Kipp-Ent­gelt für Abwas­ser­be­sei­ti­gung

Sind die Kipp-Ent­gelt, die ein Gru­ben­ent­lee­rer für die Abwas­ser­be­sei­ti­gun­gen nach einer Gru­ben­ent­lee­rung für sei­ne Kun­den ver­aus­lagt, ein umsatz­steu­er­frei­er durch­lau­fen­der Pos­ten oder muss er hier­auf bei der Wei­ter­be­rech­nung an sei­ne Kun­den zusätz­li­che Umsatz­steu­er erhe­ben?

Kipp-Ent­gelt für Abwas­ser­be­sei­ti­gung

Das Finanz­ge­richt Ham­burg beant­wor­tet die­se Fra­ge in zwei Urtei­len wider­sprüch­lich: In dem ers­ten Urteil im Febru­ar 2006 hat­te der 2. Senat des Finanz­ge­richts Ham­burg [1] die Kip­pent­gel­te nicht als durch­lau­fen­den Pos­ten ange­se­hen und ihre Wei­ter­be­rech­nung an die Kun­den des Gru­ben­ent­lee­rungs­un­ter­neh­mens der Umsatz­steu­er unter­wor­fen. Die­ses Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Klä­ge­rin hat hier­ge­gen Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de beim Bun­des­fi­nanz­hof [2] ein­ge­legt.

In einem neu­en, rechts­kräf­ti­gen Gerichts­be­scheid vom Dezem­ber 2009 hat nun dage­gen der 3. Senat des Finanz­ge­richts Ham­burg die Kipp-Ent­gelt als für das Gru­ben­ent­lee­rungs­un­ter­neh­men durch­lau­fen­de Pos­ten ange­se­hen mit der Fol­ge, dass der Gru­ben­t­lee­rer die­se Kipp-Ent­gel­te umsatz­steu­er­frei an sei­ne Kun­den wei­ter­be­rech­nen konn­te:

Die Klä­ge­rin des jetzt vom 3. Senat des Finanz­ge­richts Ham­burg ent­schie­de­nen Rechts­streits betreibt mit einem „Saug­wa­gen“ ein Trans­port­un­ter­neh­men zur Abfuhr von Abwas­ser aus Sam­mel­gru­ben von Haus­grund­stü­cken ohne Siel­an­schluss (Gru­ben­ent­lee­rung). Lang­jäh­ri­ger Ver­wal­tungs­pra­xis ent­sprach es, dass die Ham­bur­ger Stadt­ent­wäs­se­rung die bei Ein­lei­tung an den Über­ga­be­stel­len fäl­lig wer­den­den Ent­gel­te, die soge­nann­ten Kipp-Ent­gel­te, der Klä­ge­rin monats- oder quar­tals­wei­se ohne Umsatz­steu­er­aus­weis in Rech­nung stell­te. Die Klä­ge­rin hat­te die­se Kipp-Ent­gelt, die sich im unte­ren zwei­stel­li­gen Bereich je Fuh­re bewe­gen, ihren Kun­den jeweils ohne Umsatz­steu­er wei­ter­be­rech­net.

Ende der neun­zi­ger Jah­re änder­te die Finanz­ver­wal­tung ihre Rechts­auf­fas­sung und erhob bei der Klä­ge­rin für die Jah­re 1999 bis 2002 Umsatz­steu­er in Höhe von rund 10.000 € pro Jahr nach. Das Finanz­amt steht nun­mehr auf dem Stand­punkt, dass die Kipp-Ent­gel­te für die Klä­ge­rin kei­ne durch­lau­fen­den Pos­ten dar­stel­len mit der Fol­ge, dass auf die­se Umsatz­steu­er nach­zu­er­he­ben sei. Denn, so die Finanz­ver­wal­tung, die Klä­ge­rin zah­le die Kipp-Ent­gel­te weder im Namen noch für Rech­nung der Gru­ben­be­sit­zer. Die Kun­den der Klä­ge­rin, also die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer, sei­en nicht Schuld­ner des Kipp-Ent­gelts, zur Zah­lung ver­pflich­tet sei viel­mehr allein die Klä­ge­rin. Das Kipp-Ent­gelt sei des­we­gen Teil des steu­er­ba­ren Ent­gelts für die Leis­tung der Klä­ge­rin an ihre Kun­den.

Der 3. Senat des Finanz­ge­richts Ham­burg folg­te die­ser Rechts­an­sicht des Finanz­am­tes jedoch nicht und gab der Kla­ge statt: Ein Han­deln eines Trans­port­un­ter­neh­mers im Namen der Abwas­ser­gru­ben­be­sit­zer lie­ge auch vor, so das Finanz­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den, wenn die Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­stalt zwar von den Namen der Gru­ben­be­sit­zer bei Ein­lei­tung des Abwas­sers kei­ne Kennt­nis neh­me, jedoch auf­grund der ord­nungs­be­hörd­li­chen Nach­weis- und Auf­be­wah­rungs­pflich­ten jeder­zeit Kennt­nis neh­men könn­te. Man­gels einer aus­drück­lich anders­lau­ten­den gesetz­li­chen Rege­lung wür­den des­halb auch die Gru­ben­be­sit­zer zumin­dest neben dem Trans­port­un­ter­neh­mer Ent­gelt­schuld­ner mit der Fol­ge, dass das Kipp-Ent­gelt nicht Teil des steu­er­ba­ren Ent­gelts für die Leis­tung der Klä­ge­rin an ihre Kun­den sei.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Gerichts­be­scheid vom 11.12.2009 – 3 K 4/​09 (rechts­kräf­tig)

  1. FG Ham­burg, Urteil vom 22.02.2006 – II 138/​05[]
  2. Az. des BFH: V B 57/​06[]