGH-Urteil "Zim­mer­mann" 3 legt Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG die Vor­aus­set­zun­gen und Moda­li­tä­ten der Aner­ken­nung nicht fest.

Wei­ter ist es Sache des inner­staat­li­chen Rechts jedes Mit­glied­staats, die Regeln auf­zu­stel­len, nach denen Ein­rich­tun­gen die erfor­der­li­che Aner­ken­nung gewährt wer­den kann. Dabei haben die natio­na­len Behör­den im Ein­klang mit dem Uni­ons­recht und unter der Kon­trol­le der natio­na­len Gerich­te die für die Aner­ken­nung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te zu berück­sich­ti­gen. Zu die­sen gehö­ren das Bestehen spe­zi­fi­scher Vor­schrif­ten, bei denen es sich um natio­na­le oder regio­na­le Rechts- oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, Steu­er­vor­schrif­ten oder Vor­schrif­ten im Bereich der sozia­len Sicher­heit han­deln kann, das mit den Tätig­kei­ten des betref­fen­den Steu­er­pflich­ti­gen ver­bun­de­ne Gemein­wohl­in­ter­es­se, die Tat­sa­che, dass ande­re Steu­er­pflich­ti­ge mit den glei­chen Tätig­kei­ten bereits in den Genuss einer ähn­li­chen Aner­ken­nung kom­men, und die Über­nah­me der Kos­ten der frag­li­chen Leis­tun­gen zum gro­ßen Teil durch Kran­ken­kas­sen oder ande­ren Ein­rich­tun­gen der sozia­len Sicher­heit 4.

Dabei kann sich ein Steu­er­pflich­ti­ger auf die in Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­ge­se­he­ne Steu­er­be­frei­ung beru­fen, um sich einer natio­na­len Rege­lung zu wider­set­zen, die mit die­ser Bestim­mung unver­ein­bar ist. Es ist dann Sache des natio­na­len Gerichts, anhand aller maß­geb­li­chen Umstän­de zu bestim­men, ob der Steu­er­pflich­ti­ge eine als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tung im Sin­ne die­ser Bestim­mung ist. Inso­weit haben die natio­na­len Gerich­te zu prü­fen, ob die zustän­di­gen Behör­den die Gren­zen des ihnen ein­ge­räum­ten Ermes­sens unter Beach­tung der Grund­sät­ze des Uni­ons­rechts ein­ge­hal­ten haben, zu denen ins­be­son­de­re der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung gehört, der im Mehr­wert­steu­er­be­reich im Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät zum Aus­druck kommt 5. Nichts ande­res gilt für Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL.

Im Streit­fall folgt die Aner­ken­nung des gericht­lich bestell­ten Berufs­be­treu­ers i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL ins­be­son­de­re aus dem Bestehen spe­zi­fi­scher Vor­schrif­ten im Bereich der sozia­len Sicher­heit.

Für die Aner­ken­nung des Betreu­ers spricht sei­ne gericht­li­che Bestel­lung und Über­wa­chung nach §§ 1896 ff. BGB. Maß­geb­lich ist, dass das hier­für in den Streit­jah­ren zustän­di­ge Vor­mund­schafts­ge­richt nur "eine natür­li­che Per­son, die geeig­net ist, in dem gericht­lich bestimm­ten Auf­ga­ben­kreis die Ange­le­gen­hei­ten des Betreu­ten recht­lich zu besor­gen und ihn in dem hier­für erfor­der­li­chen Umfang per­sön­lich zu betreu­en", zum Betreu­er bestel­len konn­te (§ 1897 Abs. 1 BGB). Dabei hat­te das Gericht bei der Aus­wahl des Betreu­ers des­sen Geeig­net­heit umfas­send im Hin­blick auf alle erfor­der­li­chen Auf­ga­ben­be­rei­che zu prü­fen 6. Dem­entspre­chend hat­te das Gericht den Betreu­er zu ent­las­sen, wenn des­sen Eig­nung zur Betreu­ung nicht mehr gewähr­leis­tet war (§ 1908b Abs. 1 Satz 1 BGB). Eine zur Ent­las­sung füh­ren­de man­geln­de Eig­nung konn­te sich ins­be­son­de­re aus Pflicht­ver­let­zun­gen des Betreu­ers oder des­sen Über­for­de­rung mit der Erle­di­gung der zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben­krei­se erge­ben 7. Die­se Eig­nungs­grund­sät­ze für die Bestel­lung und Ent­las­sung von Betreu­ern gal­ten glei­cher­ma­ßen für Ver­eins- und Behör­den­be­treu­er (§ 1897 Abs. 2 BGB) wie auch für ehren­amt­lich täti­ge Betreu­er und Berufs­be­treu­er (§ 1897 Abs. 6 BGB). Damit folgt aus der gericht­li­chen Bestel­lung zur Erbrin­gung einer eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­nen Leis­tung, der erfor­der­li­che "sozia­le Cha­rak­ter … , der dem Erbrin­ger der Dienst­leis­tung zuer­kannt sein muss" 8.

Wei­ter ist ein Aus­schluss des gericht­lich bestell­ten Berufs­be­treu­ers von der Steu­er­frei­heit im Hin­blick auf die für Betreu­ungs­ver­ei­ne bestehen­de Steu­er­frei­heit nicht mit dem Grund­satz der steu­er­li­chen Neu­tra­li­tät zu ver­ein­ba­ren.

Auf der Grund­la­ge von § 4 Nr. 18 UStG und Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG hat der Bun­des­fi­nanz­hof die Leis­tun­gen sog. Betreu­ungs­ver­ei­ne als steu­er­frei ange­se­hen, sofern sich der Ver­ein gegen die richt­li­ni­en­wid­ri­ge Rege­lung des sog. Abstands­ge­bots nach § 4 Nr. 18 Buchst. c UStG auf die Richt­li­nie 77/​388/​EWG beruft 9. Dem schließt sich der Bun­des­fi­nanz­hof auch für gericht­lich bestell­te Berufs­be­treu­er an.

Sind die Leis­tun­gen von Betreu­ungs­ver­ei­nen, die auf­grund einer Bestel­lung von Ver­eins­be­treu­ern nach §§ 1896 ff. BGB erbracht wer­den, nach die­ser Recht­spre­chung steu­er­frei und dür­fen die Mit­glied­staa­ten kei­ne unter­schied­li­chen Bedin­gun­gen für Ein­hei­ten mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht einer­seits und die z.B. unter § 4 Nr. 18 UStG fal­len­den juris­ti­schen Per­so­nen ohne Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ande­rer­seits vor­se­hen 10, sind auch Berufs­be­treu­er auf­grund einer nach §§ 1896 ff. BGB erfolg­ten Bestel­lung als aner­kann­te Ein­rich­tung anzu­se­hen. Hier­für spricht neben der Iden­ti­tät des Rechts­rah­mens bei der Leis­tungs­er­brin­gung durch Betreu­ungs­ver­ei­ne und Berufs­be­treu­er auch die Iden­ti­tät der Ver­gü­tungs­re­ge­lun­gen. So wer­den Berufs­be­treu­er und die für einen Betreu­ungs­ver­ein täti­gen Ver­eins­be­treu­er nach dem Gesetz über die Ver­gü­tung von Vor­mün­dern und Betreu­ern (Vor­mün­der- und Betreu­er­ver­gü­tungs­ge­setz –VBVG – ) in der­sel­ben Höhe ver­gü­tet. Die Ver­gü­tung des Berufs­be­treu­ers, der unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 2 VBVG berufs­mä­ßig tätig ist, erfolgt nach den Stun­den­sät­zen des § 4 VBVG auf der Grund­la­ge der Stun­den­an­sät­ze des § 5 VBVG und damit nach den­sel­ben Rege­lun­gen, nach denen gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 VBVG auch die für Betreu­ungs­ver­ei­ne täti­gen Ver­eins­be­treu­er ver­gü­tet wer­den.

An der Tätig­keit sowohl der Betreu­ung durch Ver­eins­be­treu­er wie auch des nach §§ 1896 ff. BGB bestell­ten Berufs­be­treu­ers besteht auch ein erheb­li­ches Gemein­wohl­in­ter­es­se, wie sich bereits dar­aus ergibt, dass die recht­li­che Betreu­ung nach § 1896 Abs. 1 Satz 1 BGB dazu dient, Voll­jäh­ri­ge zu unter­stüt­zen, die auf Grund einer psy­chi­schen Krank­heit oder einer kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Behin­de­rung ihre Ange­le­gen­hei­ten ganz oder teil­wei­se nicht besor­gen kön­nen.

Gegen die Aner­ken­nung spricht nicht, dass im Regel­fall der Betreu­te die Kos­ten der Betreu­ungs­tä­tig­keit zu tra­gen hat. Dass nur einer von meh­re­ren für die Aner­ken­nung maß­geb­li­chen Gesichts­punk­ten (Bestehen spe­zi­fi­scher Vor­schrif­ten, das mit den Tätig­kei­ten des betref­fen­den Steu­er­pflich­ti­gen ver­bun­de­ne Gemein­wohl­in­ter­es­se, die Tat­sa­che, dass ande­re Steu­er­pflich­ti­ge mit den glei­chen Tätig­kei­ten bereits in den Genuss einer ähn­li­chen Aner­ken­nung kom­men, und die Kos­ten­über­nah­me durch Kran­ken­kas­sen oder ande­ren Ein­rich­tun­gen der sozia­len Sicher­heit 11) nicht vor­liegt, spricht nicht gegen eine Aner­ken­nung. Die Aner­ken­nung setzt nicht vor­aus, dass alle für die Aner­ken­nung in Betracht kom­men­den Gesichts­punk­te kumu­la­tiv erfüllt sind.

Die Ermäch­ti­gung in Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a ers­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bzw. Art. 133 Buchst. d ers­ter Gedan­ken­strich MwSt­Sys­tRL berech­tigt nicht zu einer Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen den Betreu­ungs­leis­tun­gen der Betreu­ungs­ver­ei­ne und der Ver­eins­be­treu­er einer­seits sowie der durch Berufs­be­treu­er erbrach­ten Betreu­ungs­leis­tun­gen ande­rer­seits.

Zwar kön­nen die Mit­glied­staa­ten nach die­ser Bestim­mung die Steu­er­frei­heit gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und Art. 132 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL, jeweils in Buchst. b, g, h, i, l, m und n für Ein­rich­tun­gen, die kei­ne Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts sind, davon abhän­gig machen, dass die betref­fen­den Ein­rich­tun­gen kei­ne sys­te­ma­ti­sche Gewinn­erzie­lung anstre­ben und etwai­ge Gewin­ne, die trotz­dem anfal­len, nicht ver­teilt, son­dern zur Erhal­tung oder Ver­bes­se­rung der erbrach­ten Leis­tun­gen ver­wen­det wer­den. Das UStG hat die­se Ermäch­ti­gung aber nicht aus­ge­übt, wie der EuGH in sei­nem Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnrn. 55 f. aus­drück­lich fest­ge­stellt hat.

Der Steu­er­frei­heit der durch die Klä­ge­rin erbrach­ten Leis­tun­gen steht auch nicht Art. 13 Teil A Abs. 2 der Richt­li­nie 77/​388/​EWG und Art. 133 MwSt­Sys­tRL jeweils Buchst. a drit­ter Gedan­ken­strich ent­ge­gen. Danach kön­nen die Mit­glied­staa­ten die Steu­er­frei­heit gemäß Art. 13 Teil A Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bzw. Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwSt­Sys­tRL für Ein­rich­tun­gen, die kei­ne Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts sind, davon abhän­gig machen, dass Prei­se ange­wen­det wer­den, die von den zustän­di­gen Behör­den geneh­migt sind, oder sol­che, die die geneh­mig­ten Prei­se nicht über­stei­gen; bei Tätig­kei­ten, für die eine Preis­ge­neh­mi­gung nicht vor-gese­hen ist, müs­sen Prei­se ange­wen­det wer­den, die unter den Prei­sen lie­gen, die von den der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­den gewerb­li­chen Unter­neh­men für ent­spre­chen­de Tätig­kei­ten gefor­dert wer­den.

Unab­hän­gig von der Fra­ge, ob das UStG die durch Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a drit­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ein­ge­räum­te Ermäch­ti­gung wirk­sam aus­ge­übt hat 12, han­delt ein Gericht, das die Ver­gü­tung eines Betreu­ers nach fest­ste­hen­den Stun­den­sät­zen fest­setzt, funk­tio­nal als Behör­de, so dass von den zustän­di­gen Behör­den geneh­mig­te Prei­se i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a drit­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG vor­lie­gen, wie der BFH mit Urteil in BFHE 224, 183, BFH/​NV 2009, 869, unter II.3.b bereits ent­schie­den hat. Glei­ches gilt für die nach dem VBVG zu bewil­li­gen­de Ver­gü­tung, die nach § 1 Abs. 2 VBVG in sei­ner in den Streit­jah­ren gel­ten­den Fas­sung vom Vor­mund­schafts­ge­richt nach den Stun­den­sät­zen des § 4 VBVG bewil­ligt wur­de. Daher kann es für den Berufs­be­treu­er auch nicht zu einer wei­ter gehen­den Steu­er­frei­heit kom­men, als sie für Betreu­ungs­ver­ei­ne nach § 4 Nr. 18 UStG besteht.

Es lie­gen auch kei­ne sons­ti­gen Grün­de vor, die einer Beru­fung der Klä­ge­rin auf das Uni­ons­recht ent­ge­gen­ste­hen. So sind die Leis­tun­gen der Klä­ge­rin kei­ne Leis­tun­gen, die i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. b der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bzw. Art. 134 Buchst. a MwSt­Sys­tRL als für die sozia­le Sicher­heit "nicht uner­läss­lich" anzu­se­hen sind, oder die im Wesent­li­chen dazu bestimmt sind, zusätz­li­che Ein­nah­men im unmit­tel­ba­ren Wett­be­werb mit Tätig­kei­ten zu ver­schaf­fen, die von der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­den gewerb­li­chen Unter­neh­men durch­ge­führt wer­den.

Steu­er­pflich­ti­ger muss sich auf das ihm güns­ti­ge­re Uni­ons­recht beru­fen

Beruft sich der Steu­er­pflich­ti­ge –wie im Streit­fall– auf das für ihn güns­ti­ge­re Uni­ons­recht, kommt dem Umstand, das nach natio­na­lem Recht Berufs­be­treu­er anders als Ver­eins­be­treu­er mit ihren Betreu­ungs­leis­tun­gen steu­er­pflich­tig sind, kei­ne Bedeu­tung zu. Soweit der natio­na­le Gesetz­ge­ber daher beab­sich­tigt hat­te, den Betreu­ungs­ver­ei­nen "eine geziel­te För­de­rung" zuzu­wen­den, in dem die Betreu­ungs­ver­ei­ne "eine nied­ri­ge­re Umsatz­steu­er als ein frei­be­ruf­li­cher Betreu­er zu ent­rich­ten" haben 13 steht die­se umsatz­steu­er­recht­li­che Ungleich­be­hand­lung im Wider­spruch zum EuGH, Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnr. 53, nach dem die Umsatz­steu­er­frei­heit nicht von sach­lich unter­schied­li­chen Bedin­gun­gen für Ein­hei­ten mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht wie z.B. Berufs­be­treu­ern einer­seits und die z.B. unter § 4 Nr. 18 UStG fal­len­den Betreu­ungs­ver­ei­ne ohne Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht abhän­gig gemacht wer­den kann. Dass die Ungleich­be­hand­lung beab­sich­tigt war, steht einer Beru­fung auf das Uni­ons­recht auch nicht ent­ge­gen.

Kei­ne Steu­er­frei­heit für wei­ter­ge­hen­de Leis­tun­gen

Das Finanz­ge­richt hat –aus­ge­hend von sei­nem Rechts­stand­punkt zu Recht– kei­ne Fest­stel­lun­gen zu der Fra­ge getrof­fen, ob die Klä­ge­rin Ver­gü­tun­gen i.S. von § 1908i BGB i.V.m. § 1835 Abs. 3 BGB erhal­ten hat. Als Auf­wen­dun­gen gel­ten auch sol­che Diens­te, die zum Gewer­be oder zum Beruf des Betreu­ers gehö­ren. Leis­tun­gen, die nach die­sen Vor­schrif­ten ver­gü­tet wer­den, sind weder nach dem Uni­ons­recht steu­er­frei noch nach der geplan­ten Neu­re­ge­lung durch das JStG 2013. Denn Leis­tun­gen, die z.B. einem als Betreu­er täti­gen Rechts­an­walt für eine anwalt­li­che Tätig­keit im Rah­men der Betreu­ung nach die­sen Vor­schrif­ten des BGB ver­gü­tet wer­den, sind kei­ne mit der Sozi­al­für­sor­ge eng ver­bun­de­nen Leis­tun­gen und auch nicht i.S. von Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a ers­ter Gedan­ken­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG bzw. Art. 134 Buchst. a MwSt­Sys­tRL uner­läss­lich für die Aus­übung der Betreu­ungs­tä­tig­keit, da der Schwer­punkt die­ser Leis­tung nicht in der Betreu­ung der kran­ken oder behin­der­ten Per­son liegt, son­dern in der Erbrin­gung einer all­ge­mei­nen Rechts­be­ra­tungs­leis­tung, die nur aus Anlass der Betreu­ung durch die ansons­ten aner­kann­te Ein­rich­tung erbracht wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25 April 2013 – V R 7/​11

  1. vgl. auch den Vor­schlag der Geset­zes­be­grün­dung in BT-Drs. 139/​13 S. 180[]
  2. BFH, Urteil vom 17.02.2009 – XI R 67/​06, BFHE 224, 183, BFH/​NV 2009, 869, unter II.2.b[]
  3. EuGH, Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnr. 26[]
  4. EuGH, Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnr. 31[]
  5. EuGH, Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnrn. 32 f.[]
  6. KG, Urteil vom 27.01.2009 – 1 W 95/​08, Fam­RZ 2009, 910, Leit­satz[]
  7. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 30.07.2008 – 20 W 247/​08, Leit­satz[]
  8. EuGH, Urteil vom 09.02.2006 – C‑415/​04 [Stich­t­ing Kin­de­r­opvang Ensche­de], Slg. 2006 I‑1385 Rdnr. 23[]
  9. BFH, Urteil in BFHE 224, 183, BFH/​NV 2009, 869, unter II.2.[]
  10. EuGH, Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnr. 53[]
  11. vgl. EuGH, Urteil Zim­mer­mann in UR 2013, 35 Rdnr. 31[]
  12. vgl. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 224, 183, BFH/​NV 2009, 869, unter II.3.b[]
  13. BT-Drs. 15/​4874, S. 31 zu § 4 Abs. 2 VBVG[]